Ellas Gedanken

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    • Du hast es mal wieder geschafft, Ella... Eigentlich wollte ich doch nur nochmal kurz zu meiner Hütte, aber irgendwie muss ich dort eingeschlafen sein... Falls die beiden versuchten, mich zu wecken, habe ich nichts davon mitbekommen und ich habe den Ausflug buchstäblich verpennt. Vielleicht hätte ich doch keinen Most trinken sollen... Das ist jetzt schon ein bisschen peinlich, immerhin wurde der Ausflug extra für mich geplant und wäre sicher interessant geworden... Ich hoffe, sie nehmen mir das nicht übel... Oh man, sowas kriege auch nur ich hin...

      Naja, bis auf die Tatsache, dass ich einfach mal so ungeplant einschlafe, war der Tag gestern schön. Dass Daniel sich über Wochen gemerkt hat, was ich mir wünsche und es sogar geschafft hat, dies aufzutreiben! Damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet, im Grunde schon gar nicht mehr daran gedacht... Er hat mir eine große Freude damit bereitet. Und noch froher bzw. erleichtert bin ich darüber, dass er sagte, seine derzeitige Wesensveränderung hätte nichts mit mir zu tun. Es war gut, darüber zu sprechen... Auch wenn er nicht näher auf die Gründe einging, war das Gespräch wichtig und vielleicht ändert sich nun etwas an seiner Rückzugshaltung...

      Als wir in den Hochlanden waren und nach vielen Wochen Ammaniez wieder trafen, war Daniel jedenfalls etwas offener... Die Hochlande... Seltsam, wie das Schicksal, der Zufall oder etwas dazwischen manchmal im Kessel der Ereignisse rühren... Man könnte fast meinen, es gibt keinen Mittelweg, denn entweder treffen wir dort keine Menschenseele oder aber gleich einen ganzen Haufen, so dass man praktisch überflutet wird, weil der Kopf kaum noch damit klar kommt, sich mehr als zwei Menschen gegenüber zu sehen, nachdem man wochenlang von Stille umgeben ist...

      Aus der Stille hinaus das Einschlagen von Stimmen, Lauten, Menschen, Tieren, Wesen... Der Drache, dessen Worte nicht von außen, sondern von innen kommen... Diese Worte waren zum Teil widersprüchlich, trotzdem würde ich mich gerne einmal mit ihm unterhalten. Vielleicht kann er mir Antworten geben... Dann diese schüchterne Frau, welche dazu neigte, sich den an sie gerichteten Worten zu entziehen, mal zuhörte, mal wieder nicht und kaum sprach... Und dann tauchen ausgerechnet an dieser Stelle der Suchende und seine... Was sind sie? Seine Auserwählten? Schüler? Jedenfalls tauchten sie ebenfalls genau auf diesem Fleckchen Erde auf und da sind so viele Grenzen in ihren Köpfen, dass sie sich bestimmt bald offen manifestieren werden! Die Erde ist eine Scheibe, weil das Denken der Menschen sie dazu macht...

      Schnell war klar, dass sie wie üblich nur eine Frage beantwortet haben wollten. Längst hat sich sogar für mich abgezeichnet, dass sie nur kommen, wenn sie etwas fordern oder jemanden suchen und dann so schnell wie möglich wieder verschwinden... Sie halten fest an ihren Grenzen und der Suchende wird seinen Horizont niemals erweitern, wenn er so fortfährt... Und die Aussage zu der verwirrten Frau machte mich regelrecht wütend. Es ist immer einfach, Verantwortung von sich zu schieben und es zeugt nicht von Stärke, einem Gespräch darüber zu entfliehen! Und der andere, den ich vor Wochen einmal traf? Statt einer normalen Konversation kriegt man an den Kopf geworfen, dass Leute einen töten werden und beantwortet dann nicht mal wirklich die Nachfrage darauf... Wohl sprach meine Wut aus mir, als ich sagte, dass Menschen mit solch beschränkten Denken mich mal Arsch lecken können, aber ich werden mich ganz sicher nicht diesen geistigen Mauern und Grenzen fügen!

      Wie auch immer... Ich sollte jetzt raus gehen und nach den Tieren gucken...
    • Da sitzt er und knabbert ganz unschuldig an einer Karotte... Dabei weiß ich genau, was für ein Schlitzohr seine königliche Hoheit ist! Und das nicht erst, seitdem er mir den Beerenbrei ins Gesicht geschmiert hat und danach so tut, als sei ich der Übeltäter, wenn ich das selbe bei ihm mache... Wirklich übel nehmen kann ich es ihm nicht, hat mich Louie doch schon lange für sich eingenommen... Wer könnte nicht schwach werden, wenn einem diese kleinen Finger eine Beere als Genschenk reichen... Wohl ist es anders als mit Nimue und anders als mit Artemis, welche mich jedesmal so freudig begrüßt, mich neuerdings sogar mit Vorliebe putzt oder sogar will, dass ich mit ihr zusammen einen Ausritt mache... Ich habe sie alle lieb gewonnen und Daniel hat recht damit, dass die Tiere viel aufrichtiger sind als die Menschen...

