Samanthas Entwicklung

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    • Samanthas Entwicklung

      Charlie war gerade außer Sicht als Samantha noch zum Hang lief um nach ihm zu sehen. Ein heißer Dünenwind wirbelte ihre dunkelroten Locken hoch und Sand heftete sich kurz an ihre Augen. Angewidert rubbelte sie mit ihren Händen in den Augen und seufzte entnervt auf.

      >Na, Alleine?<

      Sie riss erschrocken ihre himmelblauen Augen auf und stand in Schockstarre einfach nur da, wagte es nicht sich nach der bekannten Stimme umzudrehen.

      >Sprichst du nicht mehr mit uns? Sind wir keine Freunde mehr?<

      "Ich hör euch nicht...", flüsternd packte sie ihren Kopf zwischen die Hände, schloss ihre Augen und rannte nach Erinnerung zurück ins Haus. Bei der letzten Stufe stolperte sie und flog über den harten Lehmboden. Kurz vor der Wand kam sie rutschend zum Stillstand. Keuchend, stemmte sie die Arme in den Boden und wollte sich aufrichten, als ein schattenhaftes Wesen mit rot glühenden Augen sie ansah. Erschrocken über den Anblick den sie viel zu gut kannte, sprang sie auf und lief ein paar Schritte rückwärts. Am liebsten wäre sie davon gelaufen, doch die Mauer hinter ihr, versperrte ihr den Weg.

      >Wir bleiben für immer bei dir! Ohne uns wärst du doch so alleine wie damals. Wir lieben dich, armes Kind<

      Instinktiv schlug sie die Hände an ihre Ohren und riss ihren Mund zu einem stummen Schrei auf. Ihr Körper zitterte vor Todesangst und Erschöpfung, ließ sich auf ihre Knie fallen und langsam die Umgebung vor ihren Augen verschwimmen. Immer mehr Gestalten tauchten aus den Schatten und sammelten sich um sie, wie Schläge, trommelten ihre Worte auf sie ein.

      >Wir lieben dich.<
      >Du unnützes, dummes Ding.<
      >Tochter einer Hurre.<
      >Wieso wurdest du nur geboren.<
      >Alle hassen dich.<

      In mehreren Wellen, brach ihr halb verdautes Essen auf ihrem Mund und sie speite alles vor sich auf dem Boden. Keuchend kniete sie davor, der Widerspruch in jedem Satz ließ sie anfangen in ein schrilles Lachen einzufallen.
      Ein Mischung aus Würgen, lachen und keuchen füllte das kleine Haus und die unmittelbare Umgebung bis ihr Körper sie vor Erschöpfung in einen traumlosen Schlaf gleiten ließ.
    • Neue Welt, Alte Freunde.

      Ihr Kopf dröhnte und schmerzte und sie griff sich Instinktiv an den Kopf. Samantha musste mehrere Male blinzeln als sie versuchte ihre Augen öffnen, denn das direkte Sonnenlicht schien ihr mitten ins Gesicht. Was war geschehen?
      Das einzige an das sie sich erinnern konnte, war das sie vor einem grünen Licht noch stand bevor sie das Bewusstsein verlor.Schwerfällig sammelte sie ihre Kräfte und trieb sich an endlich aufzustehen und die anderen zu fragen was passiert sei. Doch als sie ihre Umgebung studierte, bemerkte sie das sie alleine war.
      "Hallo? Was ist los? Wo seid ihr? Charlie? Killian? Ramona? Irgendjemand?"Niemand schien ihre Rufe zu vernehmen, jedenfalls schien es so für den Moment. Ein Kreischen hinter ihr trieb ihre Gesichtsfarbe in ein bleiches Weiß und nun erkannte sie das sie einen Fehler gemacht hatte.
      Denn ihre Rufe wurden zwar vernommen, jedoch von jemanden der ihr nichts gutes wollte.Als sie sich umdrehte, stürzte sich etwas auf sie und presste sie in die Erde unter sich. Klauen, scharf wie Messer, bohrten sich in ihren Oberkörper und Arme und sie schrie schmerzhaft auf. Ein Raptor stand über ihr und betrachtete sie kurz mit hungrigen, gelben Augen ehe sie nur noch sein mit zig Zähnen versetztes Maul sah.

