Von Sheona

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    • Von namenlosen Schatten und Anderlingen aus den Bäumen


      Charlie muss wirklich eine sehr anstrengenden Tag gehabt haben, so tief wie er nun schläft... Aber auch ich bin müde, ermüdet davon dass mir der Kopf schwirrt von den vielen Worte, welche heute fielen. So viele Stimmen bin ich einfach noch immer nicht gewohnt nach all den Jahren in der Einsamkeit... Obgleich es wirklich schön ist, nun immer mehr Kontakte zu schließen! Ja, es ist gut. Und dass weiterhin neue Menschen hier auftauchen, scheint mir ein gutes Zeichen zu sein für das, was vor uns allen liegt... Dass Leben sich wieder erhebt, anstatt weiter unterzugehen...

      Eingeleitet wurde die große Anzahl an Besuchern vor ein paar Tagen mit dem Auftauchen dieses namenlosen Mannes, welcher mit seinem Nacktwolf, Schattenwolf wie er selbst ihn nennt, plötzlich oben bei Reynirs Hütte stand. Nicht der beste Weg, sich Fremden vorzustellen, wie er selbst ja später sagte und vielleicht hatte er darüber nachgedacht, dass ich auch gut seine eigenen Worte wahrmachen und ihn einfach hätte töten können, als den Eindringling, welchen er anfangs darstellte ja auch war... Bein nächsten Mal benutzte er immerhin das Tor... Bei dieser ersten Begegnung zeigte der Namenlose sich sehr durcheinander, fast so wie die Erdlinge, wenn sie neu aus ihrer eigenen Welt eintreffen. Was er dann aber erzählte, stimmte auch mich verwirrt, denn entweder er lügt über seine Herkunft, oder aber dieser Mann wurde von den Göttern auf eine sehr seltsame Reise geschickt... Wahrlich merkwürdig.

      Später an diesem Tag, nachdem der namenlose Schatten, oder sollte ich ihn eher das namelose Werkzeug nennen?, sich verabschiedet hatte, sprachen Reynir, Charlie und ich noch lange über ihn und die Bedeutung seiner Worte. Es stimmt, was Vater sagte, auch ich erkenne viele Übereinstimmungen... Das macht es noch mehr wahr, was ich zu den beiden sagte... Früher hätte man gesagt fjendens død läd zum Tanz... Aber inzwischen sehe ich weiter und dies ist Charlies Verdienst. Wenn seine Zählung stimmt, dann sind es kaum mehr Menschen als alle Finger beider Hände auf dieser Insel hier... Und somit ist dies wahrlich nicht die Zeit der Schwerter. Dieser Abend endete sehr schön, es freute mein Herz, als Reynir uns beide in den Arm nahm, wie drei Blätter, welche sich treffen und zu einem werden...

      Als Charlie das nächste Mal von seiner Reise heimkehrte, brachte er Jake mit zu uns. Dies freute mich sehr, auch wenn die Worte, welche er überbrachte, keine guten waren... Auch sein Lager war von einem Zahn des Gott des Todes zerstört worden und dieser hatte sowohl seinen Bären, als auch die Wüstenmaus getötet. Dies tat mir leid zu hören, auch wenn viel wichtiger ist, dass Jake selbst nichts passiert war... Er brachte außerdem die Kunde, dass die anderen Sankru sich derzeit auf einer langen Reise befänden und er nun alleine die Aufsicht über ihr Lager in der Wüste führt. Wir boten Jake an, ihm bei seinem kommenden Vorhaben behilflich zu sein und boten ihm auch ein Lager für die Nacht, denn sein Weg war sehr weit gewesen. Gerade als er sich zur Ruhe begab, klopfte es an unser Tor...

      Davor stand erneut der Namenlose und ihm folgte die Frau namens Svari, welche wohl auch vor kurzem erst in dieser Welt erwachte. Sie ließ sich von einem großen Affen tragen, sprach gar seltsame Worte, denen ich kaum folgen konnte und nannte uns alle Anderlinge. Ihr Auftreten war durchaus höflich, besser als das der meisten Erdlinge, jedoch hatte ich wirklich große Mühe, ihr Reden zu verstehen... Charlie und Reynir fiel dies scheinbar leichter und es wurde lange darüber gesprochen wie und ob man dieser Frau vom Stamm der Voc helfen können, in ihre eigene Welt zurück zu gelangen... Es dämmerte bereits der neue Tag heran, als es erneut an unser Tor klopfte und diesmal war es Deisek welcher sich in den Kreis unserer Unterhaltung gesellte...

      Sehr viel später, als unsere Gäste sich dann auf den Heimweg oder hier zur Ruhe begeben hatten, fand sich endlich die Stille, um über die Besucher und ihre Worte nachzudenken. Reynir gab sich wie so häufig vage in seiner Meinung und mir stand nicht der Sinn danach, dies noch weiter zu ergründen... Charlie zog sich schließlich in unsere Hütte zurück und als ich ihm folgte und sah, wie erschöpft er war, blieb ich bei ihm, bis sein Herz im Schlaf Ruhe fand... Ich könnte wohl aufstehen und weiter an seiner Hütte arbeiten, aber hier liegt nun solch ein Friede über uns, dass ich ihn nicht brechen mag...
    • Das stille Gesicht


      Ein stilles Gesicht zu wahren fiel auch mir nicht immer leicht in den letzten Tagen... So viele verschiedene Stimmen sprachen so viele verschiedene Worte und mein Kopf quoll über in dieser Vielzahl von Dingen, welche besprochen wurden... Deisek und Ammaniez, verändert und doch gleich... Jake, ruhig, aber offen... Svari, so wissbegierig und gleichzeitig rastlos suchend... Jaro, wie ein aufziehender Sturm... Reynir zieht zwei klare Linien auf seinem Pfad... Charlie... Charlie wurde immer unruhiger... Dass er die alte Sprache lernt ändert nichts daran, dass wir oft wie in verschiedenen Zungen sprechen. Trotzdem schaffen wir es immer, uns gegenseitig zu erklären und das ist gut. Uns beiden war der Kopf schwer geworden, aber nun ist es wieder besser.

