The Life of Charlie - Schiffbruch mit Tiger

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    • Charlie hilft zurück in die Zukunft



      Der Morgen bricht an und bis auf die Stunde Schlaf, die er vor Beginn seiner Arbeit nahm, hatte er vor lauter Arbeit keinen. Er nimmt es sehr genau und hat bereits zweimal von vorn angefangen. Doch er selbst weiß, wie wichtig sie sind. Etwas halb passendes kann sie nicht brauchen. Doch gleich wird er die letzten Nähte gesetzt haben. Und dann geht es auch für ihn ins Bett. Nachdem er noch ein paar Zeilen verfasst hat.


      Ein weiterer Überlebender also. Ein Teil von mir hatte sie bereits für tot erklärt. Waren ihre Überlebenschancen doch mit die geringsten. Sie hat es auch wirklich nicht schadlos überstanden. Ich habe sie behandelt, doch sie muss sich schonen und ich muss ein Auge auf die Verletzungen haben. Doch es ist geschafft. Die schlimmste Zeit, sollte ihr nicht irgendein Unsinn einfallen, ist vorbei. Nun hat sie eine gute Ausgangsbasis, um zu lernen und bald sicherer zurecht zu kommen. Auf eine Zukunft zu hoffen. Notfalls übernehme ich das. Auch wenn sie mich mit ihren Worten teilweise an Bruder Ambrosinus erinnert,so klammert sie sich nicht an irgendwelche Götterbilder, als Ausrede für den Erhalt der eigenen Seifenblase, statt zu tun was nötig ist.


      Sie hätte es fast nicht geschafft. Das, was ich damals bei Oskus Farm als Training durchmachte, musste sie vollkommen ohne Hoffnung oder Ziel erleiden. Ohne Aussicht auf ein Ende. Dennoch hatte sie etwas, dass sie am Leben hielt. Zum Glück. Das wirft die Frage auf, wie viele wiederum es auch schafften, jedoch an ihren eigenen Grenzen mittlerweile gescheitert sind...ich kann es auf eine bestimmte Art gut nachvollziehen. Dennoch ist es bedauerlich.

      Und nicht zuletzt freue ich mich, sie zu sehen. Wieder etwas, für das ich mich nicht umsonst einsetzte...


      So ist es hoffentlich auch mit dem nächsten kleinen Gast...ich hoffe ja, dass Vivine - oder ich - endlich einen Schlussstrich ziehen können. Langsam wird es eng in der Hütte. Doch wie Vivine auf ihn einhackte, als er mich betäubte, wie er sich verzweifelt wehrte, schrie und nicht daran dachte zu fliehen, vollkommen chancenlos... genau so muss es Speedy ergangen sein. Dieselbe Verzweiflung, derselbe bittere Kampf, dieselben Schreie...ich musste sie zurückhalten. Hab mich um den Kleinen gekümmert. Die Zeit wird zeigen, ob er sich wohl fühlt oder bald wieder geht, sobald er wieder fit ist. Zumindest verträgt er sich mit der Leuchtechse.

      Der Fluss, welcher die Sankru von Reynirs und Sheonas altem Zuhause trennte, brachte nicht das hervor, was ich suchte. Stattdessen rief Jake mir nach. Er zeigte sich weiterhin freundlich und wir sprachen eine ganze Weile. Er lud mich zu sich ein. Und wieder einmal hinterließ ein Besuch bei den Sankru gemischte Gefühle. Als er seine Warnung aussprach, war mein erster Reflex abwehrend. Es kann doch nicht stimmen. Der innige Wunsch, endlich Ruhe zu finden, wurde jäh weggefegt. Doch ich kann es nicht ignorieren. Er hatte schonmal mit seiner Warnung Recht, als ich versuchte mich zu trösten und auf den gesunden Verstand hoffte. Wir werden sehen. Von Vaan hatte ich bisher den vernünftigsten Eindruck und die höchsten Erwartungen. Der Einzige, der sich bei mir so etwas wie Respekt verschafft hat und es noch nicht verspielte. Selbst ich habe mir da schon mehr Patzer erlaubt. Andererseits höre ich, wird er momentan wohl etwas nostalgisch... Aber gut, das wird die Zeit zeigen.