      Erschrocken keuchte sie auf und fasste sich an den Körper, der vor Schmerz vibrierte. Ihre Arme und ihr Oberkörper schmerzte. Jedoch war weder Blut an ihr noch war sie mit Wunden versehen.
      Der Schmerz schien unbegründet, wenn sie nicht diese Erinnerung an den Raptor hatte. Sie rappelte sich nach kurzem ausruhen auf und bemerkte auch das sie nackt war. Der Scham trieb sie dazu an sich wenigstens einige Blätter um ihren Körper zu wickeln. //Welches Buch war das was ich gelesen habe... Nähkünste und Stricken? Aber woher bekomme ich eine Nähnadel...//, sie spazierte durch den Wald bis sie an eine Klippe kam und dort hinunter sah.
      Sie wollte gerade daran vorbei spazieren als ein riesiger Schwanz durch die Büsche sauste und auf sie zu schnellte. Als er auf sie traf, presste sie die Luft aus ihrem Brustkorb und warf sie die Klippe hinunter.

      Schreiend und keuchend erwachte sie erneut, diesmal jedoch im Schnee. Ihr Brustkorb fühle sich schwer an und sie konnte sich nicht aufraffen. Sie spürte wie eine Kreatur, vom Aussehen wie ein Raptor nur viel kleiner, um sie herum lief. Auf einmal tauchten immer mehr dieser Kreaturen neben ihr auf und sie riß die Augen vor entsetzen auf.

      Diesmal erwachte sie wieder im Wald, jedoch an einem Fluss. Körper und Seele geschunden, lag sie einfach nur da, unfähig irgendetwas zu tun. Es schienen Stunden zu vergehen, als sie genug Kraft sammelte um erneut aufzustehen. Schwitzend und zitternd zu gleich, sah sie sich um, die hellblauen Augen vor Entsetzen aufgerissen als ein T-Rex auf sie zustürmte. "N-Nein... Bitte..."

      Diese Tortur ging immer weiter. Am Fluss sprang ein Krokodil auf sie zu. Im Wald attackierten sie Ameisen. Ein Wesen mit Hörnern durchbohrte sie. Ein riesiges Wesen zertrampelte sie. Immer wieder wachte sie auf und immer wieder wachte sie woanders auf.

      Diesmal wachte sie auf einem Berg auf und sah mit trüben Augen in den Himmel.

      >Es wird schon wieder, alles wird schon wieder!<

      Eine Schattengestalt saß neben ihr und blickte sie ohne zu zwinkern mit rubinroten Augen an.

      >Was soll gut sein, Aleria? Das hier führt zu nichts.<

      Eine weitere stand neben dem Wesen Aleria und blickte von Oben herab. Samantha hatte ihm den Namen Yasper geben. Mehr tauchten auf, bis acht um sie herum verstreut waren. Als kleines Kind hatte sie alle benannt und bemerkte auch das eines von ihnen fehlte.

      >Niemand wird sie finden, das wird immer weiter gehen...<

      Eluins Stimme.

      >Wenn wir sie finden, sollten wir sie einfach umbringen im Schlaf.<

      Das war Erasmus provokativen Worte.

      >Und was sollte das bringen? Dann stehen wir wieder hier.<

      >Da hat Ferry recht, das würde sich nichts bringen, am meisten wenn wir sie irgendwann stürzen wollen.<

      Das kam nun von Turiel der mit verschränkten Armen die anderen arrogant anfunkelte.

