Von Sheona

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    • Die Luft riecht nach Veränderung


      Als Reynir fragte, was mit mir los sei, konnte ich ihm keine Antwort geben, denn ich weiß es selbst kaum. Seit unserem Umzug fühle ich mich rastlos, getrieben von einer inneren Unruhe... Ich suche und sehne mich nach... Ja, nach was eigentlich? Viel Zeit ist vergangen, seit wir das letzte Mal andere Menschen trafen und ich verstehe nicht, warum er nun den Kontakt herausfordert, obwohl er gleichzeitig ständig betont, dass wir uns weiter verborgen halten müssen! Vielleicht liegt es daran, dass er alt wird? Er benimmt sich immer mehr wie ein Großvater, erzählt viele Dinge mehrfach und vergisst dafür so manches...

      Ich gab es nicht zu, aber im Grunde wäre auch ich neugierig auf andere Menschen. Wir streiften umher, offener als sonst, sichtbar statt unsichtbar... In der näheren Umgebung war nichts, was auf menschliches Leben hindeutet, stattdessen viele Raubtiere, dazu noch diese sonderbaren Rüstungswesen und jede Menge Insekten, welche Snotra ganz verrückt werden lassen. Erst am Rand des toten Landes stießen wir auf eine kleine Hütte, welche kaum mehr als ein Außenposten oder eine Notunterkunft sein kann. Dem Zustand nach steht sie noch nicht all zu lange dort, aber es fanden sich keine nennenswerten Spuren dort... Dann eine weitere Holzhütte am Rand einer Klippe, ebenfalls in gutem Zustand, jedoch ohne Schutzmaßnahmen und irgendetwas muss in ihr gewesen sein, denn Snotra sträubte ihr Fell. Reynir rief allerdings ohne Erfolg nach einem Bewohner.

      Dann durchritten wir das grüne Land und dort fanden sich weitaus mehr Behausungen, welche allesamt stark befestigt waren und nur wenige Schwachstellen aufwiesen. Zwei davon waren von einer Größe, welche gut einen kleineren Stamm beherbergen könnte und wir fragten uns, ob es Leute der Vereinten Stämme sind, die dort hausen. Oder kleinere, eigenständige Gruppen - so wie damals? Eine geradezu träge Stille hing über dieser Region, kaum Tiere und erst recht keine Menschen waren zu sehen... Nachdem wir uns gründlich umgesehen hatten, machten wir wieder kehrt. Ich fühle etwas wie Enttäuschung, aber was hatte ich erwartet?

      Seine Worte wohl waren es, die etwas in mir weckten... Die Erinnerungen an ein Leben unter Menschen, Stimmen welche die ewige Stille durchbrechen... Auch wenn Reynir an manchen Tagen viel spricht, so ist dieser Klang doch so selbstverständlich in meiner Umgebung wie das Rauschen der Blätter im Wind... "Es wird Zeit" sagte er und vielleicht denkt er dabei an die Zeit, wenn er nicht mehr ist? Immerhin klagt er darüber, dass ihm die Kälte in die Knochen kriecht und dass ich besser sehe als er und noch mehr solcherart von Reden...

      Diese Insel ist schon immer im Wandel und genauso wie sie die alten Bauten verschlingt, scheint sie nach wie vor auch die Menschen zu verschlingen...
    • Leeres Land


      Inzwischen haben wir unsere Suche ausgeweitet und weitere Behausungen entdeckt. Doch weder bei dieser Festung, welche einem großen Anführer gehören muss, noch bei dem halb zerfallenen Gebäude am Strand waren Menschen zu finden... In meiner Erinnerung sehe ich so viele Gesichter vorüber ziehen... Kann es wahr sein, dass nichts geblieben ist?

      Diese innere Unruhe macht mich gereizt und wütend. Überdeutlich scheinen mir alle Unterschiede zwischen Reynirs und meinen Ansichten, er spricht von Blut und in mir schreit eine Stimme "Ja, du bist nicht von meinem Blute und ich nicht von deinem!" und ich habe es satt, dass er mich noch immer als ein Kind betrachtet, obwohl ich schon so lange kein Kind mehr bin! Meine Kindheit wurde beendet an diesem einen Tag vor langer Zeit... Das weiß er ganz genau! Und selbst wenn es anders gewesen wäre, so lassen sich die vielen Jahre nicht leugnen, in denen ich erwachsen wurde!

      Nun, wenn er dann abends im Schein des Feuers sitzt, gebäugt und sich nachdenkend mit der Hand durch seinen grauen Bart fährt, dann verraucht mein Zorn. Dank ihm bin ich am Leben, die Letzte meiner Ahnenreihe... Also werde ich milde, nur damit es am nächsten Tag irgendwann wieder anfängt zu brodeln...

      Ich bin nicht den Weg gegangen, der mir vorherbestimmt war. Auch das macht mich wütend.