      Daniel... Ich fühle mich so gut in den letzten Tagen, besser, klarer und wacher, voll Freude und Erstaunen... Seltsam, wie alles war mit diesen beidseitigen Missverständnissen. Aber das spielt keine Rolle mehr... Manchmal wirbelt alles umher, wie gestern in den Hochlanden und später vor und in der Höhle, all die Menschen auf einem Haufen, Worte und Bilder, so schnell, so hektisch... Dann sind wir wieder alleine und man könnte meinen, die Zeit stände still. Jedoch ist es nicht mehr jene bedrückende Stille, sondern eine die man bewahren will... Es ist schön.

      Allerdings, über die Eindrücke gestern werde ich auch noch lange nachdenken... Da war Jasper, welcher sich uns gegenüber ganz anders verhielt als an dem Tag, an dem ich ihn vor vielen Wochen kennen gelernt hatte. Er schien mir irgendwie distanziert... Dann war es, als wehe Wind von überall her Menschen hinzu, kurz war alles überflutet von Stimmen, bis sie verebbten und einem zurückhaltenden Schweigen wichen... Daniel wurde zu einem privaten Gespräch gebeten, er meinte danach, dass man mir wohl nicht genug trauen würde und ich deshalb nicht dazu gebeten wurde... Ammaniez, welche immer so herzlich und gastfreundlich ist, leidet noch immer unter diesen Schwächeanfällen und ich wünschte, ich könnte helfen... Ob der Heiltrank bei ihr und ihrem Bruder Wirkung zeigt?

      Auf dem Heimweg trafen wir dann Charlie und Artemis und nahe der Höhle schließlich vier Menschen, von welchen drei gerade erst in diese Welt gekommen waren... Wir baten sie hinein, boten ihnen Verpflegung und Unterschlupf an, ich erinnerte mich gut an meine eigene Verwirrtheit, als ich selbst neu hier erwacht war... Der junge Mann, der sie wohl am Strand aufgesammelt hatte, schien mir sehr hektisch und rastlos. Er sagte, er habe Eve einen Raben geschickt und es würden Pferde hergeschickt, welche die Neuankömmlinge in die Hochlande bringen. Schlussendlich war es aber Fibi, welche hier ankam um sie abzuholen und es wurde viel diskutiert zwischen ihr und dem jungen Phil, sogar gestritten, während Daniel, Charlie, die Neuankömmlinge und ich wie Zuschauer daneben standen... Dann zogen sie ab, wobei der Geistliche sich dazu entschieden hatte, Charlie zu folgen, statt den anderen und in der wiederkehrenden Ruhe schien mir das alles surreal...

      Fast als würden Schafe zusammen getrieben und in einen Pferch geführt, als seien diese Menschen ohne eigene Entscheidungen... Gut, das ist sicher ein übertriebener Gedanke, aber es war eben seltsam mit anzusehen... Für mich selbst wichtig und warum ich nun hier sitze und warte, ist dass Charlie zusammen mit dieser Ärztin hier her kommen möchte. Dann erhalte ich hoffentlich Klarheit über die Gesundheit des Schmetterlings und vielleicht, ganz vielleicht kann ich mich auch über andere Dinge mit der Ärztin unterhalten... Antworten auf die unendlichen Fragen finden...
    • In manchen Fällen kann ich das Ziehen geistiger Grenzen verstehen... Es ist traurig, dass so viele Menschen den falschen Weg einschlagen... Hier ist die Schlange, die sich selbst verschlingt! Vielleicht war der rießige Lindwurm, von dem berichtet wurde wie ein Fingerzeig? Warum verstehen und sehen sie nicht? Warum wird immer wieder alles vergiftet mit dieser Kleingeistigkeit, mit Machthunger, Gier und Egoismus? Schwappt Fallen deshalb hierher rüber? Wird sich nie etwas verändern, solange es Menschen gibt?

      Vieles beschäftigt mich, macht mich traurig... Ich schäme mich sogar etwas für meine eigene Rasse und verstehe die Vorbehalte, von welcher die Ärztin sprach... Und doch festigen Grenzen nur weiter die Existenz verschiedener Lager, helfen nicht dabei, den Menschen die Augen zu öffnen... Nein, es schürt nur weiter Misstrauen und führt auf einen blutigen Pfad... Ich muss...
    • Nun muss ich nicht mehr nach ihm suchen, weil wir ihn vor ein paar Tagen vor unsere Höhle antrafen... Scheinbar suchte auch er das Gespräch, was mich sehr erleichterte und unsere Unterhaltung lies genug Zeit, die Missverständnisse zu klären. Auch konnte ich viele Fragen stellen, ganz so, wie ich es mir schon vor Wochen gewünscht hatte zu tun... Es ist wirklich gut, dass diese Aussprache stattfand und ich hoffe, dass bald noch weitere Gespräche folgen werden... Es ist doch so, wie ich sagte: ich bin jetzt hier in dieser Welt, diese Welt gefällt mir, ich will ein Teil von ihr sein und nicht nur als dummer, ahnungsloser Eindringling gelten...