      Wir arbeiten derzeit immer wieder an Charlies neuer Hütte... Diese wird anders als unsere vorherigen Bauten und obwohl ich den Vorteil erkenne, könnte ich mir nicht vorstellen, darin zu wohnen... Aber diese Arbeit ist eine schöne Beschäftigung, ich lausche dabei gerne Charlies Erzählungen über Walfische und ihre Gesängen. Und ich genieße seine Gegenwart. Immerzu... Geschichten wurden auch im kleinen Kreis mit Svari erzählt, dies war ebenfalls ein sehr schöner Tag und ich hoffe, dass es noch mehr davon geben wird. Ein solches Beisammensein erinnert mich an die langen Abende meiner Kindheit, wo viele zusammen saßen und man der Stimme des Erzählers lauschte... Savri hatte auch eine gute Geschichte erzählt, welche sehr lehrreich ist, ja. Ich hoffe, sie wählt den Pfad, der die Punktlinien weiter wachsen lässt...

      Jedenfalls fühlt es sich gut an, nun erstmal über alles in Ruhe nachdenken zu können und den angesammelten Aufgaben nachzukommen. Eins nach dem anderen zu erledigen ist besser, als alles aufs Mal, sonst gelingt am Ende gar nichts richtig... Und so versuchen wir also, uns die benötigte Zeit zu nehmen, egal wie windig es ist und ich bin weiter zuversichtlich.
    • Wie Altes zerfällt und Neues entsteht


      Wir haben viel gearbeitet in den letzten Tagen Wochen. Ich spüre die Kraft meiner Arme vom vielen Steine schleppen und so wie das Vorratslager voll ist, scheint es sogleich wieder leer zu sein... Aber es ist gut, nach getaner Arbeit den Blick über all das Erschaffene schweifen zu lassen. Charlies Arbeitshütte ist fertig und wir haben bereits alles nicht zerstörte aus seinem alten Lager vom Floß hinauf geschafft, so dass er nun alles hier hat, was er braucht. Ich sehe die Vorteile seiner Steinwände, doch jedes Mal, wenn ich in dieser Steinhütte bin, frage ich mich wie man es aushalten kann, darin zu leben... Jedenfalls ist es ein neues, ein ungewohntes Bild hier im Lager und dies wird noch gesteigert werden, denn Reynir ist so angetan vom Stamm der Römer, dass er sich ein Zuhause nach ihrem Vorbild wünscht...

      Begünstigt wird dieser Wunsch von einem unschönen Ereignis. Vor einigen Tagen brachen nämlich die Stützen von Reynirs Hütte in sich zusammen und die ganze Behausung rutschte den Berghang hinab. Ich danke den Göttern, dass Reynir dabei nichts schlimmeres passiert ist! Da wir alle uns nicht sicher sind, ob ein neues Bauwerk auf dem Hügel nicht wieder in sich zusammen fallen würde, wird die neue Hütte unten entstehen. So oder so ist es eine Herausforderung für uns alle, denn obwohl Charlie Wissen im Bereich der Steinhütten hat, hat er doch auch noch nie ein Gebäude in Römerart gebaut... Wir werden sehen, was unsere Hände erschaffen...

      Besucher waren schon lange keine mehr hier, aber auch wir selbst mussten die geplante Reise in die Wüste hinten anstellen. Das macht nichts... Ich fühle mich so glücklich wie seit meiner Kindheit nicht mehr und es ist zwar ungewohnt, aber auch sehr gut, wie Charlie alles verändert... Wie ich mit geöffneten Augen alles in einem neuen Licht betrachte... Wie eindeutig sich der Pfad des Lebendigen abzeichnet und den Weg des Todes in den Schatten stellt... Wie sehr ich diese Freude spüre, wenn er von einer seiner Reisen nach Hause kommt... Es ist gut. Alles ist sehr gut.
    • Ein Pfad im Sumpf


      Obwohl die Nacht schon weit vorangeschritten ist und ich sonst nach solcherart Ausklang des Tages sehr schnell in den Schlaf gleite, will er sich heute nicht einstellen. Zu viele Gedanken kreisen in meinem Kopf, zu vieles gibt es zu überlegen... Dabei hat alles zwei Seiten, so wie mein Schwert zweischneidig ist, sehe ich Vor- und Nachteile auf allen offenbarten Pfaden... Seltsam ist dieses Gefühl des Konflikts in mir selbst. Deutlich, als sei es erst gestern gewesen, höre ich die Worte meiner Ahnen: Zögere nicht, um den Stamm zu schützen! Die Familie steht über allem! Halte den Kreis geschlossen! Begegne Gefahren furchtlos und ohne Zögern! Töte, bevor den deinen ein Leid geschieht! Ja, nur so konnten die Skadi viele Menschenleben lang bestehen. Und dann mischt sich darunter die Stimme eines Bewahrers, welche genauso deutlich gute, richtige Worte spricht...

      Ist es also ein Mittelweg, welchen es zu beschreiten gilt? Ein schmaler, frischer Pfad zwischen denen, welche schon lange ausgetreten sind... Die Worte, welche bei dieser Art Versammlung im Sumpf gewählt wurden, waren gut. Gut für das gemeinsame Zusammenleben in der neuen Welt. Wichtig, darüber zu sprechen. Und ich glaube noch immer, dass es möglich ist, trotz der vielen Unterschiede in Herkunft, Religion und Denken einen gemeinsamen Weg zu gehen! Reynir und ich schaffen dies seit vielen Jahren. Charlie und ich. Charlie, Reynir und ich. Nicht immer, selten gar ohne Meinungsverschiedenheiten, aber es funktioniert indem wir uns auf Einigungen einlassen... Den Willen dazu haben...