      Und manchmal, wenn ich in die Stille lausche, dann fühle ich mich genauso leer wie das Land...
    • Schlangenjäger


      Reynir schäft, die weite Reise hat ihn sichtlich angestrengt. Ich hingegen bin hellwach. Ich wollte weiter, weiter die Insel durchstreifen... Auch konnte ich mich nur schwer von den Kämpfen im toten Land losreißen, der Triumph über die Schlangen, Würmer und Insekten schmeckte so gut und es war, als ob die Lava auch durch mein Blut lief. Und genau wie Lava alles verschlingt, wollte auch ich mehr... Da war die leise Stimme des Jägers in mir, welche gegen das Rauschen meines Blutes sprach, sich mahnend erhob: Ein guter Jäger nimmt nur so viel, wie er wirklich benötigt. Also riss ich mich los...

      Vorangegangen war dem ein langer Ritt durch die Nacht, die Küste entlang bis zum grünen Land, wo wir bei der großen Festung entgegen unserer Vermutungen diesmal auf Menschen trafen. Vier Erdlinge. Zwei weitere sollen in dieser Palisadensiedlung leben. Nur eine Hand voll Leute in diesem gemäßigten Gebiet, noch dazu alles Erdlinge? Keine von ihnen wirkte wie ein großer Anführer, keiner wie ein Krieger... Der, der am ehesten so aussah, als könne er kämpfen, versteckte sich vor uns. Und alle muteten sie wie Zwerge an in diesen hohen Gemäuern...

      Man bedachte uns mit Misstrauen, was nicht verkehrt ist, zumal sie von Angriffen der Gesichtslosen sprachen. Auch ich fühlte mich unwohl dabei, ohne Snotra durch dieses große Tor zu schreiten... Wie es sich gehört überließ ich Reynir das Reden, auch wenn ich mehrmals mit den Zähnen knierschen musste, um ihm nicht ins Wort zu fallen. Keine Uneinigkeit vor Fremden! Also schluckte ich meine Widerrede, auch wenn sich damit meine Ansicht und meine Wahrheit begrub... Wieder mal klaffen tiefe Schluchten zwischen Reynirs und meiner Sicht. Es wird niemals anders sein, zu verschieden ist unsere Herkunft, unser Glauben, unser Blut...


      Seit dem Moment, in dem ich damals mit Reynir ging, in all den Jahren ist es nicht einfacher geworden. Eher wird es immer schwerer, den Drang in mir zu fesseln... Hunderte Male wälze ich diese Gedanken... Aber nun gut, zurück zu diesem Tag. Die Eindrücke in der Festung der Disantis waren seltsam, fremd und vieles nur schwer oder gar nicht zu verstehen. Diese Menschen scheinen in großer Furcht zu leben und es erstaunte mich sehr, zu erfahren, dass die Sankru nun sesshaft sind und ihre Reihen mit Erdlingen auffüllen. Die Kämpfe sollen vorbei sein, gleichzeitig erzählte man von Angriffen durch die Gesichtslosen und dass diese eben für immer geächtet seien. Mir lag auf der Zunge zu erwidern, dass sich in der Vergangenheit keiner der großen Stämme zu schade dafür war, diese Mörder für ihre Zwecke zu kaufen, aber ich sagte nichts dazu. Wichtig ist, dass ich nun weiß, dass sie noch immer ihr Unwesen treiben.

      Und ich sehne den Tag herbei, da sie alle in meine Klinge laufen!

      Nun, wir erfuhren von einem Waffenschmied bei den Sankru und die Frau aus der Festung wollte uns zu diesem hinführen. Es ging in die Wüste (wie könnte es auch anders sein?), wo sich die Luft wie ein schwerer Teppich heiß und flimmernd über alles legt. Aber wir kamen nicht bis zu der Festung der Sankru, denn mitten auf der Reise hielt die Frau, als wir auf einen kleinen Mann mit vielen Tieren stießen, welcher wohl auf die Rückkehr seiner Leute aus einem Höhlenlabyrinth wartete, an und entschied sich dazu, ebenfalls dort zu verweilen, anstatt uns weiter den Weg zu weisen. Ich war genauso ratlos über dieses Verhalten wie Reynir, uns in der Wüste einfach stehen zu lassen, nur dass ich es nicht geschafft hätte, mich so freundlich wie er es tat zu verabschieden. Deshalb sagte ich lieber nichts...