      Nach diesem Treffen nahmen wir uns ein paar ruhige Tage, Daniel baute an dem neuen Floß, welches wie ein schwimmender Wolkenkratzer wirkt, während ich mich in die Gartenarbeit und das Brauen neuer Heiltränke vertiefte... An einem Morgen flog der Schmetterling in der Höhle umher, anmutig trotz seiner Größe und wunderschön anzusehen... Es wird wohl bald Zeit...

      Und dann sind da noch die anderen Momente... Momente, in denen alles einfach ausgeblendet wird und nichts mehr von Bedeutung ist...
    • Armer Charlie... Es tat mir unendlich leid, ihn so niedergeschlagen zu sehen... Ich meinte es so, wie ich sagte und jetzt sind Daniel und ich schon mittendrin in den Vorbereitungen für die Unterkunft... Ich merke, dass mir das Arbeiten mit Holz und auch mit Lehm deutlich einfacher von der Hand geht, fast schon routiniert fügen wir gemeinsam alles zusammen. Es ist schön, zu zweit daran zu arbeiten... Nach vielen Stunden arbeiten steht nun zumindest das Grundgerüst und ich fand sogar noch die Zeit, etwas für die Inneneinrichtung vorzubereiten. Wohl wird das alles Charlie nicht wirklich fröhlicher stimmen, aber er soll sich hier willkommen fühlen als der gute, oder sogar der beste Freund, den wir haben...

      Die Reise in die Wüste muss erstmal hinten anstehen, auch wenn immer deutlicher wird, dass Morgana... ich meine der Schmetterling... jetzt wirklich genesen ist. Sie fliegt häufiger in der Höhle umher, oftmals folgt sie dabei meinen Schritten wie ein Schatten, welcher verkehrt herum von unten nach oben projiziert ist... Nimue und ich stehen oft schweigend nebeneinander und beobachten das zarte Flügelschlagen, lassen uns verzaubern, bis sie wieder auf ihrem Kissen aus Blüten landet...

      Flügelschlagen... Gestern als wir nach Vorräten suchten, flog Ulysses auf seinem Drachen ganz nah an uns vorbei. Ihm folgte eine große Katze, ich glaube ihr Reiter war Jake und ich hätte nur die Hand ausstrecken müssen, um ihr Fell zu berühren... Seltsam, dass sie uns nicht bemerkten, oder sahen sie keinen Grund dazu, sich mit uns zu unterhalten? Solche Momente sind immer so unwirklich...

      Unwirklich scheint vieles... Aber das ist nicht unbedingt negativ...
    • Ich denke, es sollte vorerst so gehen... Die Patienten sind sicher und vor allem von Ruhe umgeben in meiner Hütte. Jedes von ihnen hat gegessen und ihr aufgeregtes Gegacker der Reise hat sich zu einem normalen Gurren gewandelt... Ich bin froh, dass sie die Floßfahrt gut überstanden haben! Wieder haben sie sich in zwei Grüppchen zusammen gedrängt, was meine erste Vermutung noch verstärkt... Allerdings ist vorrangig wichtig, dass sie sich nun von ihrem traurigen Schicksal erholen, danach kann man weiter sehen... Morgen werde ich unser Gehege vergrößern und herausfinden, ob sich die Patienten mit ihren Artgenossen hier verstehen. Das würde vielleicht sogar ihre Psyche stärken und sie schneller von dieser schlimmen Verwahrlosung und Vernachlässigung genesen lassen...

      Holz, getrocknete Blätter und Fasern... Und nicht vergessen das Material zum Weiterbauen des Gästehauses! Charlie und Ambrosius waren früher als erwartet hier eingetroffen, ich hätte ihnen so gerne ein komplett fertiges Zuhause geboten... Aber es ging auch so und die letzten Tage gingen die Bauarbeiten gut vorran so dass nicht mehr viel fehlt. Manches ist recht provisorisch, wie Artemis Schlafplatz, aber das werden wir auch noch alles hinbekommen... Was mich mehr beschäftigt ist Charlies Verfassung, er scheint mir rastlos und neben seiner Traurigkeit auch etwas verbittert. Ich glaube, es kämpfen einige gegensätzliche Gefühle in ihm, so wie das Loslösen auf der einen und die Verantwortung auf der anderen Seite... Charlie ist so ein guter Mensch, ich wünsche mir sehr, dass auch er wieder genest...

      Wie anders ist da Ambrosius Gemüt zu beobachten, vor allem wenn wir draußen den Pharao Dino beobachten... Oder Daniel und ich selbst...
    • Mir schwirrt der Kopf! So viele Besucher an einem Tag, dass wir uns schon fragten, ob dies wirklich Zufall sein kann... So viele Wörter, gesagte und ungesagte... Das schlimmste war, dass Daniels und meine Meinung dabei in vielen Punkten auseinander trieb, unsere Ansichten so weit auseinander lagen, wie die Distanz zwischen Sonne und Mond... Diese Distanz zu überbrücken wird ein Drahtseilakt und selbst wenn ich ihm zuliebe meine Meinung zurück halte, meinen Willen hinter seinen stelle gar, ja selbst dann wird es schwer... Und das alles, obwohl ich weiß, dass ich recht habe!

