Ellas Gefährten

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    • Ellas Gefährten

      Nimue

      Eines morgens, als Ella wie üblich zu den Hühnern ging, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen und frische Beeren in den Trog zu füllen, fand sie die ganze Schar in einer Ecke des Geländes sitzend vor. Dicht zusammen gedrängt saßen sie und schienen sich aufgeregt zu unterhalten... Bei näherem Hinsehen entdeckte Ella den Grund für die Unruhe der Hühner: Inmitten der Tiere, sozusagen beschützt von ihnen, lag ein wunderschön gesprenkeltes Ei...


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      Ella musste lächeln, setzte sich kurzerhand in den Kreis der Hühner und lauschte ihrem Geschnatter. Ihr fiel auf, dass der Hahn Harry wie ein Wächter immer wieder in alle Richtungen spähte, während Violet dem Ei mit ihren kurzen Stummelflügeln Luft zufächerte... Nach einer nicht all zu langen Weile war ein leises Knacken zu hören und auf der Schale des Ei bildeten sich feine Risse, was Ella dazu veranlasste, sich weiter vor zu beugen, wobei ihr Kopf mit dem von Harry zusammen stieß, welcher ebenfalls neugierig das Ei beäugte. Immer größer wurden die Risse, bis das Ei schließlich auseinander brach und ein winzig kleines Vögelchen freigab, welches ganz wackelig auf seinen kurzen Beinchen stand und etwas verdattert aus verklebten Augen in die Welt hinaus sah...


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      Ellas Herz ging auf beim Anblick des Kückens, sie war wie verzaubert und fühlte zum ersten Mal seit langem so etwas wie Freude in sich... Als nächstes geschah etwas sehr seltsames, oder zumindest für Ella nicht verständliches. Nachdem das kleine Wesen geschlüpft war, warfen die erwachsenen Hühner nur einen kurzen Blick darauf und entfernten sich dann einfach! Warum hatten sie das Ei so umsorgt, wenn sie das Kücken nun alleine ließen? Noch während sie darüber nachdachte, öffnete das Vögelchen seinen Schnabel und fing lautstark an zu fiepen. Das klang eindeutig nach "Hunger!" und Ella streckte ihm versuchsweise eine Beere hin, welche es schmatzend verschlang. Ab diesem Moment war das Kücken nicht mehr zu bremsen, es drängte sich an Ella und verlangte noch mehr der süßen Früchte...


      Die nächsten Stunden verbrachte Ella damit, Nimue (wie sie das Kleine inzwischen nannte) zu füttern, ihr Gefieder von den Eierschalenresten zu säubern und mit ihr zu sprechen. Als Ella das Gehege schließlich verlassen wollte, um ihren anderen Aufgaben nachzugehen, musste sie feststellen, dass Nimue damit gar nicht einverstanden war und ihr auf Schritt und Tritt mit protestartigen Lauten folgte. So folgte Nimue ihr zu Daniels Behausung, wo sie den Otter fütterte, welchen es zum Glück nicht kümmerte, dass die kleine Nimue ihm mutig auf den Füßen herumtrippelte und danach auch zu den Lurchen, welche das Kücken eher desinteressiert betrachteten, als Ella sie miteinander bekannt machte...


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      Ganz eindeutig war Nimue ein neugieriges und abenteuerlustiges Kücken, außerdem mit einem eisernen Willen, denn was sie besonders auszeichnete, war dass sie ihre Meinung lautstark kundtat. So konnte sie es von Anfang an nicht leiden, dass Ella schneller war als sie und beschwerte sich darüber augiebig, während sie versuchte, mit ihren kurzen Beinchen Schritt zu halten...

      Erstaunlicherweise konnte Ella Nimue beinahe beim Wachsen zusehen. Sehr schnell erreichte Nimue die Größe der anderen Hühner und obwohl Ella sie immer wieder ins Gehege brachte, wollte Nimue doch lieber bei Ella bleiben. Sie folgte ihr überall hin und gab inzwischen mit deutlich erwachsenerer und lauterer Stimme zu verstehen, wenn ihr etwas nicht passte. Es scheint, als habe Nimue sich Ella als Gefährtin auserkoren...


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    • Morgana

      An einem anderen Morgen schwamm Ella zum Tor ihrer Höhle, um wie jeden Tag in den Briefkasten zu gucken. Zwar fand sich, was ebenfalls üblich war, keine Botschaft in dem kleinen Holzkasten, dafür aber blieb Ellas Blick an einem farbigen Fleck auf dem Wasser hängen. Etwas großes trieb dort leblos umher und als sie näher kam, erkannte Ella ein rießiges Insekt, genauer gesagt einen Schmetterling. Sie hielt ihn erst für tot, aber dann bewegte sich einer der Fühler in einer hilflosen Geste, was Ella dazu veranlasste, das Tier beherzt an seinem von kurzen Härchen überzogenem Körper zu packen und mit hinein ins Innere der Höhle zu ziehen...