      Dieser kleine Mann... Er trat sehr feindselig auf... Narren wenn sie denken, Gefahr sei so unbeirrbar zu erkennen! Alles in allem waren die Begegnungen heute sehr enttäuschend. Ich kam mir fremd vor, obwohl sie doch die Fremden sind! Wieder frage ich mich, was genau ich erwartet hatte... Mir ist bewusst, dass zu viele sterben mussten und doch... Wo sind die Stämme, die Anführer, großen Krieger, Jäger, Schmiede, Sammler, Heilkundigen, Priester? Wo ist die Reihe, in welche ich mich stellen kann, um zu kämpfen? Mir scheint, mein Weg bleibt weiterhin einsam und ich werde alleine gegen die Schlangen ziehen, sobald Reynir mich ziehen lässt... Ich bin mir nicht sicher, ob er meinen Durst versteht...
    • Täuschungen der Wüste


      Mein Zorn ist groß. Reynir brachte mir einst bei, meine Gefühle zu verbergen, doch beherrsche ich diese Kunst nicht so gut wie er. Es war schwer, meine Zunge im Zaum zu halten dort in der Festung der Sankru... Und auf dem Heimweg ließ ich all das Ungesagte über Reynir branden, bis er mir nicht mehr antwortete, sondern Brun anspornte und mit zu großem Abstand vor mir her ritt. Er verstand mich nicht, wird es nie... Wohl tat er später einen Schritt auf mich zu, doch dies hat seinen Ursprung sicherlich nur darin, dass ich für ihn eben immer dieses kleine, halb tote Mädchen bleibe, welches ich damals war... Erst vor ein paar Tagen fragte ich ihn, ob es nicht so ist, dass er mich einst rettete, um seine eigene Schuld zu tilgen. Da gab er vor, nicht zu verstehen, was ich meine...

      Wieder waren wir am Abend los geritten, in die Nacht hinein, wo sich alles in Schwarz vermischt... Durch das tote Land, ja bis hinauf zum Gipfel des Vulkans ging unser Weg, wo einzelne Stellen hervor tretender Lava einen rot- goldenen Schimmer ins Dunkle brachten. Gerade genug, um die Bewegungen der Schlangen und Insekten wahrzunehmen und ich versenkte meinen Speer in ihre Körper, so wie Snotra ihre Zähne darin vergrub... Weiter durch das grüne Land, wo alles schlief, dann hinunter an die Küste und dem Wasser folgend bis zu den ersten Dünen... Es war gut, dass wir noch vor Sonnenaufgang dort angelangten. Lange bevor sich die Hitze über uns legen würde, waren wir schon weit in dieses Ödland vorgedrungen. Mit der vagen Beschreibung des Standortes der Festung fanden wir sie tatsächlich, die Lichter dort waren deutlich und einladend in der Dunkelheit zu sehen. Als wir die letzten Meter zurück legten, zeigte sich ein erster schwacher Schimmer am Horizont...

      In meiner Kindheit habe ich viele Geschichten über die Sankru gehört... Mir scheint, es muss ihnen sehr schlecht ergangen sein, wenn das was wir nun sahen das ist, was sie jetzt sind... Erdlinge, keine Hiergeborenen. Noch dazu wenig höflich und noch weniger respektvoll uns gegenüber! Reynir zuliebe und weil ich diesen Schmied treffen muss, blieb ich da, obwohl schon die ersten Worte dieser angehenden Heilerin beleidigend waren. Diese Leute wissen nicht, wem sie gegenüber stehen! Ich bin mir sicher: würde jemand so mit einem wahren Sankru sprechen, so wären es seine letzten Worte gewesen... Wäre da nicht die Notwendigkeit dieses Kontaktes, hätte ich noch vor dem Tor wieder kehrt gemacht! So wahr ich Sheona Skadi heiße, dies ist kein angemessenes Verhalten mir gegenüber!

      Reynir legte sich den Umhang eines alten Mannes um und siehe da, davor zeigten sie etwas Achtung immerhin. Schließlich wurden wir hinein gebeten, wenn auch ohne Brun und Gra, verköstigt und weiteren Fragen ausgesetzt. Der Schmied schlief wohl und ich dachte daran, dass man ihn in früheren Zeiten geweckt hätte, wenn ein Krieger kommt um zu handeln... Die Disantis waren anwesend und ich sah die Blicke zwischen der Frau und diesem Ray, welcher mich mit gänzlich anderem Ausdruck betrachtete. Wieder überließ ich Reynir das Reden und dies war in vielerlei Hinsicht ein Fehler. Was ist nur in ihn gefahren, mich vor diesen Fremden als kleines, unwissendes Kind darzustellen?! Dann fing er auch noch an darüber zu reden, dass er einen Gefährten für mich suchen würde! Ich spürte das Rauschen in mir, kurz davor hervorzubrechen...

      Meine Wut steigert sich noch, wenn ich nur daran denke! Ich gehe jagen. Irgendwo muss diese Wut hin...
    • Einsame Erinnerungen


      Langsam senkt sich Stille über diesen lebhaften Ort. Ich höre das Rauschen des Windes, ein leises Wispern nur und dazwischen Snotras Schnaufen, deren Pfote im Traum zuckt... Es ist noch hell, aber alle scheinen sich zur Ruhe begeben zu haben. Reynir schläft ohnehin seit langer Zeit schon in dem Zelt, welches er sich aufgestellt hat. Ich würde gerne baden, um den Schweiß und den Sand von mir zu waschen, aber das Tor ist verschlossen.
      Also warte ich...