      Verflixt nochmal! Woher wusste Fibi eigentlich, dass ich nicht gut auf sie zu sprechen bin? Entweder kann sie hellsehen, oder aber jemand der wenigen, die es wussten, hat etwas gesagt... Und diese vielen Widersprüchlichkeiten... Sie sagte, sie habe sich verändert, sei ein anderer Mensch... Warum tat sie dann so, als ginge sie das Wohl der geretteten Tiere der Farm nichts an? Warum bezeichnete sie Natalie erst als lange, liebe Gefährtin und frug im selben Atemzug nach einer Art Gnadenhof für das Tier? Wie kam sie überhaupt darauf, dass ich solch einen Hof hätte? Und waren es tatsächlich erst meine Worte, welche sie zu den Gedanken brachten, dass man solch treuen Gefährten wie Natalie nicht aufgrund von Schwäche oder Alter einfach abschiebt, sonders sich besonders liebevoll um sie kümmern sollte?! Wenigstens diese Verantwortung sollte man doch tragen, nachdem man sich ein Geschöpf Untertan machte und dieses einem dann so ergeben folgte...

      Und die anderen Dinge? Ich vertraue und ich glaube Charlie, also stimmt etwas an ihren Aussagen nicht... Aber zur Hölle, selbst wenn ich einfach still bin und nichts dazu sage, liegen die Gedanken doch in meinem Kopf... Und dann stoßen meine und Daniels Gedanken gegeneinander wie zwei Schilde, die sich treffen und ich ertappte mich selbst dabei, wie ich wieder nach den Rauschbeeren griff, um die vielen Wörter zu verscheuchen, um den Streit zu vergessen, um das Chaos zu beruhigen und um der Leere an meiner Seite die Kälte zu nehmen... Später senkte Daniel seinen Schild und kam herüber, auf eine Art sprachen wir uns zwar aus, aber ich weiß, dass es sich immer wiederholen wird... Und die einzige Lösung, die er dafür bisher sah, wäre dass wir getrennte Wege gehen. Ich habe ihn daran erinnert, dass er selbst auch nicht wollte, dass ich ohne ihn weg gehe, warum also sollte es andersrum in Ordnung sein? So trieben wir eine Weile im Kreis und aneinander vorbei, bis wir beide uns an dieser einen Rettungsleine hielten, der Punkt in dem wir uns einig sind, nämlich dass wir trotzdem nicht ohne einander sein können, dass unsere Herzen trotzdem füreinander schlagen...

      Ich kann nicht behaupten, dass ich mich darauf freue, in der nächsten Zeit noch mehr solcher Situationen überstehen zu müssen und am besten lenke ich meine Konzentration auf die Dinge, die zu tun sind... Zum Beispiel die Patienten, von denen zumindest ein Teil bald ein neues, liebevolles Zuhause haben wird. Es freute mich sehr, dass Ammaniez sie aufnehmen wird, denn ich bin mir sicher, dass sie es dort gut haben werden. Ihre Genesung schreitet voran und in ein paar Tagen werden wir sie zum Castello bringen. Dann bleiben nur noch zwei, für die ich einen Platz finden muss... Wären es nicht so viele Männchen, hätte man sie in unserer Hühnerfamilie einfügen können, aber meine erste Vermutung war richtig und die Konstellation der Patientengruppe schon bei ihrer Ankunft hier mehr als ungünstig und vor allem nicht artgemäß. Menschen taten dies und so liegt es nun auch an mir als Mensch, den Fehler zu beheben...

      Es war schön, dass Ammaniez uns auch mal besuchte, obwohl es wohl eher ein Zufall oder der Wille ihres wunderschönen Adlers war. Hoffentlich ist sie gut zurück nach Hause gekommen... Der vierte Besucher blieb viel kürzer und ich frage mich, ob er sich wegen den anderen Gästen so schnell verabschiedete? Sein Reittier ist wirklich faszinierend, ich konnte meine Hand auf ihre Haut legen, sie war kühl und von schwer zu beschreibender Beschaffenheit und diese Augen! Es wäre wohl besser, ich würde mich fürchten, aber ich kann es nicht im Angesicht solcher Schönheit... Schönheit... Vorgestern bestand Artemis wieder darauf mich zu waschen und sie tut dies auf eine ganz besonders fürsorgliche Art, indem sie erst mit ihrem Schnabel Wasser schöpft und es dann über meinen Kopf laufen lässt, bevor sie vorsichtig an meinen Haaren zupft, wobei ich manchmal sogar ihre Zunge auf meiner Haut spüren kann. Und ihr scheint es zu gefallen, wenn ich sie dann ebenfalls wasche, beziehungsweise mit nassen Händen durch ihr Gefieder fahre...