      Auf der anderen Seite half er mir sehr weiter. Mit diesen Ansätzen kann ich mich weiterentwickeln und anderen weiter helfen. Ich hoffe ja sehr, dass er sich damit nicht wieder selbst schadet. Er hat im Grunde gute Ansätze. Am Ende führte ich ihn dann zu mir. Offenbar hat es sich noch nicht rumgesprochen.
      Ich werde mir etwas einfallen lassen. Ich will meine Ruhe. Schätze, ich kann es - mal wieder - nicht dem Zufall überlassen.
    • Charlie und das Biest



      Es hatte etwas gedauert, ehe er sie draußen fand. Er ging bereits von Schlimmerem aus. Er brachte ihr noch eine Decke und zog sich dann in seine Behausung zurück. Es ist tief in der Nacht. Doch solange der kleine Freund hier noch munter vor sich hin leuchtet, würde Charlie das noch nutzen.


      Sheonas Worte bekräftigen mich in meiner Einstellung. Ich hatte schon einmal die Erfahrung einer schwierigen Zusammenarbeit gehabt. Hatte mich bis zur völligen Belastungsgrenze gebracht, um dies aufrecht zu erhalten. Doch was nützt der Traum, wenn er sich nur gemeinsam realisieren lässt. Allein lässt sich eine Gemeinschaft nicht tragen. Eine Gemeinschaft setzt Bedingungen voraus. Ebenso wie diese Welt. Hier geht es nicht darum, ob wir einen klassischen oder modernen Lebensstil leben. Ob wir uns vegan ernähren oder welche politische Orientierung wir haben. Ob wir einen Trend ausleben oder den "Mainstream" zum Feind erklären. Oder auf welche Art wir besonders sein können, uns verwirklichen.
      Hier ist Anpassung Trumpf. Anpassung an diese Welt. Man lebt für den Moment, den nächsten Tag, denn das Leben ist hier schnell zu Ende. Jeder steht hier zuerst für sich, egal ob als Individuum oder als Stamm. Das hat zu teils sehr harten und starren Ansichten geführt. Und dennoch überleben nur die, die flexibel bleiben. Die Welt mag für eine Weile so sein wie sie ist, doch die nächste Änderung wird kommen. Neue Menschen, neue Katastrophen, Herausforderungen.
      Jeder, der als Neuling hier startete, musste von denen lernen, die hier erfolgreich sind. Jeder, der jetzt noch lebt, hatte oder hat seinen Lehrmeister. Nicht immer offenbart sich sofort, warum sie etwas tun. Und sicher mag man ab einem gewissen erreichten Stand auch in der Lage, das ein oder andere besser oder anders erreichen zu können. Viele Wege führen zum Ziel.
      Doch die Person, die heulend vor meinen Toren steht, gerade einmal weiß, welche Beeren sie essen kann und wie man ein Feuer macht, die mehr durch Glück als durch Fähigkeiten überleben konnte, die wie in einem Albtraum immer wieder unter Schmerzen neu erwacht, diese Person ist wahrlich nicht in der Lage, Bedingungen zu stellen, zu kritisieren oder zu Fordern.
      Elois konnte es sich erlauben, trotzig, konfrontativ und fordernd zu sein, denn sie war meine Lehrerin. Doch als Schülerin und Schutzsuchende ist es nicht klug. Respekt und Demut, ich fordere davon nicht viel, fehlte bisher doch in jeglichem Maße. Aus diesem Grunde habe ich Bedingungen gestellt. Schon in diesem Gespräch, fing sie an daran zu rütteln. Doch das arme Tier, welches sie in ihrer eigenen Unruhe und Hatz gewaltsam in meine schützenden Wälle brachte und dann sich selbst und Vivine überließ, ist nun ihre eigene Verantwortung. Das Einzige, was ich hier tun werde,nachdem ich es zumindest einzäunte, ist einen Schlussstrich ziehen, sollte es dem Pferd zu schlecht ergehen. Entweder sie schafft die selbst gestellte Aufgabe auch selbst, oder sie erkennt, dass andere Dinge zuerst kommen. Vielleicht hört dann ihr Drängen auf.


      Ich muss Deisek zugute halten, dass auch er sich ihrer annimmt, obwohl sie schon viel von ihrer Art offenbarte. Er zeigt eine gute Einstellung, die ich grundsätzlich teile. Auch dies wird der richtige Einfluss auf sie sein. Ich hoffe um ihretwillen, dass sie sich dafür öffnen kann und auf die Menschen hört, die hier erfolgreich sind. Denn hier geht es in erster Linie nicht um die Selbstoffenbarung. Hier geht es um Kompromisse und Anpassungsfähigkeit. Alles andere ist vergebliche Müh.