      Drinne dann, im Licht einer Fackel besah sich Ella den Schmetterling genau. Sie konnte keine offensichtlichen Verletzungen erkennen, jedoch hingen die zarten Schmetterlingsflügel schlaff herab, das Tier war insgesamt sehr matt und entkräftet. Es schien, als sei dieser schöne Falter beinahe ertrunken und nun vollkommen ohne Energie. Ella beschloss sofort, das Tier wieder gesund zu pflegen. Während sie im Garten einige große Blüten von den Sträuchern pflückte, dachte sie darüber nach, wie es wohl dazu gekommen war, dass der Schmetterling so weit weg von seinem natürlichen Lebensraum hier her gelangt war. Vielleicht wurde er von einem Sturm erfasst und davon getrieben, oder er hatte sich auf der Flucht vor etwas verflogen? So oder so, irgendwann musste er entkräftet ins Wasser getrudelt sein, wo er umher trieb, bis Ella ihn fand...


      In den nächsten Stunden beobachteten Ella und Nimue den Schmetterling. Erst lag er völlig reglos, dann bewegten sich zaghaft seine Fühler und schließlich tastete er mit seinem Saugrüssel über die abgelegten Blüten vor sich. Ella lächelte zufrieden, als sie sah, wie der Patient schlürfend den Blütennektar und den bereitgestellten Beerensaft trank. Es schien wieder etwas mehr Leben in den entkräfteten Körper zu kommen, aber vorerst würden diese Bewegungen die einzigen bleiben, welche der Schmetterling zeigte. Viele, viele Tage brauchte Morgana, wie Ella den Schmetterling aufgrund seiner überirdisch schönen Erscheinung inzwischen getauft hatte, um sich von seinen Strapazen zu erholen. Ella kümmerte sich in dieser Zeit unermüdlich darum, dem Insekt eine schöne Bleibe zu schaffen. Sie sammelte Blumen, zog Setzlinge daraus, flocht Pflanzkörbchen, welche sie mit Komposterde füllte und überall, rund um Morgana in sämtliche Felsnischen befestigte. Sie presste Saft aus Beeren und Karotten, welchen sie Morgana ebenfalls anbot und ließ sich bereitwillig von dem Schmetterling abtasten, welcher wohl an Ellas Geruch erkannte, womit sie sich die meiste Zeit beschäftigte...


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      Je mehr Zeit verging, desto lebhafter wurde Morgana. Ella hatte inzwischen die Tierärztin Kamira und auch die angehende Heilerin Ramona um eine Einschätzung über Morganas Gesundheit gebeten und sich auch über das Leben und Verhalten von Schmetterlingen informiert. Zusammen mit Daniel war sie sogar extra in die Wüste gereist, um die großen Insekten zu beobachten und nach etwa zwei Wochen flog Morgana zum ersten Mal seit ihrer Ankunft in der Höhle umher. Nicht weit und nur kurz, bevor sie wieder auf ihrem Blütenteppich landete, aber ab da flog sie täglich länger und zu Ellas Erstaunen folgte Morgana ihr manchmal sogar auf ihren Wegen zwischen Behausungen, Hühnern und Garten. Oft stand sie schweigend und beobachtete zusammen mit Nimue das zarte Flügelschlagen, ja sogar Daniel konnte sich diesem zauberhaften Anblick nicht entziehen...


      Von Beginn an hatte Ella vor gehabt, Morgana wieder in die Wüste zu bringen, sobald diese genesen sei. Allerdings zeigte Morgana keinerlei Interesse daran, die Höhle wieder zu verlassen, sie schien zufrieden mit ihren Blumen und dem gepressten Saft, sowie der "Dusche" aus Wüstensand, welche Ella ihr hin und wieder zuteil werden ließ. Es gab keine Feinde und genug zu Essen in dieser Umgebung... Irgendwann sagten sowohl Daniel, als auch Charlie, dass Ella darüber nachdenken solle, Morgana vielleicht als Flugtier zu nutzen. Ein Gedanke, welchen Ella vorerst weit von sich schob. So vergingen Wochen, in denen Morgana wie selbstverständlich ein Teil des Lebens in der Höhle wurde und nach etwa zwei Monaten überraschte Daniel Ella mit einem Sattel für Morgana, welchen er eigens für sie hatte herstellen lassen. Morgana schien eher desinteressiert, als Daniel ihr den Sattel auflegte und als Ella hinauf stieg, ließ sich am ehesten von einer Art Empörung sprechen. Sie schien irritiert über den schweren Fremdkörper, flog in die Luft und dort ruckartig hin und her, so dass Ella beinahe hinunter fiel. Dann landete sie wieder und ging ihrem eigenen Tagesablauf nach, ganz so als ob es Ella und den Sattel nicht gäbe, von Blüte zu Blüte...


      Ab da begann Ella, Morgana täglich zu satteln, damit diese sich daran gewöhne und unternahm allerlei Versuche, den Flug des Schmetterlings irgendwie zu steuern, vorerst aber ohne Erfolg. Der Duft von Blumen und Beeren schien ihr ein gutes Lockmittel zu sein und sie dachte daran, wie Charlie Babas dazu gebracht hatte, in eine bestimmte Richtung zu laufen... Dies war der Weg, welchen Ella wählte um Morgana wirklich fliegen zu können und als die Bewohner der Höhle wiederum ein paar Wochen später ihr Zuhause verließen, um sich an einem anderen Ort niederzulassen, da folgte Morgana Eagle, der wiederum Ella trug, welche eine aufgeregte Nimue, sowie einen großen Blumenstrauß in ihren Händen hielt...


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