      Sie rappelte sich auf und begann müde Holz und Stroh zu sammeln, denn sie wusste, wenn sie weiter so in der Wildnis war, würde es weiter gehen mit dem sterben. Nach stundenlanger Arbeit hatte sie eine kleine Strohhütte aufgestellt, alles schien ziemlich fragil, jedoch wusste sie das es notwendig war sich wenigstens von der Sicht der Tiere zu verstecken.
      Sie schloss müde die Tür hinter sich und setzte sich in die Ecke des kleinen Hauses. Weinend zog sie die Knie an ihr Kinn und umarmte ihre Beine. Die Stimmen um sie herum verstanden als die neunte und letzte Gestalt auftauchte und sie musste nicht ihren Kopf heben um zu wissen welche es war.

      >Du bist so dumm, Sam. Wieso habe ich dich auf die Welt gebracht? Ich hätte dich im Kinderbett erdrosseln sollen.<

      "Mutter....", sie blickte auf und sah fast in ein Spiegelbild das nur älter war als sie.

      >Du weißt das du es beenden musst, nicht wahr?<

      Nun bemerkte es Samantha. Sie realisierte wie sie dem ganzen ein Ende bereiten konnte. Sie griff nach einem Scharfen Stein in ihrer Hose, denn sie für den Aufbau der Hütte gefunden und gebraucht hatte und blickte auf ihren linken Unterarm.

      >Ein kleiner Schnitt, es tut sicherlich nicht so weh wie Zuhause. Dann könntest du endlich Frieden finden nicht wahr? Endlich wieder bei mir sein.<

      Der Glanz war nun völlig aus ihren Augen verschwunden und sie erhob ihre rechte Hand die dann Stein umfasste in die Höhe um diesen dann auf ihren Arm zu schmettern. Ihre Faust flog durch die Luft und sie hielt die Luft an.

      >Samantha?<

      Diese Stimme, sie hatte sie schon mehrere Male gehört. Der scharfe Stein verfehlte sein Ziel und schlug sich tief in das Fleisch ihres Unterarms. Blut spritze in ihr Gesicht und sie keuchte vor Schmerz auf. Sie wusste das diese Stimme nur in ihrem Kopf war, jedoch wusste sie das diese Person ihr nie weh getan hatte. Sie presste ihre Handfläche gegen die Wunde und fing an bitterlich zu weinen.
    • Steine klapperten an ihr vorbei als sie auf den Felsen kletterte und Speichel spritzte an ihre nackten Beine. Knurrend sprangen die Wölfe erneut als sie es anscheinend aufgaben und sich dem nächst liegendem Tier an den Hals warfen.

      Keuchend und schwitzend lag die Rothaarige noch eine Weile auf dem Felsen ehe sie sich langsam aufrichtete und sich wieder einige der schwarzen Beeren in den Mund schob. Ein paar zerquetschte sie und rieb sich auf die Sohlen, die schon wieder versuchten zu schmerzen.

      >So viele wie du schon gegessen hast, solltest du schon gar nichts mehr spüren.<

      Sie zuckte mit den Schultern und wischte sich mit ihrem Handrücken den Schweiß von der Stirn, während die Sonne auf sie brutal schien. Nachdem sie den Zettel gefunden hatte vor ihrer Hütte, raffte sie ihre Energie zusammen und fing einfach an zu laufen.

      Tage waren vergangen, bei denen sie einfach nur gelaufen war, in der Nacht auf den nächstgelegenen Baum geklettert war und versuchte vergeblich Schlaf zu finden. Sie hatte aufgehört zu zählen wie lange sie nicht mehr in einem Bett oder Schlafsack geschlafen hatte.

      Gähnend rieb sie sich die Augen und griff nach einigen weißen Beeren in ihrer Tasche um diese auch zu verzehren. Nach testen der Effektivität, wusste sie welche Beeren für was waren. Jedoch bekam sie unglaublichen Durst wenn sie die Weißen aß und die Schwarzen machten sie müde.

      >Anscheinend sind sie weg.<

      Mit trüben Augen nickte sie und stand auf um sich nun endlich umsehen zu können. Den schönen Herbstwald hatte sie schon lange hinter sich gelassen und schien endlich in der Nähe der Wüste zu sein. Sie setzte über den Felsen hinunter und lief langsam los, mit einem eher trägeren Tempo um im Notfall im Sprint wieder anzusetzen.