      Sheona hatte es früh erkannt. Entsprechend gab sie mir Ratschläge. Ich revangierte mich mit Ratschlägen für Scrollen. Seit der Reise, aber auch schon davor, aber seitdem besonders, machen wir viele positive Erfahrungen. Ich stehe dazu, dass Sheona für mich aus dem Kreis der Bekannten herausgetreten ist. Mal sehen, was die Zeit für uns noch bereithält. Sie entwickelt sich positiv. Ich sah sie lächeln und heute sogar witzeln. Als wäre sie seit der Rückkehr aus der Schneeregion aufgetaut. Das ist gut, würde Sheona sagen. Und so ist es.


      Die letzten Worte sind ziemlich verkritzelt, da gerade das Licht ausging. Doch das wird schon reichen. Denn das ist nicht das Wichtige.
    • Charlie zwischen Krieg und Frieden


      Als er das Zelt hinter sich schließt, ist die Anstrengung noch deutlich zu spüren. Er und Vivine waren viel unterwegs und es ist nicht einfach, an den Spuren zu bleiben. Er wird nur einen Moment die Augen schließen. Um das tun zu können, muss er am besten gleich seine Gedanken sammeln. Das Buch hat er dabei. Ausgiebig kaut er auf der Pastille herum.


      Deisek spricht in warmen Worten von Samantha. Das freut mich, er scheint dafür ein Händchen zu haben. Gleichzeitig scheint er so manch andere Händchen sehr zu schätzen. Irgendwie missfällt es mir. Ist es, weil ich ihm wirklich so misstraue? Er hat die feine Linie zwischen Respekt und Schmeicheln definitv überschritten. Und bei letzterem habe ich ein merkwürdiges Gefühl. Gleichzeitig geht er viele richtige Schritte... aber leider auch manch bedenkliche. Er erwartet den Konflikt. Tun wir alle. Doch seine Antworten darauf bergen Gefahren. Ich hoffe, meine mahnenden Worte fanden Gehör. Und noch besser, sie erfüllen sich erst garnicht. Lieber Vorsicht als Nachsicht.


      Konflikte haben Sheona und ich auf vielfältige Art und Weise angesprochen. Zum einen ihr Weg, den sie bezogen auf die Gesichtslosen gehen will. Sollten sie auch hier angekommen sein. Ich teile den Gedanken, dass es zumindest manche von ihnen ebenfalls geschafft haben. Dennoch halte ich es für realistisch, dass sie ebenfalls aus eigener Kraft einen Weg gefunden haben. Sollten auch sie einen Schlüssel gehabt haben, hat es sie gemeinsam vielleicht in eine andere Welt verfrachtet. Viel Spaß in Fallen. Das wäre doch mal was.
      Fest steht, sollten wir auf Menschen treffen, die sich nicht nur so nennen, sondern genauso handeln, dann wird Sheona diesen Weg nicht alleine gehen. Nichts wäre schlimmer als eine gesammelte Mannschaft Gesichtsloser, angekommen in dieser Welt, die uns paar Menschen gegenüber steht. Sie hätten nie wieder leichteres Spiel mit uns. Vielleicht stimmt es, und sie streben die alleinige Herrschaft an. Ohne andere Menschen. Doch ich glaube, wir Außenstehende dienen eher innenpolitischen Zwecken. Um so eine Truppe zusammen zu halten, ist ein gemeinsamer Feind sinnvoll. Hin und wieder wird davon jemand entführt, das hält die Leute bei der Laune...auf die eine oder andere Art. Diese "Ressourcen" einfach auszulöschen, wäre verschwendet. Vielleicht waren wir nie eine wirkliche Bedrohung. Nun...jetzt sind wir es noch weniger.


      Und ich habe ebenfalls jeden Tag auf's Neue meine inneren Konflikte zu kämpfen. Nur darum bin ich so rastlos. Unsicher. Zurückgezogen. Doch aus Sheonas Worten spricht Stärke und vielleicht habe ich noch immer nicht mein irdisches Denken abgelegt, wenn ich zu weit in die Zukunft schaue. Diese Welt lebt von dem Moment. Diesen muss ich nutzen. Mit dieser Einstellung könnte ich vielleicht wirklich entspannter leben. Und so manches mehr wieder zulassen. Statt ständig zu fürchten, was ich schon morgen verlieren könnte. Wenn mir jemand einen Umgang damit zeigen kann, dann die Frau, die erhobenen Hauptes aus solchen Zeiten heraustreten konnte.