      Die Eindrücke hier bei den Erdling Sankru sind seltsam, fremd und laut. Ich gebe zu, auch faszinierend. Viele Stimmen füllten die Festung, es wurde geredet und gelacht. Ich war Zuschauer, nicht nur bei den Übungskämpfen, sondern auch Beobachter des Lebens dieser Menschen hier. Dem Leben in einem Stamm, einer Familie... Ich fühle meine Sinne überreizt von so viel menschlichem Dasein. Reynir und ich leben leise, ohne Lachen und an manchen Tagen komplett stumm... Es bedarf keiner Worte, wenn wir Pfeile schnitzen, oder er in seinen Tränken rührt und ich die Felle verarbeite... Ich habe es lange nicht erkannt, aber heute denke ich, dass das, was wie eine kalte Schlinge in mir zieht, die Sehnsucht nach vergangenen Zeiten ist...

      Schmerzhafte Erinnerung an meine Kindheit, meinen Stamm, meine Familie... An das Leben in einer Gemeinschaft... Zutage gefördert durch das Beobachten dieses Stammes hier. Wärme ist zwischen diesen Menschen, Vertraut- und Verbundenheit. Eigenartig, dass es mich nach all den Jahren noch immer berührt... Und dann kommt die Wut, Wut auf die, die mir das alles nahmen! Ich will, dass sie fühlen, was ich fühlen musste! Aber nur für einen Moment... Einen Moment, in denen jeder von ihnen sich seiner Einsamkeit bewusst wird und danach werden sie jeden Schmerz hundertfach spüren, durch den ich gegangen bin! Bis sie um Gnade flehen und winseln und darüber hinaus! Dann erst werde ich sie dem Gott des Todes übergeben...

      Bald schon, bald werde ich ein neues Schwert haben. Die Klinge, die er Schmied mir zur Ansicht gab, lag gut in der Hand. Das Sonnenlicht spiegelte sich in ihr und ich stelle mir vor, wie das Blut meiner Feinde von ihr tropft... Der Boden wird sich in einen roten Fluss verwandeln, wenn es soweit ist... Ja, wir wurden uns einig mit dem Schmied und ich werde in den nächsten Tagen eine Erzader suchen und die Spitzhacke schwingen müssen. Wahrscheinlich wird es auch nötig sein, mehrmals in die Wüste zu reisen, denn ich kann Snotra so viel Gewicht über lange Strecke nicht zumuten. Nicht nur Reynir wird langsam alt, auch an Snotra sehe ich die Jahre ziehen... Noch hat sie genug Kraft und Ausdauer, aber sie ruht öfters, ist nicht mehr so schnell wie früher... Zweifelsohne wird der Tag kommen, an dem ich sie nicht mehr mit zur Jagd nehmen kann... Meine treue Snotra... Unersetzbar...

      Gra... Gra hat es erwischt vor ein paar Tagen, beim Durchqueren des toten Landes... Ich sehe, dass Brun ihn vermisst, immerzu sieht er sich suchend nach dem Kleinen um... Reynir hingegen zeigt sich verschlossen über dieses Ereignis und spricht nicht mehr darüber. Mir ist nicht ganz klar, wie es möglich ist, dass eine Mantis Gra so übel zurichten konnte, dass er aus zahlreichen Wunden blutend schließlich am Strand verschied... Er hatte nie Probleme mit den Insekten, aber dieses eine muss besonders mächtig gewesen sein, denn an einer Stelle war Gra`s Leib bis auf die Gedärme aufgerissen. Solch eine Verletzung hätte ich eher einem großen Raubtier zugeschrieben... Rätselhaft... Aber so ist es nun. Gra ist von uns gegangen, ehrenhaft im Kampf gefallen.

      Das war an dem Tag, als wir den Erdling Charlie wieder trafen... Er ritt mit uns durch das tote Land, nachdem wir ein längeres Gespräch geführt hatten. Viel ist mir von den Worten nicht mehr in Erinnerung, meine Laune war nicht die beste, nachdem Reynir schon wieder das leidliche Thema "Gefährte" aufgeführt hatte... Ich verstehe nicht, warum er ständig darauf zurück kommt. Warum sollte ich mein Blut vererben? Ich bin die letzte Skadi, es gibt nichts mehr, was erhalten werden muss... Mein ist nur der Zorn und der Durst nach Rache, danach wird nichts mehr sein... Davon einmal abgesehen, werde ich mich nie mehr von einem Mann so demütigen lassen! Und auch wenn mein erwachsener Körper den Schmerz vielleicht nicht mehr so spürt, so wünsche ich doch keine Wiederholung dieser Qual!