      Langsam wurde die Umgebung verschwommen um sie und sie musste mehrere Male blinzeln um die Orientierung nicht ganz zu verlieren als sie ein Tor sah. Sie öffnete schon ihren Mund um nach jemanden zu rufen als sie ihn zögernd wieder schloss und sich umsah.

      Immer noch war alles um sie herum verschwommen und sie würde das Risiko nicht eingehen wieder Aufmerksamkeit von irgendetwas zu bekommen, von denen sie es nicht wollte. Leicht wankend begab sie sich vors Tor und ballte ihre Faust zitternd. Was ist wenn etwas hinter dem Tor lauerte das noch gefährlicher war als der Rest?

      Zögernd legte sie ihre Faust gegen das Tor um einfach dagegen zu schlagen. Wäre sie nicht in ihrem jetzigen Zustand gewesen, wäre sie wahrscheinlich umgekehrt und davon gelaufen, so weit sie nur konnte um den Konsequenzen nicht gegenüber stehen zu müssen, als sich das Tor öffnete.

      Für einen kurzen Moment erkannte sie nicht wer es war der vor ihr stand, bis derjenige ihren Namen aussprach. Bittersüss stach ein Dorn in ihr Herz, Erleichterung und Freude überfluteten ihren Körper und das einzige was von ihren Lippen wich, war ein bebendes: „Charlie?“

      Tränen fluteten aus ihren Augen und sie war unfähig nur einen weiteren Schritt zu tun, die Angst im Hinterkopf zurück gelassen zu werden. Der Schmerz meldete sich wieder und sie betrachtete ihre Blutverschmierten Füße einen Moment. Charlie half ihr hinein und für einen Augenblick fühlte sie sich wirklich in Sicherheit.

      Das Gespräch draußen verlief eher unangenehm und sie schwitzte auch leicht, was sie auf die brutale Sonne schob die auf sie herunter brannte. Nachdem er sie ins Haus geführt hatte, ihr einen Schlafplatz gezeigt hatte, meldete sich immer mehr der Schmerz. Nun begann auch ihr linker Arm unsagbar zu pochen und sie musste feststellen, das sie um Hilfe bitten musste.

      Sie wollte seinen Blick nicht sehen als sie ihm gestand was passiert war. Ihre Schwäche offen darlegte und statt sicher und geborgen, fühlte sie sich verletzlich und unsicher was nun passieren würde. Tagelang hatte sie ihren Arm ausblenden können, doch mit jeder Sekunde brannte es immer schrecklicher.

      Ihr war nicht bewusst das die Wunde nicht zuwachsen konnte, da der Schnitt zu tief und breit war. Die Paste die sie schlucken musste, ließ ihr Gesicht verziehen und sie versuchte es nicht gleich wieder hochzuwürgen. Wenigstens betäubte es endlich die Schmerzen, so das es auch anständig versorgt werden konnte.

      Alles was er tat, prägte sie sich mehrere Male ein, die Angst im Hinterkopf sich wieder alleine durchschlagen zu müssen. Jeder Handgriff, Umgang mit seinen Tieren und weiteres. Sie würde sich nützlich machen, das versprach sie sich selbst. Sie würde lernen und vielleicht...

      >So dumm kannst wirklich nur du sein.<

      Eine der Gestalten tauchte hinter Charlie auf und verschränkte die Arme vor der Brust.

      >Wie kommst du darauf das du jemals nützlich sein kannst?<

      Sie schluckte, konnte dem Gespräch nicht weiter folgen und versuchte die Gestalt zu ignorieren die sich um sie wand um nach Aufmerksamkeit zu betteln. „Mir ist schon die ganze Zeit schwummrig und ich glaube ich werde etwas müde. Ich würde mich gerne hinlegen wenn das in Ordnung ginge.“, murmelte sie halb lächelnd und kämpfte gegen die Müdigkeit an die sie zu übermannen drohte.