      Dennoch...mein letztes Ziel, ich werde es verfolgen. Ich habe mich ewig darauf vorbereitet. Ich kann es nicht fallen lassen. Ich will die Grenze wissen. Ob nun Angst oder Verstand mich dumm schimpfen, es ändert nichts. Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Und ich werde sehen, wer hier gewinnt. Ich werde es nicht dem Zufall überlassen.



      Draußen hört er Vivines Schritte, bis sie vor seinem Eingang stoppen. Dann entleert sie ihren Darm und schreitet zum Rastplatz zurück. Er seufzt. Warum auch immer sie damit angefangen hat, das muss er ihr abgewöhnen.
    • Gemeinsamkeiten stoßen sich ab, Charlie


      Ein letzter prüfender Blick - alles sicher. Das muss es sein, ist es doch die erste Nacht hier fernab jeder Freunde oder Hilfe in der offenen Landschaft. Doch er spart somit Zeit, die er momentan aufbringen kann. Hin und wieder weichen seine Gedanken dennoch ab. Diese sind es wert, festgehalten zu werden.


      Die anfängliche Befürchtung, Reynirs Idee könnte sich verfestigen, hatte sich die Tage darauf mit keiner Silbe mehr bestätigt. Es gelang mir dahingehend, beiden eine beruhigende Zusicherung zu machen. Auf die eine oder andere Art eben. Ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt. Das Gefahrenpotential ist zu gigantisch. Und der Gewinn, es tut mir Leid Reynir, ist es nicht wert. Abwarten.

      Zeitgleich bemerkte ich bisher auf passivem Wege keinerlei Veränderung. Das mag gut sein. Es ist ein Ansatz für hoffnungsvolle Thesen. Doch es wird noch sehr viel Zeit und Mühe und noch viel mehr Vorsicht beanspruchen. Zugleich habe ich schon lange nichts mehr von Nazar gehört, trotz unserer Nähe...ich hoffe es geht ihm gut.

      Viele gute Gespräche liegen hinter Sheona und mir. So erkennen wir an, dass wir beide bereit sind, entsprechend kompromisslos unsere Ziele erreichen zu wollen. Doch die Gefahren, die wir dafür auf uns nehmen, bedeutet jedes Mal, dass alles, wofür wir nun kämpfen, was wir aufbauen, diese blühende Freundschaft auf's Spiel zu setzen. Doch wie Sheona sagte, sollte man nicht lieber den Moment leben? Und für den Moment ist das der richtige Weg. Sie taut wahrlich auf. Positive Zeichen häufen sich. Es wärmt mir das Herz.

      Zugleich habe ich alles getan, um ihren gefahrvollen Weg, den sie nun schon seit ein paar Tagen allein beschreiten muss, so gut es geht zu sichern. Sie zeigt sich sehr erfreut und dankbar für meine Ideen und ich glaube, es wird ihr helfen! Sollte ihr dies das Leben retten, werde ich meinen Tribut einfordern, schließlich habe ich es versprochen!

      Zugleich kann sie für mich überhaupt nichts tun, um meinen gefährlichen Weg zu sichern. So sehr sie es auch möchte und wiederholt danach fragt. Ich würde es ihr gern sagen. Doch es ist zu früh. Alles oder nichts. Entweder kann ich ihr das Ergebnis präsentieren, mit einem Effekt, den ich selbst noch nicht begreifen kann, oder aber es wird mich überwältigen und verzehren. Ja, wahrlich. Ich glaube, warum auch immer, felsenfest daran, dass wenn ich scheitere, ich nicht mehr sein werde. Auf die ein oder andere Art vielleicht.

      Diesen Weg kann ich nur allein beschreiten, es gibt tatsächlich nichts, was andere hier tun können. Auch wenn es beginnt sich falsch anzufühlen. Was Gesten nicht alles anrichten können. Manchmal wird man eben völlig unvorbereitet überwältigt. Und dann kann ich auch nicht anders, als der kleine Charlie sein, wie er damals auf Ragnarok aufschlug.