      Aber genug davon. Ich sollte wohl auch etwas schlafen...
    • Worte... So viele Worte


      Wieder einmal sitze ich, an Snotra gelehnt in einer fremden Umgebung. Innerhalb der Mauern wohl nur, weil der Herr der Festung nicht da war um etwas dagegen zu sagen. Wenn ich in die Dunkelheit lausche, höre ich das Schnaufen der Pferde in den Ställen, hin und wieder ein leises Knurren aus der selben Richtung und näher das Geräusch der Raptoren, die sich selbst im Traum noch zu unterhalten scheinen... Wenn die Wolken aufreißen, der feine Nieselregen sich wie jetzt verzieht, dann liegt der Sternenhimmel wie eine funkelnde Decke über allem. Nah, so nah scheint das Gestirn... Mein Kopf ist voll von Worten, die ich suche zu verstehen und die mich daran hindern, Schlaf zu finden. Wann habe ich zuletzt so lange mit jemandem gesprochen, außer mit Reynir?

      Der Erdling Charlie, dessen Füße auf vielen Wegen gehen, sprach von wahrlich seltsamenen Dingen. Dabei ging der Inhalt der Gespräche in so viele Richtungen, wie auch er sich in diese und jene Richtung dreht. Ist der Zustand dieser Erde der Grund dafür, dass ihre Bewohner von allem ein bisschen, aber nichts aus vollem Herzen tun? Und auch wenn er es verneinte, sich zu fürchten, schien ihn das Weltenende doch so sehr zu beschäftigen, dass da doch ein eisiger Griff sein muss... Über solcherlei Dinge denke ich nur selten nach, denn es hat wenig Sinn, das Unabänderliche in Gedanken zu wälzen. Wenn dieser Tag kommt, gedenke ich im Kampf zu fallen, dann werde ich die Brücke überqueren, welche mich zu denen führt, die mir vorangegangen sind. Und in diesem Gedanken liegt keine Furcht, sondern eine leise Freude. Denn dort erwartet mich meine Familie, mein Stamm...

      Dies und noch viel mehr besprach ich mit dem Erdling Charlie, während ich ihm zeigte, wie er das Leder gerben muss und wir zusammen einen Stattel für Kauni bauten. Er stellte sich recht geschickt an und hat auch einen wachen Verstand. Reynir sah uns eine Weile dabei zu, legte sich dann aber in einen Strohhaufen um zu schlafen. Vielleicht sind wir in der letzten Zeit zu viel umhergereist. Schon neulich, auf dem Rückweg aus der Wüste hatte ich das Gefühl, dass der weite Weg und wohl auch die Hitze dieser Region ihm zu schaffen machte... Das Erwachen in der Festung der Erdling Sankru war merkwürdig gewesen. Ich hatte nur wenig geschlafen auf dem harten Erdboden, alles war staubig, ja sogar zwischen den Zähnen knirschte der Sand und die schwere Luft lag drückend auf mir. Wir warteten dann eine ganze Weile, aber es zeigte sich keiner der Bewohner und keiner reagierte auf unser Klopfen, so dass wir den Ort schließlich ohne eine Verabschiedung wieder verließen...

      Seitdem habe ich schon einiges an Metall für den Schmied zusammengetragen, eigentlich könnte ich einen Teil davon bald hinbringen. Auch waren wir nochmals in den grünen Landen, um die Bewohner der Palisadensiedlung nach einem Handel zu fragen. Allerdings trafen wir sie bisher nicht an und über den Erdling Charlie als Mittler erfuhren wir jetzt, dass man wohl auch nicht mit uns handeln wird, bevor man uns nicht besser kenne und vertraue. Wir ritten also viel hin und her in den letzten Tagen und wenn wir nicht unterwegs waren, saß ich trotzdem nicht lange still. Ich weiß nicht, ob Reynir es bemerkt wenn ich nachts aufstehe und los gehe um nach Spuren zu suchen. Falls ja, verliert er zumindest kein Wort darüber. Ohnehin finde ich bisher nur kalte Fährten und während dem Gespräch heute fragte ich mich, ob es vielleicht wirklich so ist, dass ich Geistern nachjage...

      Mir vorzustellen, wie sie alle von innen nach außen verbrannten, vor Schmerz kreischend sich wanden, hinterlässt ein gutes Gefühl. Und doch ist es nicht das selbe, wie wenn ich sie selbst richte... Wenn sie wirklich alle längst tot sind, dann hat das Schicksal mich betrogen! Wozu bin ich alleine übrig geblieben, wenn der Pfad der Rache unbegehbar ist?! Der Erdling Charlie sagte dazu, dass ich als letzte meines Stammes so etwas wie eine Bewahrerin sei, dieses Erbe weiter geben sollte, aber das sehe ich anders. Wem sollte ich die alten Traditionen und Werte noch vermitteln? Ich bin wie ein vergessener Schild, nachdem das Schiff wieder von Ufer ablegte... Aber was verstehen die Erdlinge auch davon? Nicht einmal Reynir versteht mich...