      Jedoch würde diese Nacht anders werden, denn der gewünschte Schlaf kam nicht. Im Gegenteil, sie schwitze, keuchte und zitterte die ganze Zeit. //W-Was...//, sie verschränkte die Arme und atmete immer flacher.

      >Was glaubst du denn?<

      Das Lachen der Stimme kam von hinter ihr und sie rappelte sich bebend auf. So leise wie möglich versuchte sie sich aus dem Haus zu schmuggeln, versuchte die Tür zu klanglos wie möglich zu schließen, ehe sie versuchte die Leiter hinunter zu klettern. Jedoch durchfuhr sie der Schmerz in ihrem linken Arm wie ein Blitz und sie ließ Instinktiv los.

      Hart schlug sie am Boden auf, sodass ihre Lungen jeden Atem aus ihr pressten und sie für einige Sekunden im Gras lag. Als ihr Körper ihr das Atmen wieder halbwegs erlaubten, kam ein Schwal halb verdautes Essen aus ihrem Mund geschossen und sie erbrach sich zitternd. Ihr Körper zuckte vor Schmerz und sie blickte sich hilfesuchend um.

      >Dein Fehler ist dir noch nicht bewusst, nicht wahr?<


      Die Gestalt hockte über ihr, das Gesicht zu einem grotesken Grinsen verzogen. „W-Was.. meinst du?“, jedoch bekam sie keine Antwort auf ihre Frage. Mühsam schleppte sie sich mit einem Arm die Leiter hinauf und verschwand im Haus. Sie hoffte das das kühle Wasser aus dem Becken ihr Helfen würde weniger zu Schwitzen, jedoch lag sie falsch. Samantha legte sich in ihren Schlafsack und versuchte diese erbarmungslose Nacht so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Das sie dafür selbst verantwortlich war, wusste sie in diesem Moment noch nicht. Wie auch? Sie hatte nicht schnell genug gelernt.

      Aber wenn Charlie lebte, dann müsste doch Killian auch hier sein. Ein Lächeln huscht kurz über ihr Gesicht, ehe sie sich zitternd einrollt.
    • Die Nacht stand kurz davor sich über die Erde zu legen wie eine unsichtbare Macht, gefährlich und unberechenbar.
      Samantha saß auf dem Dach der kleinen Hütte und spielte sich mit dem Messer was sie von Deisek bekommen hatte, ließ es geschickt über ihren Handrücken gleiten und wirbelte es ab und zu in die Luft um es wieder aufzufangen. Sie war nun endlich geschickter, nicht nur mit dem Messer, sondern auch mit dem Bogen, den Speer und endlich auch in der Selbstverteidigung.
      Lange hatte sie sich nach unabhängigkeit gesehnt, aber auch nach etwas anderem von dem sie wusste dass sie es hier nicht finden würde. Die Arbeit mit Rubin ging auch voran was sie mehr als nur erfreute. Die aufwallende Vorfreude nun bald auch das reiten zu lernen ließ sie fast ungeduldig werden. Jedoch zügelte sie diese in denen sie anderen Dingen nachkam, wie dem Schwimmtraining das nahezu Perfekt war.
      Bei dem Gedanken fasste sie sich an die kurzen roten Locken und seufzte entnervt auf, denn sie wusste das sie ihre langen Haaren jetzt schon vermisste. Es war aber auch notwendig gewesen, hätte sie damit gerechnet, hätte sie sie in einen Zopf gebunden damit sie nicht unter Wasser an einen dieser beschissenen Wurzeln hängen geblieben wäre.
      Sie waren erst vor einiger Zeit wieder angekommen nach dem Besuch bei Sheona und Reynir und die meiste Zeit blieb sie ruhig, äußerte sich selten bis gar nicht. Behielt ihre Meinung für sich hauptsächlich, denn sie wollte weder jemanden erzürnen noch verletzten.
      Worte taten auch weh, auch wenn es diese schmerzhaften Worte selten hier gab.
      Das Zwielicht tauchte die Umgebung nun in ein wunderschönes rot und sie begann leise für sich zu singen. Jedoch brach sie schon bei der zweiten Phase ab und blickte traurig auf das Wasser unter sich.
      Erinnerungen an eine Zeit die so fern und unrealistisch war ließ sie erzittern.
      “Unnötige Scheiß Drecksgedanken.”, fauchte sie durch zusammengepresste Zähne und ihr Blick verdunkelte sich. In letzter Zeit musste sie wieder an ihre Mutter denken, jeden Tag schon fast, auch wenn ihre Worte sie nicht zu beeinflussen mochten.