      Dem jetzigen Treffen voraus gegangen war Deiseks Besuch bei uns vor einigen Tagen, welcher uns die Dringlichkeit einer Reise zu Jake verdeutlichte. Wir hatten erfahren, dass das Lager der Sankru aus unbekannten Gründen zerstört worden war und haben uns inzwischen mit eigenen Augen davon überzeugt, dass dort nichts mehr daran erinnert, dass hier bis vor wenigen Wochen mehrere Menschen und Tiere zu Hause gewesen waren... Jake scheint schwer getroffen davon. Nicht nur, dass seine Leute noch immer verschwunden sind, nein, nun fehlt ihm auch noch die Sicherheit der eigenen Heimstatt. Natürlich könnte er bei uns unterkommen, ich sagte ihm ja schon vor einiger Zeit, dass Charlies Freunde auch meine Freunde sind und wir betonten erneut, dass er sich an uns wenden kann, wenn er Hilfe braucht und ein willkommener Gast bei uns ist. Für den Moment ist er nun bei Deisek und Ammaniez und ich denke, es ist gut, dass er nicht alleine ist...

      Deisek und Ammaniez... Mich freute zu sehen, dass Deisek sich der Erdlingfrau zugewandt hat, so muss ich nicht mehr befürchten, ihn vor den Kopf zu stoßen und es entspricht auch dem Rat, welchem ich ihm vor einiger Zeit gab. Dass es nicht gut ist, wenn wir uns nur mit Menschen umgeben, welche das selbe Schicksal, die selbe Vergangenheit, den selben Zorn teilen. Dadurch würden wir nur verharren, anstatt weiter zu gehen, geistig gefesselt und ruhelos, ohne die Aussicht auf das Glück, nach welchem wir uns sehnen... In meinen Augen hingegen eine schlechte Wahl ist der Ort, welchen sich Deisek als Zuhause ausgewählt hat. Beengt, unübersichtlich und vor allem sowohl von außen, als auch von innen sehr eingeschränkt in der Sicht. Wieder ein Punkt, welcher Vor- und Nachteile birgt...

      Kurz nach unserer Ankunft war auch Svari mit ihrem Affen dort erschienen. Ohne Jaro, wie schon das letzte Mal bei uns... Ich erinnere mich, wie verwirrt es mich da gemacht hatte, als sie andeutete, aufgrund unseres Anratens den Schwertkampf erlernen zu wollen, denn mir war, als habe sie damals von sich aus den Wunsch geäußert... Nur deshalb ließ ich mich darauf ein. Keine Skadi bietet dies von sich aus Fremden an... Nun, selbst wenn sie sagt, dass die Voc nicht töten, ist es doch gut, wenn sie sich zu verteidigen weiß. Nicht immer hat man die Wahl... Ich sehe Svaris Weg mit Besorgnis. Sie folgt friedlichen Ansichten, welche in der Welt der Voc funktionieren, aber hier in der Fremde wird ihr gutes Wesen ausgenutzt... Ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein, hat sie sich selbst zum Werkzeug eines Mannes gemacht, welcher dies mit Sicherheit wohl berechnet hat...

      Jedenfalls ist das letzte Wort in all den Dingen noch nicht gesprochen, über welche wir uns lange unterhielten. Es ist gut, dass sich bei manchem alle einig sind und wir gehen richtige Schritte, wenn wir zusammen arbeiten... Wir werden sehen... Die Arbeit an Reynirs neuer Hütte geht nur langsam voran, denn diese andere Bauweise erfordert mehr Zeit. Zudem haben wir auch noch mehr Dinge zu erledigen... So schafften wir es endlich, Charlies Giftbringer ein wenig an mich zu gewöhnen. Ein wahrlich garstiger Vogel... Da fällt mir auf... Haben wir ihn überhaupt mit zurück nach Hause genommen? Ich gehe nachsehen...
    • Charlie musste etwas blättern, ehe er die nächste leere Seite fand. Manche Worte sind ihm ins Auge gesprungen, wie sein eigener Name oder Begriffe, die er mittlerweile gut kennt. Dennoch war er bemüht, nicht darin zu lesen. Er muss sich nun konzentrieren. Seine Notizen und alles weitere liegen schon bereit, er sollte einen sinngemäß verständlichen Text ausformulieren können.


      Machen für Gesund Getränk


      Erklärung übergewi schweren Worte

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      Kochen - Wenn Wasser ist heiß und blubbern von selbst. -> Kein Pusten mit Grashalm!

      Hand voll - so viel du können greifen mit ein Hand. Wenn was fallen runter, nicht schlimm!

      Schlecht Tag - Wenn Tag da, Getränk nicht mehr gesund. Nicht probieren, sonst Sheona Nacht auf Balken statt auf Charlie!

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      Sheona nehmen Schü Schäll Knochenkopf und füllen Beutel voll Wasser drin. Nur Wasser, nicht Beutel. Machen Feuer, für Wasser kochen. Du nicht müssen da sitzen und warten. Sheona nehmen eine Hand voll Zitron rot Beeren und sie ausziehen. Nun Sheona nehmen eine Hand voll rot Beeren und sie ausziehen. Nun Sheona nehmen eine Hand voll rot Beeren und sie ausziehen.//Wiederholt sich nun noch 17 Mal
      Nackige rot Beeren in kochender Wasser machen. Haut von Beeren du können essen oder geben Reynir dem Affe. Du nehmen Schale Schmerzweg Mittel, wie Charlie gezeigen und machen Mittel ohne Schale in Wasser mit nackig rot Beeren. Du nehmen noch eine Schale Schmerzweg Mittel und tun dasselbe wieder.
      Sheona müssen nun Zeit warten. In das Zeit Sheona muss nichts tun. Wasser muss kochen so lange wie Sheona lange Zeit brauchen auf Balken oder um Raptoren bewerfen geben mit Fleisch. Dann Sheona nehmen Knochenkopf vom Feuer und achten auf heiß. Rote Getränk in Gefräß Gefäß kippen. Warten bis kalt vor trinken. Sonst gut machen Deckel drauf, sodass Getränk nicht weglaufen kann, selbst wenn Gefäß auf Kopf stehen. Auf seine Kopf, nicht deins.