      Wir sprachen auch über diese Nacht vor über 15 Jahren, als mein Stamm starb, als alle um mich fielen... Ich versuchte ihm zu erklären, weshalb jeder von uns kämpfte, warum es kein Aufgeben und kein Fliehen gab... Wenn jeder Weg zum Ende führt, die Wahl zwischen Tod, Tod und Tod steht, dann stellen wir uns aufrecht und stolz und nehmen so viele wie möglich von ihnen mit uns auf die andere Seite, anstatt wie ein Feigling zitternd und auf den Knien den letzten Schlag zu erwarten... Deshalb kämpfte selbst ich mit meinem Kinderschwert gegen die Feinde und später, als alle anderen in ihrem Blute lagen, als ich wie ein zappelnder Fisch in ihren Fängen hing, mein Holzschwert sinnlos gegen ihre Rüstungen hieb, da war es meine Pflicht gegenüber der Toten, sie damit zu ehren, dass ich weder aufgab, noch mich zerbrechen ließ... Der Wunsch um das Ende der Qualen würde nicht über meine Lippen kommen...

      Vieles wurde aufgerührt und der Erdling spricht darüber, ohne es zu kennen und zu verstehen. Er spricht von Leben, von Bewahren und Plänen, spricht so viele Worte, denen ich nicht folgen kann... Obwohl er selbst auch seinen Stamm verlor, als er hier her kam, sind seine Worte von der Leichtigkeit einer Feder und sein Denken liegt in gänzlich anderer Weise verwurzelt... Davon schwirrt mir der Kopf, als ob viele Stimmen gleichzeitig flüstern oder wie wenn dieses Glas zwischen uns liegt. Es sind Welten, die uns trennen. Trotzdem war es gut, mit ihm zu sprechen. Er sagte, der Mensch braucht Menschen und ich glaube, damit hat er recht... Aber all das Denken über vergangene Dinge führt zu nichts. Ich kann die Nahrung meines Zorns daraus gewinnen, mehr nicht.
    • Mut im Herzen


      Die letzten Tage waren gefüllt von Ereignissen... Nicht nur, dass wir nach dem Erwachen in der Erdlingsfestung Disantis zusammen mit Charlie und seiner Baumkatze in die Wüste reisten, um dort den ersten Teil des Metalles abzugeben, nein die Reise ging weiter, viel weiter... Unterwegs trafen wir mehrmals auf Rexe, Schlächter, wie manche sie nennen oder auch die Zähne des Gott des Todes... Auch stießen wir auf kranke Dodos und ich musste Snotra harsch zurück halten, damit sie sich nicht auf diese Tiere stürtzte, welche von gutmütigen Pflanzenfressern zu zornigen Angreifern geworden waren. Auf keinen Fall darf Snotra sich anstecken! Fast im selben Moment wurden wir Zeugen einer überaus glückverheißenden Anblicks, nämlich der Sichtung einer Federklaue. Vielleicht gelang es uns deshalb, die Kranken rechtzeitig abzuschütteln... Glück dem, welcher der Federklaue ansichtig wird - Unheil dem, der diese Ehre verkennt und Hand an sie legt...

      Nun, zuerst einmal aber ging es also in die Wüste. Aber in der Festung der Erdling Sankru war lediglich ein Junge namens Kilian vom Stamm der Masa anzutreffen. Obgleich er sich viele Sorgen darum zu machen schien, ließ er uns ein und wir unterhielten uns kurz mit ihm. Von seinem Stamm habe ich noch nie gehört und es erstaunte mich sehr als er sagte, bei ihnen sei es üblich, dass die Ausbilung zum Krieger erst mit 16 Jahren begonnen würde. Zu diesem Zeitpunkt wäre sie in meinem Volke schon so gut wie abgeschlossen... Weiter erzählte er, dass er nach seinem verschwunden Vater suchen und eine Ausbildung bei den Sankru anstreben würde. Verwunderlich ist dieser Wunsch, denn wenn ich es richtig verstand, war seine Familie den Leuten der vereinten Stämme sehr nahe... Ich glaube, er fühlte sich nicht wohl in unserer Gegenwart, denn er schickte uns recht schnell wieder nach draußen. Ich hinterlegte das mitgebrachte Metall vor dem Tor, bevor wir uns an den Rückweg machten. Heißer Sand unter und flimmernde Luft über uns...

      Welche Wohltat, als wir das Meer erreichten! Snotra sprang mit neuer Kraft durch die Gischt und wir ließen die Tiere jagen, während wir uns wieder auf das grüne Land zubewegten... Am Rand der Klippen wurde dann beschlossen, dass wir Charlie zum Urwald folgen, wo Freunde von ihm leben und wo er den neuen Sattel von Kauni bemalen würde. Reynir war es anzusehen, dass der Weg zu unserem eigenen Zuhause an diesem Tag nicht mehr in Frage kam. Tatsächlich begab er sich schon kurz nach Erreichen der Heimstätte von Charlies Freunden zur Ruhe, während ich mir von Charlie die verschienden Behausungen zeigen ließ. Danach setzten wir uns an eine Art Versammlungsort, aßen und tranken und unterhielten uns. Leider bewegte sich dieses Gespräch immer wieder in eine sehr unschöne Richtung, ganz so als seien es genau die trüben Worte, welche an der Oberfläche des Redeflusses treiben...