      Seine Aufmerksamkeit wird nach draußen gelenkt. Schon wieder dieses Licht. Ein wiederkehrendes Muster. Ist es etwa jede Nacht an anderen Orten zu sehen? Vielleicht die Leuchttiere? Obwohl das Muster, so für sich allein, doch sehr einsam wirkt. Eine Einzelheit in diesem großen Raum. So wie sein Zelt in dieser weiten Ebene. Wie diese Welt im Universum...oder was auch immer sie umhüllen mag.
    • Wenn Charlie einen Bären aufbindet


      Noch immer sind die Hände schmutzig. Trotz allem Wissen, Kniffe und Unterstützung bleibt fruchtbare Erde ein leidiges, zeitaufwändiges Thema. Nur zwei Tage mehr Ruhe hatte er sich zwangsweise durch seine Abwesenheit gegönnt und sein Vorrat musste nun großzügig angebrochen werden. Zwischen all der Wut mischt sich auch ein wenig Freude. Kann er sich somit doch wieder, gezwungenermaßen, mit der neuen Substanz auseinandersetzen. Darum geht es doch. Oder? Natürlich! Er würde gleich nach dem Eintrag dorthin losziehen. Rasch. Denn es stehen ja noch andere Themen an. Das ist doch der Grund zur Eile, oder?



      Der Blick über das vorerst für mich fertigen Lagers ist jedes Mal eine Freude. Reynirs Hilfe war gut und bisher scheint es zu funktionieren. Das Gebäude hilft mir definitiv weiter und gefällt mir wesentlich besser, als die losen Haufen, die um die Tische herumlagen. Es war zudem das erste Mal, dass wir beide allein einer Tätigkeit nachgingen. Er half mir, so gut er konnte, egal ob anfangs noch körperlich oder später dann mit Kommentaren. Zusammen ergibt sich nun ein interessantes Gesamtbild. Es ist keinerlei Gemeinsamkeit zu erkennen, als wäre alles von verschiedenen Handwerkern geschaffen worden. Und irgendwie steckt in allem auch ein anderer Einfluss und eine andere Absicht. Mir gefällt es. Ich muss schon sagen, dass ich mir das Ergebnis nicht so positiv ausgemalt hatte. Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, nicht allein zu sein. Und dass es klug und richtig war, dem Rat meiner alten Freunde zu folgen. Was das ganze hier somit irgendwie auch zu einem Teil zu ihrem Werk werden lässt. Wenn die Beobachter so wollen, werden sie es vielleicht eines Tages sehen.


      Nicht allein machte sich auch Jake an seine Aufgabe. Überraschend stand er vor meinem Tor, ich vernahm ihn, wie er mit seinem Pferd motzte. Er brachte schlechtes Wetter und eine Bitte mit sich. Nachdem er sein Pferd bewusst außerhalb von Vivines Wahrnehmung positionierte, stellten wir uns im neuen Gebäude unter, schließlich konnte ich Creepy in seiner Überfallsserie keinen weiteren Erfolg bescheren, sodass mein eigentliches Zuhause nicht in Frage kam.
      Nunja... Seine Bitte war zu Beginn doch verstörend in seiner Wirkung. Bat er mich doch um Hilfe bei genau dem, was ich zuerst mit Vorsicht und mit Sorge vernahm. Ich kam nicht umhin, mir vorzustellen, dass ich mir selbst eine Bedrohung schaffen, würde ich Jake bei seinem Vorhaben helfen, einen Bären an sich zu binden. Das kam auch zur Sprache. Er nahm es nicht böse auf, sondern zeigte Verständnis. Es ging dann viel um früher und er sagte, ohne mit der Wimper zu zucken, dass er mich als Freund sieht. Ich müsse darum nichts befürchten. Zugegeben, nach diesem Gespräch hat Jake sein Bild bei mir deutlich verbessern können. Auch wenn ich in ihm noch keinen Freund sehe, so hat er sich dennoch mein Vertrauen verdient. Ich denke ich weiß, wo ich mich auf ihn verlassen kann und wobei ich ihn vor Schaden bewahren kann.

      Ein Bär also. Nicht nur als Gefährte, sondern als Beweis, als Prüfung. Für sich als Bestätigung. Und, sofern ich das richtig verstanden habe, als Botschaft an seinen Mentor. Ich musste unweigerlich an früher denken, an die Bären bei uns bei meiner alten Arbeit. Doch es ist etwas ganz anderes, einen Bären als direkten Gefährten, aus der Wildnis heraus, an sich zu binden. Ich habe ihm viel von dem was ich über sie weiß mitgeteilt, sowie einige Ansätze, wie ich es starten würde. Doch es gibt keine Garantie dafür, dass es klappt. Auch warnte ich ihn vor der Kraft des Tieres, auch wenn er sich hätte schlimmere Gefährten aussuchen können. Ich bin sehr froh, dass er meine zeitaufwändigen Ideen beherzigt, die aus dem Tier, sollte es funktionieren, mehr einen Freund denn als ein bloßes Mittel zum Zweck machen. Hätte er gleich zu Beginn die Peitsche bevorzugt, wären meine Lippen so verschlossen geblieben wie der Käfig, in welchem Sheona und Skrollan rangen.