      Gesund Getränk hat schlecht Tag nach 8 Tagen. Das sind alle Finger eins Hand und noch ein Finger und noch ein Finger und noch ein Finger. Dann Getränk müssen weglaufen werden.


      Aufatmen. Er hat wirklich noch viel zu lernen. Aber das sollte reichen.


      //Auf der Seite wurden nicht wenige Worte fett durchgestrichen, Teilweise zeigen Pfeile von Sätzen (vor allem die Hinweise) weiter unten auf frühere Textstellen, sodass sich erst so dieser Text ergibt. Zudem ist ein Fettfleck, wie man es von einer gebratenen Hammelkeule kennt, an einer Ecke sichtbar. Der Versuch das wegzuwischen hat das Papier an dieser Stelle etwas rau gemacht. Daneben steht klein geschrieben "Bitte du mir geben frei von Schuld"
    • Vom kalten Tod, vom Kampf ohne Luft und einem nicht überraschenden Geständnis


      Ein langer Tag, eine weite Reise voller Gefahren und schließlich die Zeit endlich ausgesprochener Geheimnisse... Meine Schulter brennt, dort wo scharfe Zähne sich in meine Haut gruben um mich in die Tiefe zu reißen und ich fühle auch das Pochen an den anderen Stellen. Denen, wo nichts mehr zu sehen ist... Aber ich habe den Schmerz unter Kontrolle. Es ist mein Körper, mein Schmerz... Charlie sagte, ich hätte meine Aufgabe gut gemacht und es ist auch nur ein Hauch vom Schmach in mir, wenn ich daran denke, wie oft ich an diesem Tag wiedergeboren wurde. Gegen manche Feinde ist man machtlos... So wie ich als Kind mit meinem Holzschwert gegen gerüstete Krieger hieb, genauso war der Kampf gegen den eisigen Tod aussichtslos... Und doch waren wir erfolgreich, erreichten das Ziel der Reise und der Preis, welchen wir dafür zahlten, scheint gerecht. Dazu gewonnen wir mehr Wissen über die neue Welt, aber alles der Reihe nach...

      Wir waren bei Sonnenaufgang aufgebrochen. Ich ritt Rae, was sich später als eine gute Entscheidung herausstellte, denn sie ist bedeutend schneller als Skrollan und mehr als einmal bewahrte uns unsere Geschwindigkeit vor schweren Kämpfen... Es warteten wahrlich viele gefährliche Gegner auf unserem Weg. Große Rudel Wölfe und unzählige Rexe, von welchen einer sogar in Metall gekleidet war! Dazu die üblichen Angreifer wie Giftbringer, Schlangen oder Katzen. Trotz all dieser Hindernisse verlief die Reise gut, bis wir die Schneeregion erreichten. Und dort auf einen uns bisher unbekannten Gegner trafen... Nur einen Moment hatte ich Charlie und Vivine aus den Augen verloren und folgte seiner Stimme zwischen von Eis überzogenen Felsen, als plötzlich eine kalte Hand nach mir griff... Mir war, als würde ich brennen, während ich fror, meine Sicht verschwamm in wirren Farben und ich hörte ein seltsames Knistern...

      Ja, ich fühlte wie der Tod eisig über mich kam. Trotz der dicken Pelzrüstung, trotz des mit zitternden Fingern entfachten Feuers, welches ein großes Kraftaufbringen erforderte, denn meine Glieder wurden schwer und langsam, als würden sie erstarren. Nur ein paar Atemzüge lang, welche schmerzhaft lodernd in mir brannten, dauerte es, bis große Müdigkeit mich übermannte und mich in die Dunkelheit sog... Ich erwachte neben Charlie, Schnee umwirbelte uns und dann spürte ich Raes warmen Atem an meinem Gesicht und trotz der noch immer zehrenden Kälte und Müdigkeit beeilte ich mich, meine Rüstung wieder anzuziehen. Und dann wollten wir so schnell es geht fort von diesem tückischen Ort, aber ich kam nicht mal dazu, mich in den Sattel zu schwingen, denn wie sich heraus stellte, waren es nicht nur diese Kristalle, welche einen zu Eis werden lassen, nein, ein Tritt auf die gefrorenen Gräser ringsum genügte, um mich erneut erstarren zu lassen...

      Dreimal musste ich erfrieren, bevor es uns gelang, von dort fort zu kommen und es dauerte lange, bis mein Körper kribbelnd und brennend aufzutauen schien. Ein großes Glück war es, dass unsere Tiere diese eigenartige Macht nicht ergriff! Selten war ich so froh, wieder in wärmeres Gebiet zu gelangen... Als wir das, nach was wir gesucht hatten, schließlich mit uns trugen, hätten wir es vielleicht besser dabei belassen sollen. Doch es zog uns weiter in dieser Art Eifer, welcher sich einstellt, wenn man etwas Großes erreicht hat und wir wechselten ohne Zögern von unseren Reittieren auf das Floß und es war ein Fehler, zu glauben, die größten Gefahren lägen nun hinter uns... Wir kamen nicht sehr weit. Unweit unserer Anlegestelle war es, wo plötzlich ein großer Schatten aus dem sumpfigen Wasser schoss, ein faulig stinkendes Maul mit scharfen Zähnen nach mir schnappte und schon zog es mich fort, tief unter Wasser, wo alles verschwamm...