      In dieser Nacht schlief ich an Snotra gelehnt auf felsigem Boden, lauschte dem Geräuschen der fremden Umgebung und suchte diese Unruhe zu ergründen, welche mich immer wieder überfällt... Es war keine gute Nacht und ich sehnte den Morgen herbei, auf dass er meine Gedanken wie Nebel in der Dämmerung verhüllen würde... Als endlich der neue Tag anbrach, unsere Mägen gefüllt und Kauni mit ihrem Sattel ausgestattet war, folgte Charlie uns erneut mit seiner Baumkatze. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, aber eigentlich wollte Reynir mir nur zeigen in welche Richtung unser Heim liegt, dann entschied er sich wohl um... Es erfreute mich, dass er mich flüsternd nach meiner Meinung fragte, bevor er den Entschluss laut aussprach, durch den nun Charlie der erste Mensch ist, welcher unser Zuhause kennt und besuchte. Allerdings, bis dort hin war es noch ein weiter Weg und dieser wurde beinahe von einem großen Unglück begleitet...

      Auf diesem Ritt durch die Nacht bewies der Erdling Charlie nicht nur, dass man ihm vertrauen kann, sondern auch dass großer Mut in seinem Herzen wohnt. Denn als Lumi auf dem Weg voller Geröll den Halt verlor, schlitterte und schließlich in den Abgrund stürzte, da zögerte Charlie nicht. Er scheute weder die Tiefe, noch den Zahn des Gott des Todes, sondern sprang hinterher, um sie zu retten! Mut und Ehre liegt in seinem Handeln und die Götter müssen ihn für diese Tat sehr lieben. Dank ihm ist Lumi am Leben und wir stehen tief in seiner Schuld...

      Charlie... Der, der das Schicksal betrügt... Der den Gott des Todes bestiehlt... Mit dem Herz eines Kriegers...
    • Neu

      Geschichte vom Anfang


      Die Erinnerungen meiner Kindheit verblassen immer mehr... Verwischen sich, als ob der Wind sie verweht... Ich muss sie bewahren... Für wen soll ich sie bewahren?

      Da ist die Erzählung über die Ankunft der ersten meines Stammes auf Centra... Viele Jahrhunderte vor dieser Zeit...

      Konzentriere dich... Beschwöre die Bilder, die auf den Worten des Großvaters vor deinem inneren Auge entstanden...

      Sie fuhren seit vielen Tagen... Über ewige Weiten aus Wasser, welches an manchen Tagen in seinem strahlenden Blau, an anderen in düsterem Grau um sie lag... Durch Sonne und Sturm und dann in einen dichten Nebel, welcher nicht weichen wollte... Und es ging kein Wind mehr, es war als seien sie Gefangene in einem Traumbild und alle wurden immer schwächer, keine Nahrung, das Meer um sie aus Salz... Über 100 Männer, Frauen und Kinder trieben auf dem Schiff sterbend durchs Wasser...

      Ralla... Der erste Anführer hieß Ralla... Er hatte dem Stamm eine neue Heimat versprochen und nun trieben sie auf der Suche nach Land scheinbar direkt in die Arme von Ran... Tage vergingen, oder waren es Wochen? Leblos, ausgedörrt lagen sie auf den von einer Salzkruste überzogenen Holzplanken... Es schien, als würden sie zu Geistern in ihrem Grab auf See... Blutrot war der Nebel an diesem Tag, kein Laut war zu hören und dann senkte sich Dunkelheit über sie...

      Das nächste Bild war das von Wellen und Sand, von einem frischen Wind und von Gischt, welche sich zwischen Felsen zerwirft... Über 100 ausgemergelte Gestalten an einem Ufer kniend, die schmalen Gesichter dem Land zugewandt... Sie hatten das Meer überquert und den Tod überwunden... Ralla erhob sich mit ausgebreiteten Armen, aus seinen Händen rieselte Sand, der vom Wind davon getragen wurde... Seine Stimme war rau und heiser, wurde aber mit jedem Wort kraftvoller, als er einen Gesang zum Dank und zu Ehren der Götter anstimmte und nach und nach fielen alle mit ein...

      So sehr ich mich auch versuche zu erinnern, mir fallen die Worte nicht mehr ein... Dies erschreckt mich. Eine Erzählung, Jahrhunderte bewahrt und überliefert, damit sie nun hier endet... Alles, was mein Stamm einst war, ist vergangen und wird vergessen werden...