      Obwohl Charlie und Artemis nun bei uns wohnen, sehen wir sie nur selten. Sie sind viel unterwegs, vielleicht ist das die Art, wie Charlie sich ablenkt von seinem Kummer... Bruder Ambrosius bekommen wir noch weniger zu Gesicht, obwohl er eigentlich immer in der Höhle bleibt. Er verlässt das Gästehaus so gut wie nie und verbringt den Großteil seiner Zeit wohl mit schlafen, beten und schreiben... Aufrichtig freute ich mich über Ramonas Worte, als sie und Ulysses neulich hier waren. Zwar wollten sie zu Charlie und nicht zu uns und blieben auch nicht lange, aber in der kurzen Zeit konnte ich doch Ramona fragen, was sie über die Schmetterlinge weiß und im Gegensatz zu Ulysses sprach sie mit mir und ich erfuhr ein paar nützliche Dinge. Und dann entschuldigte sie sich für ihr bisheriges Verhalten mir gegenüber mit der Begründung, dass sie mich falsch eingeschätzt hätte. Das hatte ich nicht erwartet, wodurch es mich umso mehr freute...

      Nun werde ich also versuchen, etwas Sand vom Strand noch feiner zu vermahlen und so wie es die Situation mit den Patienten zulässt, muss ich unbedingt in die Wüste... Morgana ist immer aufgeweckter, sie fliegt manchmal stundenlang umher, folgt mir auf meinen Wegen zwischen dem Garten und den Tieren und vielleicht wird es das beste sein, wenn wir sie direkt mitnehmen. Sie wird mir fehlen, aber ich will sie nicht ihrer Freiheit berauben... Wie könnte ich mich über ein Geschöpf stellen, welches so zauberhaft und außerdem von Geburt an in dieser Welt verwurzelt ist?
    • Das wäre also geschafft - die ersten drei Patienten sind in ihrem neuen Zuhause angekommen... Der Weg per Floß und dann über Land war sehr weit, zumal die Hühner mit ihren kurzen Beinchen kaum mit mir Schritt halten konnten, weshalb wir immer wieder Pausen einlegten und ich ihnen ununterbrochen gut zusprechen musste. Dabei schnatterten sie in einem fort sehr aufgeregt, jedes Tier das uns über den Weg lief wurde misstrauisch beäugt, auch wenn wir zum Glück nie in Gefahr gerieten... Vielleicht war es die erste Reise dieser Art für die drei, denn ich habe keine Ahnung, ob sie in Freiheit oder in Gefangenschaft geboren wurden... Ich bin wirklich froh, dass sie nun ein so schönes Zuhause haben! Bei unserer Ankunft fanden wir ein liebevoll eingerichtetes Gehege vor, Ammaniez und ihr Bruder hatten alles wunderbar vorbereitet, so dass ich mich ruhigen Gewissens von den drei Patienten verabschieden konnte...

      Nun bleiben noch die beiden jungen Männchen, für die es eine Unterkunft zu finden gilt. Ich denke, ich komme nicht drum herum, auf die Suche nach mehreren Weibchen zu gehen, um eine ausgeglichene Familie zusammen zu stellen... Oberster Punkt auf der Prioritätenliste.

      Liste... Ich weiß, dass es nur etwas Gegeständliches ist... Aber all die vielen Stunden, die ich damit verbrachte, alles zu notieren! Beobachtungen, Erzählungen, Rezepte und und und... Alles fort... Es ist mir ein Rätsel... Gut, ich schlief in dieser Nacht bei Daniel, aber wie könnte ich auch ahnen, dass jemand in ein meine Hütte einbricht, hier in der Höhle... Und nicht nur meine Notizen, sondern auch viele meiner Zutaten wurden gestohlen, ja sogar die Blumen, die Daniel mir geschenkt hatte! Ich verstehe es nicht...

      Aber gut, nicht mehr zu ändern... Sobald ich Zeit finde, muss ich mich daran machen, das Verlorene zu ersetzen. Vor allem mein Gehirn nach den ganzen Informationen durchforsten, die ich niedergeschrieben eigentlich für besser aufgehoben hielt, als in meinem verpeilten Kopf...

      Der ja auch schon wieder so viele Fragen hat... Zum Beispiel, was es mit dieser Ruine auf sich hat, die wir vorgestern auf dem Weg in die Wüste entdeckten. Wäre es möglich, dass es sich dabei um die Halle der Vier handelt? Irgendwie ließen mich die Statuen dort daran denken... Ich hätte gerne einen Einheimischen danach gefragt, aber wir entdeckten zwar den gesuchten Ort in der Wüste, trafen allerdings niemanden an und auch bei Ulysses schien keiner zuhause zu sein... Schade, aber auch so war es ein schöner Ausflug. Wir entdeckten viele interessante Orte, Landschaften von unglaublicher Schönheit und ich konnte sogar ein paar Schmetterlinge beobachten. Es scheint, dass sie tatsächlich Einzelgänger sind, zudem eher scheu, eine Tatsache, welche auf Morgana so gar nicht zutrifft. Es schien ihr zu gefallen, als ich den mitgebrachten Wüstensand über sie rieseln ließ und sie tastete lange die feinen Körnchen ab...