      Die Helligkeit wurde zu dunklen Schemen, ein Wirbel aus Luftblasen und Bewegungen, welche mich umkreisten, während ich versuchte, mich abzustoßen und gleichzeitig mein Schwert zu ziehen. Doch das Maul gab mein Bein nicht frei, sondern zerrte daran in einem mahlenden Schmerz und noch ehe ich meine Waffe richtig greifen konnte, schlugen die Zähne eines zweiten Krokodils in meinen Schwertarm, so dass ich mich wie zerreißend fühlte, in verschiedene Richtungen gezogen, während zwei weitere Tiere näher kamen, um ebenfalls ein Stück von mir zu erreichen... Dann war mein Bein frei, oder wohl eher halbiert und die Sicht wurde trüb von meinem eigenen, sich mit dem Wasser vermischenden Blut und ich schrie vor Wut, was mir noch schneller die Luft raubte und auf den Grund hätte sinken lassen, wäre da nicht das in meinen Arm verbissene Tier gewesen, welches mich in schleudernden Bewegungen durchs Wasser warf...

      Kurz kam mein Kopf an die Oberfläche und ich sog prustend die Luft in mich ein, bevor ich wieder nach unten gerissen wurde. Es gelang mir, mit der linken Hand den Deisek- Pfeil zu erreichen, welcher versteckt zwischen den beiden Lagen meines Pelzmantels befestigt war und diesen rammte ich in das Krokodil, welches mich gefangen hielt, während das Wasser um mich herum weiter rot schäumend und wirbelnd gegen meine Lunge drückte... Nur einen Moment, dann tat der Pfeil seine Wirkung und der Griff um meinen, nur noch in Fetzen hängenden Arm, lockerte sich und das Tier trieb betäubt davon... Aber auch ich trieb trudelnd hinab, das Licht der Oberfläche schien sich zu verdunkeln und das letzte, was ich sah, waren die geöffneten Mäuler der anderen Krokodile...

      Als ich erwachte, lag ich wieder auf dem Floß. Ein Blick zeigte mir, dass mein Körper wieder unversehrt war, auch wenn er innerlich schrie... Dann war Charlie bei mir, seine Stimme drang warm in mich und während ich noch versuchte, diese Benommenheit von mir zu schütteln und den Schmerz zu verdrängen, war er da, um mich zu stützen. Schließlich machten wir uns auf, meine verlorene Ausrüstung im Wasser zu suchen, Charlie musste eine große Zahl an Angreifern betäuben, wurde selbst auch in Kämpfe verwickelt und nach dem vielen Laufen über den schlammigen Boden pflückte ich nicht wenige Blutegel in einem schmatzenden Geräusch von seinem Körper... Ich hatte die Suche schon aufgegeben, als Charlie schließlich meine verlorenen Sachen fand. Von der Kleidung sind wahrlich kaum mehr als ein paar Fetzen übrig geblieben, aber das gute neue Schwert von Deisek ist wieder mein. Mühsam habe ich es inzwischen mit der linken Hand mehrfach mit Fett eingerieben, auf dass es trotz seines langen Aufenthalts unter Wasser hoffentlich keinen Rost ansetzt...

      Die Reise wurde also an dieser Stelle abgebrochen, aber der Heimweg hielt noch mehr für uns bereit. Erneut kamen wir nicht weit, wieder schnellte ein Krokodil aus dem Wasser, verbiss sich in meine rechte Schulter und zog mich abermals vom Floß... Diesmal jedoch nicht schnell genug, denn während ich mit meinen Fäusten gegen die empfindliche Schnauze schlug, sprang Charlie mir nach trieb brüllend seinen Speer in das Herz des Tieres. Der Biss war tief, aber noch nicht zerstörerisch gewesen und ich konnte die Blutung mit den Resten meiner Fellrüstung stoppen, bis wir wieder zu Hause waren... Dort schließlich warteten schon Gäste vor unserem Tor. Charlie versorgte meine Wunde und ich ruhte mich noch eine Weile aus, bevor auch ich mich zu den inzwischen von ihm bewirteten Besuchern gesellte...

      Viele Worte wurden gesprochen zwischen Deisek, Ammaniez, Jake, Charlie und mir. Neuigkeiten, beunruhigende, aber auch gute. Jake hat es wahrlich schwer dieser Tage und wir sind bemüht, ihm unsere Hand zu reichen und ihn zu unterstützen... Als sich die Dämmerung dann allmählich über den Tag legte, da sprach Deisek zögernd und sichtlich nervös ein Geheimnis vor uns aus. Ein Geständnis, welches Charlie und mich nicht wirklich überraschte... War mein Instinkt also doch richtig gewesen! Während Deisek sich unter seiner eigenen Wahrheit wand und Jake sich entsetzt zurück zog, musste ich lächeln und auch ein wenig überrascht feststellen, dass in mir keine Wut war. Nein, ich unterscheide schon seit einiger Zeit und mein Zorn ist nicht mehr blind...

      Mit dieser Offenbarung zeigt Deisek deutlich, dass er nicht mehr der ist, der er einst war und es ist so, wie ich sagte, nämlich dass ein jeder von uns in der neuen Welt auch einen neuen Abschnitt in seinem Leben betritt. Und genauso ist es richtig, wie Charlie so gerne betont, dass wir zu wenige sind, um Vergebung zu verwehren. Vielmehr kann nun endlich Vertrauen zwischen uns wachsen. Das ist gut. Aber ich muss nun diese Niederschrift beenden, der Schmerz meiner Schulter brandet schreiend den ganzen Arm entlang...

      Beitrag von Deseryve ()

      Dieser Beitrag wurde vom Autor aus folgendem Grund gelöscht: falsches Thema ().
    • Vergessene Vereinbarungen Wut und Sorge


      Ich war sehr zornig. Zum einen hatte Charlie doch gesagt, dass er diese Erkundungsreise mit mir zusammen machen wollte, zum anderen war kurz darauf fest vereinbart worden, dass ich die anderen begleiten würde... Nun, ich hatte mich früher als die anderen zurück gezogen, der Schmerz war stärker geworden an diesem Tag nachdem wir erneut einen weiten Weg über Wasser zurück gelegt hatten. Das viele Paddeln ließ mich meine Verletzung immer mehr spüren und deshalb nahm ich etwas von diesem Schmerzweg Mittel und legte mich schlafen. Nur um dann beim Erwachen festzustellen, dass Charlie ohne mich abgereist war! Ich fand lediglich eine Nachricht vor, welche mich und Reynir dazu aufforderte, uns zu Ammaniez zu begeben, weil diese alleine sei und sich später alle dort treffen würden...