      Und ich bin diejenige, welche die Geschichte vom Ende erzählen wird...
    • Neu

      Geschichten und Pläne


      Die Geschichte von Charlie hat mich nachdenklich gestimmt. Es scheint, als sei unser Weg ähnlich, obgleich auf ganz andere Art verlaufen... Er sagte, alles rinne ihm wie Wasser aus den Händen, er erlebte viele Verluste und sah seine Pläne zerspringen... Wenngleich unsere Leben sehr verschieden waren und sind, so kann ich doch nachvollziehen und verstehen, wie er sich fühlt. Und da nun nicht mehr nur Reynir es ist, welcher mir Worte in den Kopf legt, frage ich mich, ob sie vielleicht doch recht haben... Nur dass ich keinen Plan B, wie der Erdling es nannte, habe. All die Jahre war mein Denken alleine darauf konzentriert, den Pfad der Rache zu gehen und anschließend die Brücke zu überqueren, welche mich zu meinem Stamm, meiner Familie führt...

      Aber dieser Pfad scheint tatsächlich zerbrochen, die Kämpfe und das Feuer kamen mir vermutlich zuvor... Diese Erkenntnis schmeckt bitter und hinterlässt mich in einer unendlich leeren Weite treibend zurück... Es wäre wenig ehrvoll für eine Kriegerin, sich davon zermahlen zu lassen, aber etwas verloren fühle ich mich dennoch. Ich wünschte, ich könnte ein Orakel befragen oder den Rat meiner Ahnen einholen... Ich kann es drehen und wenden, mir bleibt nichts anderes als darauf zu warten, dass mein Schicksal sich offenbart...

      Einen kurzen Moment dachte ich, ich erhasche doch etwas vom alten Weg, als Reynir und ich den unbekannten Raptoren Reiter sichteten... Wir schlugen ihn mit seiner eigenen Vorgehensweise, beobachteten ihn dabei, wie er erfolglos nach uns Ausschau hielt und auch dabei, wie er den Eingang zu der Behausung von Charlies Freunden ausspähte... Mehrmals hätte ich ihm einen Pfeil in ihn bohren können, aber Reynir hielt mich zurück. Er ermahnte mich, dass wir nicht wissen, wer er sei und ja, damit hatte er recht. Also schaute ich nur zu, wie dieser Reiter versuchte, unsere Spur zu finden und es bereitete mir Genugtuung dass er sich wohl für einen Jäger hielt, aber in Wahrheit selbst zum Gejagten wurde...

      Es wäre eine gute Geschichte, um sie an einem Feuer zu erzählen. Nur dass es keine Gemeinschaft gibt, die zuhören kann...
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      Vom Ende der Welt


      Das Ende der Welt - der Untergang ist in ihrem Anfang vorherbestimmt... Es wird Kämpfe zwischen den Göttern und zwischen den Menschen geben, die Erde wird beben und Steine fallen vom Himmel... Das Meer verschlingt das Land, nachdem Sonne und Mond verschlungen wurden... Feuer wütet wie ein Sturm, während die Schilde gegeneinander schlagen, Schwerter sich kreuzen und der Boden sich rot verfärbt vom Blute der Gefallenen...

      So wurde es mir in meinem Stamm erzählt. Von Kämpfen bis zum letzten Mann und allen Übeln über die Welt, bis alles zerstört ist. Man sagte diese Worte nicht mit Angst, sondern Ehrfurcht, denn das Schicksal ist unausweichlich...

      Die Zeichen sind eindeutig. Der blaue Koloss ist erloschen, die anderen beiden wirken, als lägen sie im sterben. In den Wellen treiben tote Fische...
      Eine leise Stimme in mir frägt sich, wozu mein Leben geschont wurde, damals als alle um mich fielen... Wozu durchschritt ich all die Qualen, wenn das Ende der Welt nun beginnt? Ein schlechter Scherz der Götter wohl. Vor kurzem erst sagte Reynir, dass es Zeit würde, dass ich wieder unter Menschen gehen, mein Erbe bewahren und weitergeben solle... Er sprach von Freude im Leben, welche ich kennen lernen sollte und davon, dass es auch für mich einen Platz, eine vertraute Gemeinschaft geben wird... Und von etwas wie Glück... Stattdessen gehen wir nun dem Ende entgegen.

      So wie die Erde in der letzten Nacht bebte, wird es nicht mehr lange gehen... Mir ist nicht ganz begreiflich, wie Charlie denken kann, er könne etwas an dem Unausweichlichen verändern. Aber da wir nun ohnehin vor dem Ende stehen, sagten Reynir und ich ihm unsere Hilfe zu. Reynir denkt außerdem, es könne einen Weg der Rettung geben, auf welchen er mich schicken will. Reynir, Vater, ich fürchte das Ende nicht! Die Freude und das Glück, von welchem du sprachst, das was mir das Leben nicht geben konnte, das erwartet mich auf der anderen Seite der Brücke!


      Nun denn, ich werde aufrecht gehen. Die Götter sollen sehen, dass auch die letzte Skadi nicht den Mut verliert!