      An den Inhalt der Gespräche, welche wir in den letzten Tagen mit Menschen führten, kann ich mich kaum noch erinnern. Auf dem Marsch mit den Patienten Hühnern trafen wir Eve, später beim Castello waren noch mehr Leute zu Besuch und am Tag zuvor Fibi und Samael... Meine Gedanken waren die meiste Zeit bei den Tieren, bei der Verantwortung... Über viele Dinge würde ich gerne mit Charlie sprechen, aber er ist nach wie vor unterwegs... Oh verflucht! Jetzt habe ich vergessen, den Trank über dem Feuer umzurühren! Schnell...
    • Denk an was anderes... Du musst dich damit abfinden... Du wirst erkennen, dass es nicht anders geht... Denk an was anderes... Leichter gesagt, als getan! Ja, ich kann es beiseite schieben, für eine Weile nicht daran denken, mich in anderen Dingen verlieren... Aber am Ende sehe ich wieder das Blut. Blut im Sand, Blut an den Pfeilen, Blut an meinen Händen, Blut überall... Übelkeit verursachende Bilder, dazu dieses Gefühl von Schuld... Daniel sagt, er weiß wie ich mich fühle, er kenne dies noch von der Erde... Er sagt, manchmal muss man töten, auch wenn man es nicht wirklich will... Dann versucht er, mir diese Gedanken zu nehmen, mich abzulenken und ja, ich lasse mich nur all zu gerne ablenken. Aber...

      Ich weiß doch, dass sie mich getötet hätten! Trotzdem möchte ich ihnen kein Leid zufügen, will weder Schmerz noch Tod bringen... Muss es wirklich sein? Kann ich mich nicht einfach verstecken oder weg laufen? Oder kann nicht zumindest er sie töten? Präzise und schnell, nicht so wie ich, die ich dutzende von Pfeilen brauche und mit ihnen leide, während ich verzweifelt versuche ihrem Leid ein Ende zu setzen und dann doch nicht richtig treffe... Nein, das will ich nicht!

      Ich muss mir etwas einfallen lassen...
    • Neu

      Zu viel, viel zu viel...

      Erst kommt Charlie mit einer Warnung und beunruhigenden Nachrichten, gleichzeitig ist da Ambrosius und muss mit Informationen versorgt werden, nachdem er - soweit ich richtig zähle - über eine Woche sein Gästezimmer nicht verließ. An sich wäre der Tag damit schon ausgefüllt gewesen, so vieles worüber wir uns Gedanken machen müssen... Dabei würde ich die Zeit, die mir neben der Pflege des Gartens und dem Versorgen der Tiere noch bleibt, eigentlich gerne in die Fragen und das Finden von Antworten eines bestimmten Themas investieren... In Dinge, die von weitaus höherer Wichtigkeit sind, als alles andere... Damit sich die Geschichte nicht wiederholt, damit diese Welt so bleibt, wie sie ist und nicht schlimmer und schlimmer wird bis...

      Ich kann nicht verstehen, wie die anderen so unbeschwert scherzen und lachen können, sich sogar betrinken und Unfug mit den Tieren machen, ganz so als seie die Welt in Ordnung, als gäbe es nichts, worüber man sich Sorgen machen müsste... Ich konnte das nicht ertragen... Mein Kopf war noch gefüllt mit dem, was Charlie uns mitteilte und in der Ergründung dessen, was ich alles nicht verstehe... Fehlende Zusammenhänge... Was ist der Grund? Was bedeutet das alles? Die einzige Antwort, die ich fand, war eine ungefähre Antwort darauf, warum Steven mir diesen Zettel am Tor hinterließ vor ein paar Tagen... Aber was bedeutet das alles für uns? Raushalten sollen wir uns, fernhalten... Ja, natürlich. Trotzdem muss man sich doch Gedanken machen... Es starben Menschen, es gibt Kämpfe und sehr wahrscheinlich werden noch mehr Menschen ihr Leben lassen! Wie könnte ich meine Augen und Ohren verschließen?!

      Dann kamen Fibi und Samael, erzählen ebenfalls von einer beunruhigenden Beobachtung, sowie von einem Kampf den sie führten um zwei junge Adler zu retten. Samael und sein Pferd wurden dabei getötet, Fibi verletzt, weshalb ich ihr einen Heiltrank gab... Sie schienen jedoch beide nicht wirklich mitgenommen von dieser Geschichte, ist das so wie manche sagen, dass man irgendwann keine Schmerzen mehr spürt? Jedenfalls wurde es mehr und mehr, was meinen Kopf füllte, bis er schier überlief... Daniel schien unberührt von den Sorgen und Bedenken, die in mir wuchsen, aber bei Charlie sah ich sie auch... Es war wie wenn unaufhörlich neue Worte und Bilder auf mich regneten, kein Gedanke ließ sich zu Ende formulieren, kein Thema zu Ende sprechen... Dann die vielen Kleinigkeiten... Warum war Fibi wieder auf Natalie geritten, obwohl dieses doch nach ihren eigenen Worten inzwischen zu schwach war? Warum brachte sie den Otter, welcher bei uns im Wasser lebt mit ans Ufer? Warum ließ sie ihren eigenen Otter hier zurück, als sie ging? Und warum dreht dieser, zusammen mit unserem seitdem wie irre an einer Stelle Kreise auf dem Wasser? Sie bilden Strudel, genau wie meine Gedanken Strudel bilden...