      Ich verstand und verstehe nicht, warum Charlie dies tat! Reynir vermutete, dass Charlie mich nicht in Gefahr bringen wollte und sich um mich sorgt, aber dagegen kann ich genauso halten, dass auch ich mich um ihn sorge und ihn deshalb erst recht begleiten wollte! Eigentlich hatte meine Wut sich wieder gelegt, als Reynir und ich schließlich den Sumpf erreicht hatten... Dann stellte sich heraus, dass Ammaniez gar nicht alleine war, nein, die anderen waren bereits zurück von der Reise und als ich auf Charlie zuging, nickte er mir lediglich zu, so als sei ich eine Fremde oder bloße Bekannte und dies entfachte erneut meinen Zorn! Ich gebe zu, dass eben dieser Zorn aus mir sprach, als ich wissen wollte, warum ich einfach zurück gelassen worden sei, aber Charlie und Jake fuhren mir über den Mund, also blieb ich still und lauschte ihren wirren Erzählungen, um einen besseren Moment abzuwarten, um zu sprechen...

      Was ich hörte war nicht nur schwer nachzuvollziehen, da die gesprochenen Worte kreuz und quer durcheinander gingen, sondern auch auf eine Art beunruhigend. So weit ich es beurteilen kann, scheint es als haben sowohl die Sankru, als auch Jaro diese Tiere der Schatteninsel erst aufgescheucht und zum Vorstoß aufs Festland bewogen... Weshalb die Sankru trotz ihrer Donnerstöcke, Knallpulver, Kletterhaken und Lederflügel scheinbar überwältigt wurden, ist mir ein Rätsel. Und ich sehe es genau wie Charlie, dass es für uns erst recht nicht möglich ist, gegen diese Spinnen zu bestehen, wenn die Sankru daran scheiterten... Uns bleibt nur, dies weiter zu beobachten. Und genau bei dieser Feststellung schien es erneut, als sei zwischen Charlie, Jake und Deisek schon wieder alles vereinbart und ich als Kriegerin hier nicht weiter vonnöten. Meine vor sich hin brodelnde Wut wollte und wollte nicht weichen...

      Trotzdem war mir nicht entgangen, wie erschöpft und müde Charlie war, aber es gelang mir nicht, seinen Blick einzufangen, fast so als wiche er dem meinen aus und ich fühlte neben dem Zorn gleichzeitig Sorge um ihn in mir wachsen. Ich wollte mit ihm sprechen und meine Wut hinten anstellen, um für ihn da zu sein... Um diese gegensätzlichen Gefühle unter Kontrolle zu bekommen, ging ich für eine Weile hinunter ans Wasser... Als ich zurück kam, saß Charlie alleine dort, Ammaniez ging gerade in die Hütte und kurz darauf ihren Worten nach zu Deisek. Ich dachte, nun könnten wir uns in Ruhe unterhalten, aber gerade, als ich mich setzte, stand Charlie auf und sagte, er ginge nun schlafen. Daran wollte ich ihn nicht hindern, so wie er aussah und scheinbar hatte er auch kein Interesse daran, sich mit seiner Frau zu unterhalten heute. Wieder Wut, die ich versuchte zu schlucken um seinetwillen, denn es war offensichtlich, dass ihm nicht wohl war... Ich wünschte nur, er würde sich genau in solchen Momenten nicht zurück ziehen, sondern seine Last mit mir teilen...

      Jedenfalls zeigte der Rundumblick mir, dass ich erneut zurück gelassen worden war. Ich wusste nicht, wo die anderen hingegangen waren, niemand schien es für nötig zu halten, mir Bescheid zu geben! Also stieg ich in meinen Einbaum und machte mich an die Heimreise... Es dauerte eine Weile, bis ich aus diesem elendigen Sumpf hinaus gefunden hatte, noch dazu pochte meine Schulter im Takt mit dem Eintauchen des Paddels und der Weg schien mir weiter als sonst. Viel Zeit, in der meine Gedanken mal in diese, mal in jene Richtung gingen und das Gefühl, so weit von Charlie entfernt zu sein, war nicht gut. Auch dachte ich darüber nach, wie seltsam es gewesen war, als ich neulich hörte, wie Svari zu Jaro sagte, sie würde ihm vertrauen. Wenn sie ohne diesen Mann ist, spricht sie ganz anderer Art über ihn und ich frage mich, ob es wirklich so ist, dass die Voc nicht lügen? Etwas stimmt auch hier nicht...

      Oh und Jaro erst! Dieser Mann zeigt weder Respekt, noch die für seine eigene Lehre eigentlich notwendige Geduld! Er fordert viel und gibt selbst gleichzeitig nichts davon. Kann er sich ernsthaft fragen, weshalb ihm kein Vertrauen geschenkt wird? So forderte er beispielsweise sofortige Erklärung über den Inhalt dieses Buches der Sanar, obwohl dies doch eine Sache der Sankru ist und somit alleine Jake die Entscheidung zusteht, wem er es zeigt... Jakes Wunsch war es, dass dies erst mit uns besprochen wird und Charlie sagte Jaro auch zu, dass er danach ebenfalls informiert werden würde. Ein Mann mit solch einem starken Stammesbewusstein, wie er vorgibt zu haben, sollte dies respektieren, vor allem aber verstehen können! Doch kaum hatten wir uns zurück gezogen, um uns zu beratschlagen, da stürmte Jake hinein und sagte, dass Jaro verschwunden sei und möglicherweise lauschen würde. Jaro gräbt sich selbst eine Grube...