      Apropos...es ist bereits wirklich viel Zeit vergangen. Reynir erwähnte die beiden nicht, sodass ich davon ausging, dass alles gut verläuft. Mein Weg sollte sich bald wieder zu ihnen führen. Ich möchte sie sehen. Und ich glaube auch, dass sie nun bald schon soweit sein sollte. Noch immer habe ich daran keinen Zweifel. Ich bin sehr gespannt.


      Doch zuvor wartet noch eine kleine Hoffnung auf mich. Ich konnte es zuletzt nur im Augenwinkel sehen, doch sollte ich ihn wiederfinden und sich meine Vermutung bestätigen... Ich werde sehen!



      Und schon fällt ihm ein, dass er davor ja noch etwas anderes vor hat. Wie konnte er das vergessen? Er kann das mit der Erde natürlich nicht warten lassen. Oder? Nein, das ist wichtig!
    • Guess who's back, Charlie



      Ein Lächeln bestätigt die Erleichterung. Sein Problempatient hat den ersten Happen gefressen. Tatsächlich schien er besonders wählerisch gewesen zu sein. Doch somit sollte seiner Genesung nichts mehr im Wege stehen. Seine Erkenntnisse finden ihren Weg in seine Notizen. Und wenn er die Schreibfeder schon in der Hand hält...


      Es gibt wahrlich viele Gründe zur Freude. So hat sich Jake meine Herangehensweise zu Herzen genommen und verfolgt diesen friedvollen Weg. Er wirkt sehr engagiert, aber auch stolz. Nun, es ist eine mutige Aufgabe. Wenn er daraus Kraft schöpfen kann, so soll er nur voran schreiten. Mich freut es, eine Hilfe zu sein, von der Tier und Mensch profitieren.


      Darüber hinaus war Deisek zu Besuch. Mit ihm Samantha. Die Nacht führte sie zu mir, ich bot ihnen, was sie brauchten. Deisek scheint sich für mein Tun und meine Person zu interessieren. Er wirkt mit jedem weiteren Besuch neugieriger. Im Gegensatz zu seiner Schülerin, die stiller war, als ich sie in Erinnerung hatte. Ihre scharfe Zunge hat sie nicht verloren, doch scheint Deisek das nicht zu stören. Sie wirkt stärker, körperlich wie auch im Geiste, so wie ich es sehen konnte. Es war gut, dass Deisek sich ihrer annahm. Ich hätte mich ihrer nicht so intensiv widmen können und hätte sie wohl nur gebremst. Das neue Tier fordert sie sehr. Vielleicht sind sie damit etwas voreilig, rasch. Doch die Zeit wird zeigen.
      Beide entschlossen sich dazu, Jake zu helfen. Beinahe selbstlos. Klar, sie erkunden damit eine neue Gegend. Doch ist mir Deiseks Interesse an Jake nicht entgangen.


      Schließlich klopfte Sheona an meinem Tor. Wir haben uns in der Tat schon lange nicht mehr gesehen. Uns war die Freude anzusehen. Sie zeigte mir das Ergebnis meiner Ideen, die sie schützen sollten. Und genau das taten sie. Sheona sprach aus, dass dies möglicherweise ihr Leben, in jedem Fall aber schlimmere Verletzungen verhinderte. Ich bin ein bisschen stolz und besonders froh, meinen Teil zu ihrem Wohlbefinden beigetragen zu haben. Wir sprachen, wie sollte es anders sein, über viel. Wir haben einen laufenden Handel ausgemacht. Sie erhielt meine...nennen wir es "Medaillie", für ihre bestandene Aufgabe. Sie hatte sich weit mehr darüber gefreut, als ich es mir vorstellte. Wie schön.
      Ich zeigte ihr auch all die Patienten, die ich auf meinen Reisen fand. Doch sie reagierte unerwartet und ich erschrak, als sie offen kundtat, die Hälfte von ihnen lieber essen und verwerten zu wollen. Dafür mache ich mir doch nicht all die Mühe! Genau wie Reynir, der so manch anderes Kleintier in meiner Umgebung verspeisen mochte, denkt auch sie bevorzugt mit dem Magen. Klar, stehen sie doch da wie auf dem Präsentierteller. Ist wohl so ne Highblood-Sache. Selbstverständlich ließ ich mich auf keine Bitte und keinen Handel ein!