      Die Unruhe wuchs und wuchs, in der Höhle, genauso wie in mir... Schließlich wollten wir aufbrechen um Fibis und Sams neues Haus zu besichtigen, alle außer Ambrosius machten sich reisefertig... Dann war da Kamira, sie schien verunsichert und geistig abwesend... Wer sollte ihr das verübeln? Nach dem, was Charlie sagte... Es tut mir so leid, sie tut mir leid... Doch ich konnte mich nicht mal richtig um sie kümmern, kaum waren die anderen weg, hören wir einen lauten Knall vor dem Tor... Ich fühlte mich überfordert ohne Daniel, schwach und alleine, obwohl wir zu dritt waren... Schlussendlich ging ich nachsehen und es war zum Glück nur der Suchende, welcher dann hinein kam um auf Charlie zu warten... Aber ich wusste nicht, wie er zu Kamira stand und überließ es ihr selbst, ob sie sich zeigen wollte oder nicht und setzte mich mit ihm in Daniels Haus... Noch mehr Geschichten, Informationen, beunruhigende Worte... Er sagte, er wolle nicht, dass uns etwas passiert und auch er riet mir, dass wir uns raus halten und wachsam sein sollen...

      Ich glaube, es vergingen nur wenige Minuten, dann war Charlie wieder da. Aber er war ohne Daniel zurück gekehrt und ich spürte meine Sorge wachsen, wie wenn sich eine Hand um meinen Hals legt... Ich konnte kaum noch an etwas anderes denken, als dass Daniel nicht passieren möge da draußen und dieses bange Gefühl verursachte mir sogar eine leichte Übelkeit. Dann sagte Charlie dem Suchenden, dass Kamira hier in Sicherheit sei und sie gingen zu ihr um mit ihr zu sprechen und in mir kämpften der Drang, mich neben sie zu stellen und ihr vielleicht auch wirklich ein Gefühl von Sicherheit zu geben und auf der anderen Seite der Sinn für respektvollen Abstand bei einer Unterredung, welche mich, zumindest uneingeladen, nichts anging... Ich konnte mich weder zu dem einen, noch zu dem anderen entschließen und schon war das Gespräch vorbei und ich begleitete den Suchenden nach unten, da er eilig weiter wollte... Mal wieder war keine Zeit für ein längeres Gespräch, trotzdem sagte er mir noch, ich solle so bleiben, wie ich bin. Und dass ich schützen solle, kämpfen solle für das was ich liebe... Mit meinen Waffen... Was meinte er damit?

      Verstand er, was ich versuchte zu sagen? Dass ich ihn verstehe, aber gleichzeitig nicht alles nur schwarz und weiß ist... Dass jeder Mensch mit Gutem und Bösem in sich geboren wird und dass es meiner Meinung nach nur eine Frage dessen ist, was ein jeder mehr in sich schürt? Oder das manches einfach eine Frage der Ansicht aufgrund unterschiedlicher Verständnisse ist... Der Strudel in meinem Kopf wurde immer schneller... Kamira näherte sich schüchtern und still, sie schien mir so verloren, so einsam... Und wollte ebenfalls wieder gehen. War es ihr alles zu viel, wie es auch mir zu viel wurde? Dabei hätte ich am liebsten alle rausgeworfen, die in diesem Moment wieder hier ankamen. Sie hätte bleiben sollen, statt der anderen! Sie bedurfte Schutz und Ruhe! Kann es sein, dass allen außer mir jegliches Feingefühl fehlt? Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, dass sie nun ganz alleine irgendwo da draußen ist... Anstatt Kamira einen sicheren Ruheort zu geben, fand ich mich inmitten von Chaos, nachdem ich das Tor hinter ihr geschlossen hatte... Sam flog auf dem Adler umher, von welchem es ein paar Stunden zuvor noch gehießen hatte, er könne noch nicht fliegen... Ambrosius wankte betrunken durch die Gegend, Ammaniez, Louie und Daniel machten Späße, während Charlie sich wohl in sein Zimmer zurück gezogen hatte...

      Ich fühlte mich vollkommen überflutet... Erleichtert zwar, dass Daniel unversehrt zurück zuhause war, aber ich konnte nicht mal zwei Worte mit ihm wechseln... Genau wie die anderen schien er unbekümmert und später hielt man mir vor, dass man aufgrund der Ereignisse doch nicht versauern sollte und hielt meine Bedenken wohl für übertrieben... Ich fühlte mich einsam schwimmend in dieser aufgewühlten See voll Widersprüchlichkeiten... Schlecht wegen Kamira, besorgt wegen der vielen Nachrichten und zunehmend verwirrt... Ich versuchte später, Daniel meine Gedanken zu erklären, aber er verstand mich nicht... Rein gar nicht und zu allem überfluss in manchen Dingen sogar falsch... Die Versuchung, nach den Rauschbeeren zu greifen ist groß, alles ist laut und verworren und zu viel... Ich hielt das nicht aus, ging alleine mit Nimue zu meiner Hütte, suchte dort Ruhe... So viel war falsch! Daniel hätte mir Halt geben können in diesem Chaos, aber er trieb lieber den Strudel weiter an, lachend mit den anderen bemerkte er nichts...