      Viele Dinge gingen mir also durch Kopf, aber als ich endlich zurück in unserem Lager war, verflüchtigte sich alles außer der Frage, weshalb alles so war wie es war, warum Charlie mich erst vergessen und dann Abstand gesucht hatte... Ich hätte Rat bei Reynir gesucht, aber er war ja auch nicht da... Also versorgte ich die Tiere, suchte die Ruhe ihrer Gegenwart und setzte mich schließlich unter den Baum oben auf dem Hügel. Aber meine Gedanken hören nicht auf zu kreisen... Was ist mit Charlie? Habe ich etwas falsches getan? Oder gesagt? Ich wüsste nicht was... Wurde er verletzt auf dieser Reise? Meine Sorge um ihn ist größer, als jede mögliche Bedrohung es jemals sein könnte... Größer auch als die Wut... Vielleicht sollte ich morgen erneut in den Sumpf reisen und nach ihm sehen... Aber was ist, wenn er das wieder nicht möchte? Irgendetwas stimmt nicht. Ich verstehe dies nicht...
    • Zusammenhalt


      Es war gut, dass Charlie und ich uns aussprachen. Wir gaben uns gegenseitig Verständnis, statt flammender Rede, was vielleicht daran liegt, dass mein Zorn sich über die Nacht gelegt hatte, ganz und gar der Sorge gewichen war... Unserem Gespräch folgten schöne Augenblicke ohne viele Worte und schließlich die gemeinsame Reise, an dessen Ziel sich zeigte, dass noch nicht zu viel Zeit verstrichen war... Erstaunlich, wie ich jedes Mal empfangen werde, obwohl meine Besuche von weitaus größerer Unregelmäßigkeit sind, als die von Charlie. Ich wandle dort in Ehrfurcht, noch immer in Verblüffung gar und fast ist es, als wohne eine eigene Welt in dieser Welt... Jedenfalls ist es gut, dass nun kein Zorn mehr zwischen uns liegt. Ich weiß, dass wir immer wieder auf Punkte von Unverständnis und verschiedenen Ansichten stoßen werden, aber ich sehe diese nicht als Hindernis!

      Unser Stamm ist stark, war es schon immer und dass nun vieles neu, so nie dagewesen ist, kann uns nur weiter stärken! Schließlich fanden wir auch in dem Gespräch mit Reynir wieder in halbwegs ruhige Gewässer, sprachen weiter, anstatt in Wut auseinander zu gehen... Und wie wir da beisammen saßen, unser Kreis sich schloss durch Vaters Hände, da wusste ich, dass wir unseren Weg finden. Wir überdauern die Stürme, durchqueren die Schluchten, gehen weiter in dem Wissen, dass unser Zusammenhalt immer besteht, egal wie oft da Fallgruben sind...

      Über die anderen Dinge mag ich heute nicht schreiben, nicht bevor mehr Klarheit herrscht. Neben mir, dort wo Charlie bis eben lag, fühle ich noch immer seine Wärme in den Fellen und ich atme seinen Geruch an mir und um mich... Er ist immer bei mir, so wie auch ein Teil von mir beständig bei ihm weilt...
    • Von Spinnenjägern und dem Griff nach den Wolken


      Ich kann kaum damit aufhören über dieses Gebäude, welches im Herzen unseres Lagers wächst, zu staunen... Als wolle Reynir weit oben, zwischen den Wolken hausen, werden die Steine immer höher und höher geschichtet. Dazu noch die Säulen und der Rundumblick... Ungewohnt, mehr als ungewohnt ist dieser Anblick für mich. Zu spät kam mir der Gedanke, dass ich erwidern könnte, er baue sich nun eine Hütte nach dem Vorbild eines Erdlingstammes, wenn Reynir bemängelt, dass ich Erdlingswörter verwenden würde... Charlie wiederum frägt nach den Bräuchen der Skadi und sein Interesse erfreut mich sehr. Zu meiner Schande muss ich immer wieder gestehen, dass viel Wissen zusammen mit unserem Stamm unterging. Ich war zu jung damals...

      Aber nun gut, wir werden das Wissen bewahren, welches noch lebt und gemeinsam neue Wurzeln formen!

      Vor ein paar Tagen erst zeigte Charlie mir, wie er sein Schmerzweg Mittel herstellt und ich gehe ihm gerne bei dieser Tätigkeit zur Hand, genauso wie ich ihm so gut ich es eben vermag, auch im Garten helfe. Manchmal ist es schwer, dort in Ruhe zu arbeiten, vor allem am Strand jagen viele große Fleischfresser, so dass man beständig auf der Hut sein muss und an einem Tag schoss sogar ein rießiger Lindwurm auf die Felder zu! Oftmals gehen wir weite Bögen, bewegen uns schlängelnd zwischen all den scharfen Zähnen und Klauen hindurch und dies alles verändert sich mit jedem neuen Sonnenlauf... Es ist gut, dass Skrollan inzwischen tut, was ich sage und ich mich auf sie verlassen kann. Sogar ihr Interesse an anderen Nacktwölfen zeigt sie sehr maßvoll und orientiert sich an meinem eigenen Handeln...

      An dem Abend jedenfalls, als ich gerade dabei war schwarze Beeren zu zerstoßen, da wurden wir von Jaro aufgesucht. Er überbrachte uns Botschaft von Deisek, eine Art Hilfegesuch und natürlich ließen wir alles stehen und liegen, um diesem nachzukommen. Scheinbar war ein Teil der Spinnenbrut in die Sümpfe vorgedrungen und es galt, dieses sowohl zu überprüfen, als auch dafür zu sorgen, dass Deiseks Heim nicht überrannt werden würde... So ritten wir also gemeinsam mit Jaro dort hin und ich vernahm mit Erstaunen, wie gemäßigt sich der Schattenkrieger im Vergleich zu den letzten Treffen zeigte. Haben Worte etwas bewirkt? Befremdlich hingegen empfand ich die zum Teil wahrnehmbare Angst vor dem Spinnengetier, als wir alle uns dann versammelt hatten und die Lage besprachen. Ich könnte es verstehen, wenn diese Spinnenmutter ihr Unwesen treibt, aber die Brut, das ist nichts anderes, als das was ich schon auf Ragnarok sah...

