Mein Tier und Ich

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    • Mein Tier und Ich

      Mein Tier und ich – ein Weg, kein Ziel
      oder: Wie ich im RP zwischen Mensch und Tier ein Bündnis schaffe




      Das Erste, was Dich zu einem Tier führt, ist der Gedanke. Hier spielt der erste Gedanke bereits eine wegweisende Rolle. Warum möchtest Du für Deinen Charakter dieses Tier? War der Gedankengang "Weil ich somit besser Beeren farmen kann"? Oder "Die Eigenschaften spiegeln viel von meinem Charakter wieder. Ein Bündnis zwischen ihnen wäre Herausforderung und Ergänzung zugleich."?
      Diese beiden, doch sehr voneinander distanzierten Denkrichtungen, sind natürlich nur zwei Beispiele. Doch gerade durch deutliche Gegensätze lassen sich Probleme besser aufzeigen. Wahrscheinlich liegt Dein persönlicher Grund, warum Du für Deinen Charakter das Tier willst, irgendwo dazwischen. Dennoch möchte ich zur Verdeutlichung einmal beide Gegensätze gegenüberstellen.




      Was steht hinter dem Gedanken

      Besser FarmenGleich und Gleich gesellt sich gern
      Gegenständliche Betrachtung des Tieres, da es auf seinen puren Nutzen reduziert wird.Konzentration auf das Wesen des Tieres und des Charakters.
      Klassischer PVE Gedanke, der noch nichts mit RP zu tun hat.Fokus auf RP Elemente, da dem Tier ein Charakter gegeben sein muss, mit dem der Charakter interagiert.
      Tier dient als Stufe des persönlichen Aufstiegs.Tier und Charakter üben aufeinander Einfluss aus und bestimmen somit die weitere Entwicklung beider.


      Mit dieser Gegenüberstellung möchte ich aufzeigen, dass der Gedanke "Besser Farmen" keinen Fokus auf das direkte RP setzt und für sich allein sehr oberflächlich ist. Der Mehrwert ist einzig, dass sich die Rahmenbedingungen für das Drumherum Deines Charakters verbessern. Durch mehr Beeren kann man mehr Tiere füttern, mehr Narkosemittel herstellen usw. Da dieser Gedanke allein das RP nur indirekt und gering unterstützt, kann dieser Gedanke allein auch nicht als Grund für das Anschaffen eines neuen Tieres ausreichen. Das Tier hat hier noch keinen Charakter, es gibt noch keine direkte Verbindung zwischen Deinem Charakter und dem Tier, was essenziell ist. Du musst Dir also darüber hinaus überlegen, was die Existenzberechtigung Deines Tieres im RP für das RP ist.
      Der Gedanke "Gleich und Gleich gesellt sich gern" setzt voraus, dass das Tier einen Charakter hat. Ist Dein Charakter ein ruhiger Typ, so könnte er mit einem tiefenentspannten Tier etwas anfangen. Aber auch ein tiefgründiger Charakter kann von einem tiefenentspannten Tier profitieren, welches vielleicht eine beruhigende Wirkung auf ihn ausstrahlt und ihm somit hilft, sich zu konzentrieren. Somit existiert eine gewisse Harmonie zwischen euch, die eure Beziehung zueinander, ganz ohne es erklären zu müssen, bereits verständlicher macht. Ein unruhiger Zappelphillip hätte hingegen mehr Probleme mit diesem Tier, da er Nervosität hineinträgt, was dem Tier dann nicht gefällt, es gibt Konflikte. Auch das kann ein RP-Element mit Entwicklungspotential sein! Dadurch, dass Du Dir bereits Gedanken gemacht hast, welchen Charakter das Tier hat und welche Wechselwirkung zwischen ihm und Dir besteht, fällt es auch leichter, das Tier in Gegenwart anderer Mitspieler auszuspielen. Wie wird es handeln, sowohl passiv, als auch aktiv?

      Zum Schluss sei gesagt, dass Dein Charakter IC natürlich den Gedanken haben kann, dass er sich das Tier nur anschafft, weil es ihm nutzt. Doch das darf nicht Dein OOC Gedanke allein sein. Auch dann hat das Tier ein Wesen und eine Wechselwirkung mit Deinem Charakter. Es ist also wichtig, sich einige Gedanken im Voraus zu machen. Das Tier muss nicht von vorne bis hinten durchgeplant sein. Aber ein Konzept sollte stehen. So entsteht Tiefe und es gibt keine versehentlichen Widersprüche.




      Nur der erste Schritt


      Steht Dein Konzept, so ist der erste Schritt getan. Das Problem ist nun, dass Tiergefährten ja nicht vom Himmel fallen. Auf Chimeare ist Realismus wichtig. Nichtsdestotrotz ist uns allen klar, würden wir alle das perfekt realistisch ausspielen, so gäbe es 95% aller Tiergefährten nicht. Es gibt durchaus eine Pufferzone, die mit der Größe des Tieres immer kleiner wird. Während ein Dodo von kaum einem hinterfragt wird, so muss man sich für einen Thylacoleo schon ernsthafte Gedanken machen und wirklich Zeit nehmen, währenddessen ein Tyrannosaurus keinerlei Pufferzone mehr besitzt und auf Chimeare als unzähmbar eingestuft wird. Idealerweise hat man sich aber auch bei den Dodos einige Gedanken gemacht. Ich hatte bereits auch auf dem Server RP mit Spielern, die ein sehr tiefgehendes RP mit bloß diesen Tieren leisten. Der Fokus liegt hier klar auf RP, denn die paar Eier wären sicher aus PVE-Sicht die Mühe nicht wert.