      Sie lud mich dann für nächstes Mal bei sich ein. Ich komme dem gerne zeitnah nach und überzeuge mich selbst von ihren Fortschritten. Ganz ohne hungrigen Hintergedanken, versteht sich!

      Und danach...sobald es einigen Patienten besser geht...werde ich der Spur weiter folgen. Sheona zeigt sich immer neugieriger. Doch ich werde weiter schweigen. Alles zu seiner Zeit. Er muss es sein!


      Sein Blick richtet sich in die Richtung, in die er sich bald aufmachen würde. Als würde er hier bereits etwas erkennen können. Am Liebsten wäre ihm das. Doch dafür hat er sich zu viel drumherum aufhalsen lassen. Aber immerhin hat er eine Entscheidung getroffen.
    • Vielen Dank für Speis und Trank, Charlie


      Er sah ihnen noch einen Moment nach, ehe er das Tor schloss. Er würde nicht viel Zeit verschwenden, sondern sich gleich schlafen legen. Kaum dass er sich hinlegte, sah er noch das Buch neben sich liegen. Stimmt ja. Ein paar letzte Gedanken sollte er vielleicht noch festhalten. Einfach der Gewohnheit wegen.


      Welch ereignisreiche Tage hinter mir liegen. Es gab ein großes Auf und Ab. So besuchte ich Sheona mehrmals und blieb dort auch die ein oder andere Nacht. Deisek war ebenfalls oft dort. Er zeigte sich wechselhaft in seiner Laune und herausfordernd. Auf Drohungen folgten Beschwichtigungen. Meiner Meinung nach nahm er sich ganz schön viel heraus, solche Worte als Gast auszusprechen, ohne guten Grund und trotz Sheonas guter Gastfreundschaft, die Deisek nebenbei auch bei mir hervorhob, nur um dann doch wieder solche Worte zu wählen. Ich habe mich darauf nicht eingelassen. Provokationen sind mir gleich. Auch Sheona wusste es besser. Es ist nicht umsonst, dass wir so viel miteinander sprechen.
      Noch einmal zeigte er durch Wort und Tat betont seine Zuneigung gegenüber Sheona, die es wohl noch immer nicht recht verstand. Wir sprachen mehrfach darüber und sie auch mit Reynir.
      Schließlich sagte sie mir, dass Deisek noch mit mir sprechen wolle...doch ich habe keine Zeit. Wichtigeres steht an. Ich muss einen freien Kopf dafür haben.

      Theons Umrundungen um Sheonas Haus machten sie sehr nervös. Sie beobachtete den Vogelreiter, bis er später wieder kam. Er landete und begründete sein Verhalten freundlich und offen. Im Gegensatz zu Deisek, der auch dazustieß und nur schwieg. Bis auf wenige, besorgniserregende Gesten und Sätze...
      Ich bin froh, dass sich Theon die Zeit nahm und Sheona sprach. Der erste schlechte Eindruck konnte so gemildert werden, da bin ich mir sicher.

      Ich bin mehr als froh, dass Sheona mein Geschenk nach ihrer bestandenen Prüfung gefallen hat. Sie trägt es mit stolz. Und darüber hinaus gab sie mir einen Glücksbringer mit. Er wird mir bestimmt helfen und mich von innen heraus stärken. Sie macht sich Sorgen, das kann ich sehen. Sie drückt es mittlerweile offen aus, so auch ihr immer häufigeres Lächeln. Ich bin so froh darum...
      Und fast, nur fast, kam mir ernsthaft der Gedanke, mein Vorhaben fallen zu lassen. Doch ich weiß, es wird für mich vorher keinen Frieden geben.