      Ob Charlies und meine Überlegungen bezüglich dieser Spinnensache von allen bedacht wurde, weiß ich nicht. Aber bei Tagesanbruch zogen wir gemeinsam los, Charlie, Reynir, Deisek, Jaro, Svari und ich. Tatsächlich waren einige der Tiere schon sehr nahe und wir töteten insgesamt etwa so viele von ihnen, wie Finger an vier Händen sind... Auf diesem Weg sah ich zum ersten Mal diese roten Kristalle, von welchen ich schon gehört hatte, dass sie Feuer speien. Ein Gegenstück zu denen im Schneegebiet also... Als das Handwerk von Pfeil, Schwert, Schleim und Blut schließlich beendet war, blieben wir noch eine Weile bei Deisek und Ammaniez. Viel gesprochen wurde jedoch nicht mehr und ich frage mich, ob wir jemals genug Zeit für lange Unterredungen finden werden... Ruhe für andere Worte...

      Charlie und ich finden diese, nehmen sie uns... Nur die Götter wissen, was morgen ist... Warum also warten?
    • Wenn eine Tür geöffnet wird


      Schwierige Tage... Stürme von Gedanken, so viele Dinge, welche gemeinsam einen Pfad beschreiten... Zu viele Missverständnisse, als ob wir verschiedene Sprachen sprächen... Zu oft stehe ich zwischen Charlie und Reynir, verstehe sie beide, aber sie sich nicht... Ich weiß nicht, wie es sich verbessern ließe, weiß nicht, was ich tun soll... Mein eigener Streit mit Charlie öffnete die Tür noch weiter, welche ich stets verschlossen hielt und was durch sie gebrandet kommt, ist stärker als ich vermutet hätte. Es umspült mich, füllt mein Innerstes... Charlie kann ich es sagen. Er versteht es. Verurteilt mich nicht.

      Die uns überbrachte Kunde bereitet uns Sorgen. Nicht nur ihm, denn ich bin genauso Teil davon... Wieder holen uns Dinge ein, zwingen uns auf Wege, von welchen wir dachten, sie hätten noch Zeit... Obwohl ich doch weiß, wie sehr die Götter das Chaos lieben, kam dies alles unerwartet. Die Ruhe, die wir uns sonst nehmen, lässt sich kaum noch greifen... Zu viel passiert unter einer Sonne und verändert sich mit der Wanderung eines Mondes... Es ist schwer, sich nur auf eine Sache zu konzentrieren, wenn so vieles nach Aufmerksamkeit schreit...

      Gleichzeitig verstehe ich nicht diese, man könnte schon sagen Panik, welche einige unserer Freunde scheinbar befallen hat. Gerade erst besprochene Pläne werden überworfen, eingeholt mit schnellen Schritten, so dass wir kaum mithalten können... Weshalb fliehen sie, anstatt die Gefahr vor ihrer Tür zu beseitigen, solange diese noch so überschaubar ist? Sie machen sich selbst von Jägern zu Beute und lassen die Tür offen stehen... Diese Hast ist nicht gut. Es ist wohl eine gute Idee, solch einen gemeinsamen Rückzugsort zu schaffen, aber diese Aufruhr ist schlecht...

      Was mich selbst mehr sorgt, als jedes Krabbeltier, ist Charlies Zustand. Ich hoffe, meine Hilfe ist genug, stärker als das Gift...
    • Neu

      Skadi ist nicht nur ein Name


      Einige Sonnen sind vergangen... Die Kräuter und Wurzeln brennen bei Tag und bei Nacht und ich erneuere die Zeichen, bevor sie verwischen... Trotz all der Vorbereitungen trat die Spinnebrut auch bei uns in Erscheinung. Rätselhaft ist es mir, wie die Tiere so nahe an unser Lager gelangten, obgleich wir alle doch täglich unsere Wachrunden drehen, täglich in unserem Gebiet jagen und dergleichen... Skrollan hat solch eine gute Nase und auch gute Ohren, genauso die Raptoren... Wie ist es möglich, dass sie nichts bemerkten? Unmöglich ist es!

      Gut, ich weiß, dass die meisten der Spinnen von unseren Besuchern hier her gelockt wurden und dies ist wieder solch ein Punkt... Sie benehmen sich wie Feiglinge! Wären dort die Zähne des Gott des Todes oder Allosauren... Aber nein! Sie fliehen vor dem Spinnengetier, machen sich vor diesen zu ihrer Beute! Ich höre meine Ahnen lachen... Deisek benimmt sich angeblich wie ein Erdling und stellte unseren Bund infrage, obgleich er selbst dagegen handelt... Zu schade nur, dass ich nicht da war an diesem Tag. Bei den Göttern, ich hätte ihn wieder zur Vernunft gebracht!

      All diese Dinge bestärken mich nur wieder darin, den Weg meines Volkes zu gehen... Die Skadi waren aus gutem Grund stark, respektiert und gefürchtet. Und dieser Grund ist nicht, sich mit mut- und kopflosen Fremden zusammen zu tun! Nein. All das lange Reden hat zu nichts geführt... Wie aufgeschreckte Dodos rennen sie alle umher und auseinander, öffnen mit ihrer Angst die Tür für Unheil... Aber es muss uns nicht bekümmern, dass sie sich als selbsternannte Beute zitternd und fürchtend in irgendeinem Schneehügel vergraben. Schwach...

      Stolz hingegen bin ich auf Charlie. Er macht seinem Namen Ehre und handelt überlegt, anstatt sich von dieser Aufregung mitreißen zu lassen... Und abseits von dieser Sache glaube ich, dass es ihm langsam besser geht. Ob mein Zutun dabei hilft, weiß ich nicht. Aber dies tue ich gerne, es ist selbstverständlich... Wir sind Mann und Frau... Unsere Liebe ist verbunden im Stamm der Skadi... Und Skadi ist nicht nur ein Name. Skadi bedeutet mehr als das... Hier schließt sich der Kreis...