      Nun ist es bei ARK so, dass fast alle Tiere für den Charakter neu sind. Ja, wir kennen Skorpione, dennoch sind diese um einen wesentlichen Faktor kleiner, haben sich einem völlig anderen, kleineren Lebensraum angepasst und spielen in der Nahrungskette eine völlig andere Rolle. Und wer weiß schon, wie Skorpione vor vielen Jarhmillionen waren. Unsere realen Skorpione lassen sich also nur bedingt mit dem Pulmonoscorpio aus ARK vergleichen. Diese Wissenslücken sind Fluch und Segen zugleich. Der Fluch liegt auf der Hand – man weiß nicht, welche Strategie nun greift, weil man sich auf bewährte Konzepte aus der Realität nicht stützen kann. Doch die Chance in den Lücken ist die eigene Kreativität. Man kann sich eigene Wege ausdenken, die funktionieren könnten, die in der Realität nicht greifen. Das, was man also nicht über den Dinosaurier weiß, kann man als Interpretationsspielraum nutzen und selbst ausdenken – immer mit Blick auf den Realismus. Ein völlig zutraulicher Ankylosaurus, der sofort anhänglich ist und schmusen möchte, nachdem man ihm den Dorn aus dem Fuß zog, hat viel mit Disney zu tun, nichts aber mit der Realität, in der jedes unbekannte Wesen erst einmal eine potentielle Bedrohung darstellt, auch wenn es einen nicht gleich angegriffen hat. In der Natur lebt es sich mit Skepsis, Distanz und Vorsicht grundsätzlich besser und so verhalten sich auch die Tiere. Es bringt keinen Überlebensvorteil, sich schnell an eine andere Art zu binden, in der Regel jedoch Probleme oder gar Gefahren. Jedes Tier stellt sich dieselbe Frage – bist Du gefährlich, oder kann ich Dich fressen? Pflanzenfresser haben den zweiten Teil der Frage schnell geklärt, sodass es bloß darum geht, ob sie Dich ignorieren, vor Dir entkommen oder Dich bekämpfen können. Der Gedanke "Könntest Du mein Freund sein?" ist normalerweise nicht die Frage, welches sich ein Tier stellt. Es hat seine Gründe, wieso Tiere nicht kunterbunt zwischen den Arten miteinander zu tun haben, sondern die soziale Interaktion in der Regel (Ausnahmen gibt es natürlich!) innerhalb der eigenen Art bleibt. Der Mensch bildet hier für sie keine Ausnahme.
      Die nächste Frage, die Du Dir beim Zähmen eines Wolfes stellen musst, ist nicht, wie ich es schaffe, zum Alpha zu werden. Ein Alpha wird ein Artgenosse. Diesen Status musst Du erst einmal erreichen, dass Dich das Tier also als eines seinesgleichen akzeptiert. Und dafür muss das angesprochene überwunden werden. Wie schafft es Dein Charakter, die Skepsis, Vorsicht und Distanz zu überwinden? Mit welcher Strategie wirst Du nicht mehr angegriffen? Wie schaffst Du es, dass das Tier nicht mehr vor Dir wegläuft? Erst wenn diese bereits sehr schwere Basis geschaffen wurde, macht es Sinn, sich über den Alphastatus gedanken zu machen. Ist dieser erreicht, so ist auch das nur die Basis für den nächsten Schritt. Als der Alpha bist Du Teil deren Konstruktes, Du gehörst zu den Wölfen, nicht umgekehrt. Das bedeutet, dass Du zwar anführst, Dich aber an ihre Regeln halten musst. Verhältst Du Dich zu sehr abseits eines wölfischen Verhaltens, entfremdet Dich das. Die Wölfe verstehen Dich nicht, es gibt Konflikte, Unsicherheiten. Du kannst also nicht alles von Deinem Tier verlangen. Dein Wolf wird in fast allen Fällen keinen Tyrannosaurus angreifen, sondern vor ihm weglaufen, denn dem Tier ist es egal, was enginetechnisch möglich ist. Solltest Du es also anders verlangen, gibt's Probleme mit dem Tier, es passt nicht. Dasselbe gilt für das Reiten – ein für das Tier absolut unnatürliches Verhalten, das Du Dir erarbeiten musst. Vielleicht klappt es mit manchen Tieren, obwohl enginetechnisch möglich, niemals. Das bestimmt dann Dein festgelegter Charakter des Tieres und schafft Vielfalt für's RP.



      Abschluss


      Ich hoffe, diese Denkanstöße helfen Dir bei der Erstellung Deines Gefährten weiter. Du siehst, das Tier im RP ist für Dich ein Weg, eine ständige Entwicklung, die auch dann nicht endet, wenn Du es reiten kannst. Hier ist, bezogen auf die Anzahl der Tiere, weniger manchmal mehr. Denn wenn Du Deine Tiere kosequent und mit entsprechender Liebe zum Detail ausspielst, wirst Du merken, dass es garnicht möglich ist, einen ganzen Zoo zu halten. Auch darum macht es Sinn, sich genau zu überlegen, welche Tiere zu Deinem Charakter passen. Und zum Weg gehört nicht nur ein "Hallo", sondern auch ein "Leb wohl". Manchmal kommt es vor, dass ein Tier durch entsprechende RP Entwicklungen nicht mehr zum Geschehen oder Charakter passt, sodass es an Relevanz verliert, im schlimmsten Fall nur herumsteht und zum RP kaum oder nichts beiträgt. Hab dann auch ruhig den Mut, Dich wieder von ihm zu trennen. Denn gerade in Ragnarok gehört der Abschied zum täglichen Brot.