      >Weißt du was ich nicht verstehe? Wieso du ihn das hast durchgehen lassen?<

      Sie wand sich um und ihre Mutter saß hinter ihr und funkelte sie missmutig an. “Es war nicht seine Absicht, Charlie wusste was er damals tat, auch wenn ich es jetzt eher nachvollziehen kann.”, murmelte sie und fasste sich an den Hals. Ein Kloss schien darin zu stecken und Angst wallte langsam in ihr auf.

      “Du bist noch nicht fertig.”, hört sie seine Stimme in ihren Kopf und Erinnerungen überfluten sie. Sie sieht sich selber in eine Kampfhaltung wandern und einen Blick in ihren Augen den sie noch nie gesehen hatte. “In Ordnung!”, hört sie sich sagen und blickt ihn herausfordernd an. “W-Warte…”, dringt es tonlos aus ihrer Kehle als sie das Spektakel betrachtet.
      Seine Faust rast auf die wesentlich Kleinere zu und sie lenkt diese gezielt ab, ihr Lächeln ist dabei Siegessicher.
      “N-Nein…”, keucht sie als sie sieht wie nun die rechte Faust wie aus dem nichts auf sie zurast, “Weich aus!” Sie versuchte sich selbst zu zuschreien, jedoch wusste sie das es bereits zu spät war. Erst hörte sie das unnatürliche Geräusch von krachenden Knochen ehe sie sah wie sie selbst nach hinten um kippte. Als sie sah wie ihr Blut aus dem Mund schoss, musste sie ihren Würgereflex zurück halten und erkannte nun wie viel Angst sie in diesem Moment hatte. Immer mehr Blut färbte den Boden dunkelrot und kurz erblickte sie den unnatürlich aussehenden Kehlkopf. Deisek beugt sich hinab zu ihr und greift nach ihrer Hand, ehe er etwas flüstert das sie nicht hören konnte. Salzige, dicke Tränen quollen aus den Augen der Rothaarigen und vermischten sich mit der Blutlache in der sie lag.
      “Stop…”, keuchte sie atemlos und blickte ihre Mutter an die sie Kalt anstarrte. Saphierblaue Augen mustern sie spöttisch, während sich Samantha vergewissert das ihr keiner zuhörte.

      >Es muss schrecklich sein….-<

      Die Stimme verklang im Zwielicht als sie Deisek erblickte und vom Dach sprang. “Bogenschießen ist heute dran oder?”, fragte sie während sie ihre Wasserflasche füllte und etwas Proviant in ihre Tasche stopfte. Er nickte nur stumm und sie blickte ihn eine Weile an. //Was mache ich eigentlich wenn mein Training vorbei ist? Bei Deisek werde ich wahrscheinlich nicht bleiben, er scheint nicht so der gesellige Typ. Zurück zu Charlie kann ich auch nicht, nicht nachdem ich einfach so gegangen bin. Und über andere brauche ich nicht weiter nachdenken, denn sowohl die Sankru als auch Sheona mit Reynir waren nie eine Option. Soll ich alleine Leben?//, sie spielte sich Gedankenverloren mit ihrem Messer und bemerkte nicht das Deisek mit ihr sprach.
      Es würde wieder ein langer Tag werden.