      Am liebsten würde ich mir ein Erdloch graben und mich zusammen mit Nimue darin verstecken... Keine Ahnung, wie ich das aushalten soll, wenn es nun ständig so sein wird...
    • Neu

      Wenn ich so drüber nachdenke, dann waren durchaus Vorzeichen erkennbar... Wenige Stunden vor dem Erdbeben liefen erst Charlies Zöglinge, dann unsere Hühner immer wieder nervös hin und her und zumindest die Hühner kenne ich gut genug, um zu wissen, dass etwas nicht stimmt... Weder mein Zureden, noch die süßesten Beeren konnten sie beruhigen und vielleicht war ihre Aufregung der Grund dafür, dass eines von ihnen das Ei verließ, auf welchem es brütete? Gut möglich... Jedenfalls zeigen sich mir im Nachhinein mehrere Vorboten, welche auf das Beben der Erde in der Nacht hindeuteten... Begleitet von einem tiefen Grollen war alles in Bewegung, das Bett ein Schiff auf stürmischer See, wo ich mich an Daniel klammerte, wohl wissend dass er mich gegen eine solche Naturgewalt auch nicht würde beschützen können... Noch lange, nachdem das Erdbeben vorüber war, lag ich schlaflos, vor meinem inneren Auge das beängstigende Bild eines verschütteten Höhleneinganges... Oder auf uns herabstützende Felsen... Nimue zerquetscht unter Geröll... Sich auftuender Boden mit bis zum Erdkern reichenden Abgründen...

      Daniel nahm das Beben wie üblich ganz gelassen und meinte zu meinen Ängsten nur, dass wir im Falle eines zugeschütteten Einganges eben für immer in der Höhle leben würden. Dass unsere Gartenkenntnisse inzwischen ausreichend seien, wir praktisch autark leben können... Er fand sogar einen gewissen Gefallen an dieser Idee, als gäbe es nichts romantischeres als lebenslänglich in einer Höhle zu verbleiben... Ich war wirklich erleichtert, als ich im Morgengrauen dann feststellte, dass meine Fantasie überzogen gewesen war und wir glücklicherweise nicht hier eingeschlossen wurden. Mit dem Antrieb sogleich bei allen Tieren nach dem Rechten zu sehen, mich davon zu überzeugen, dass wirklich niergends ein Stein von der Decke gefallen war, spurtete ich wohl wie so oft etwas zu gedankenverloren los und wäre beinahe von der Klippe gefallen... Dort wo sonst meine Füße Holz berührten, war nur noch gähnende Leere... Mit beiden Armen durch die Luft rudernd und gerade noch rechtzeitig mein Gewicht nach Hinten verlegend plumpste ich rückwärts auf den Boden und suchte das Bild vor mir zu verstehen... Dort wo immer die Brücke war, ist nur noch Luft... Das Beben hat sie wohl aus ihrer Verankerung gerissen und nun ist es mir unmöglich, zu meiner Hütte und zu Morgana zu gelangen, weshalb wir so schnell wie möglich irgendwas provisorisches errichten müssen...

      Provisorisch... Ja, provisorisch ist noch so manches. Mir scheint, dass für alles, um was wir uns kümmern wollen und sollen täglich etwas Neues dazu kommt... Wir wollen Charlie helfen und auch Ambrosius, außerdem steht die Reise mit Morgana noch immer an, auch wenn sie derzeit nicht den Eindruck macht, dringend hier weg zu wollen... Weiter haben wir auch hier alle Hände voll zu tun, obgleich es mich reizt, so bald wie möglich den Suchenden aufzusuchen um die Unterhaltung von neulich weiter zu führen... Außerdem muss es doch irgendjemanden geben, der weiß was mit all diesen Phänomenen auf sich hat! Es kann kein Zufall sein, dass erst knallrote und jetzt giftgrüne Tiere diese Insel bevölkern... Frage ich meine Intuition, so hat es etwas mit den Obelisken zu tun... Rot, Grün... Blau... Hmm... Ebenfalls Vorzeichen? Signale? Es muss doch einen Weg geben, mehr über all das zu erfahren! Auch bei diesen Themen bleibt Daniel gelassen und sagt, ich solle Ruhe bewahren und nicht zu viel nachdenken... Wahrscheinlich hat er recht und ich sollte versuchen, Schritt für Schritt über eine Sache nachzudenken, anstatt alles aufs Mal...

      Ich bin ziemlich froh darüber, dass Bruder Ambrosius sich für die Hühner interessiert und zugesagt hat, die Patienten aufzunehmen, so wie er ein eigenes Zuhause hat. Auch kam eine zarte, feinfühlige Seite in ihm zum Vorschein, als wir gemeinsam beobachteten, wie aus dem verlassenen Ei ein kleines Kücken schlüpfte... Ich überließ es ihm, so dass er den Stamm seiner eigenen Hühnerfamilie erweitern kann, selbst gerührt von diesem Anblick auch berührt über das liebevolle Verhalten Ambrosius gegenüber dem kleinen Benjamin, wie er ihn taufte... Der gleiche Tag, an welchem Daniel und ich auch die anderen Jungtiere bestaunen durften... Es ist ebenfalls schön zu sehen, wie Daniel sich auf eine Art verwandelt im Angesicht dieser kleinen Wesen und ich denke, falls Urd es so will, wird er irgendwann ein wunderbarer Vater sein...