      Sie kamen also zu mir und ich hatte mir viel überlegt. Nichts habe ich dem Zufall überlassen, fast genauso penibel geplant wie mein Vorhaben anschließend. Ich wollte einen wirklich schönen Abend, denn es könnte mein letzter sein. Ich wiederholte mich bei Sheona davor schon mehrfach, wir sollten uns auf das Positive konzentrieren, das was noch vor uns liegt. Doch immer wieder rutschten wir in die Gedanken, was wenn ich es nicht schaffe...
      Genau solch ein Gedanke war die Mutter, die diesen Abend gebar. Und ich bereue es nicht. Vielleicht, wenn es gut läuft, war es nur ein Vorgeschmack auf das, was noch auf uns wartet. Und sollte dies mein Ende sein, ja so habe ich für eine weitere Erinnerung gesorgt, die eines echten Abschieds würdig ist. Ich wollte nicht einfach gehen. Ich wollte keinen regulären Tag verstreichen lassen, mit einer bloßen Umarmung als Abschied. Nein, wir sollten Lachen und Spaß haben. Und so geschah es.
      Ich servierte meine beste Speise, bot meine Getränke an, von denen ich hoffte, sie würden ihnen schmecken. Mein Feuer brannte warm. Unsere Geschichten reichten weit und jeder lauschte jedem. Der Vogel, ich wusste um sein mitternächtliches Balzlied, lud mit seiner Stimmung zum Tanzen ein. Noch einmal wollte ich es tun, auf diesem neuen Boden, das erste Mal außerhalb der Erde. Es erfreute mein Herz, als Sheona nicht zögerte. Reynir perfektionierte die Stimmung mit seinen alten Liedern aus fernen Tagen, von Menschen, die allesamt im Ozean der Erinnerung aufgegangen sind. Und wir lebten in diesem Moment. Ich ließ mich hinreißen, bis Sheona fast schwindelig wurde. Es war befreiend. Ich konnte jede Sorge und jeden Zweifel verbannen, während ich im Tanz in ihre Augen sah.
      Auch wenn der Abend nicht frei von Trauer und Sorge war, so war er gelungen. Ich erreichte, was ich wollte. Hier waren die Menschen, die mir vertrauten und die auf mich zählten. So wie auch ich. Vielleicht ist morgen alles vorbei. Doch dieser Moment, den konnte mir niemand nehmen. Ich werde ihn mit mir tragen, wie diese Kette.

      Nun steht der nächste Tanz bevor. Meine Hand streckt sich nach dir aus. Du hast sie bereits wahrgenommen. In wenigen Stunden wirst du sie ergreifen. Ich werde auch dir in die Augen schauen, unentwegt, und an nichts anderes denken. Und ich verspreche dir, egal wie das endet, am Ende wird auch dir schwindelig sein!


      Seine Hand umfasst den Anhänger fest. Jetzt fühlt er sich noch aufgeregter als zuvor. Doch es wird vorbeigehen. Alles hat ein Ende. Es ist nicht die Frage ob, sondern wann. Und wie.
    • Fortes fortuna adiuvat, Charlie
      (Den Tüchtigen hilft das Glück)


      Seine Bewegungen sind vorsichtig. Nicht nur, um niemanden zu wecken, sondern auch weil der Schmerz gerade so angenehm gering ist, gerade als er aufwachte. Tatsächlich schaffte er es mehr laut- als schmerzfrei hinaus. Nunja, zum Schreiben reicht es.


      Jeder Augenblick ist ein Geschenk. Jeder Atemzug erfrischt die Seele. Jeder Eindruck kommt wie dem Blick in die Zukunft gleich. Als hätte ich meine Zeit überschritten und lebe nun in der Welt nach meiner Zeit, die ich nicht mehr sehen dürfte. So sehr bewertet der Verstand die Unmöglichkeit meiner Prüfung. Und meine Prüfung bewies mir mit aller Härte und vollem Schmerz, dass selbst die kreativste und penibelste Planung nicht immer ausreichend sein kann. Welch Ironie...wäre ich nur etwas schneller gewesen, wäre ich nun tot. Endgültig. Doch ich überlebte den Moment. Und selbst nach all dem Blutverlust, wachte ich aus meiner Ohnmacht wieder auf. Vor mir die Früchte meiner Arbeit. Das Ergebnis meiner monatelangen, harten Arbeit. All mein Wissen und mein Tun verwoben sich in diesem Moment und nur durch all das konnte ich bestehen. Mein Leben erfährt nun eine eigene Qualität. Das Höchste Ziel ist erreicht. Die Ergebnisse daraus werden zahlreich sein, meine Erkenntnisse bedeuten enormes Potential und sind so vielfältig, ich werde sie in einem neuen, eigenen Buch festhalten. Alles was dazu gehört, wird nur noch dort hinein gehören. Meine Gedanken, wie ich sie hier nun wieder bündele, werden sich von nun an anderen Themen widmen. Ich ziehe meine Kreise weiter. Als neuer Mensch. Frei. Und ohne Angst. Denn ich habe dem Tod nicht nur in die Augen gesehen...

      Vivine. Meine treue Gefährtin, wie ich es von ihrer Art gewohnt bin, führte mich beinahe selbstständig zu Sheona und Reynir, als sie merkte, dass ich am Ende meiner Kräfte bin. Sie sah mich mit den Augen einer Freundin, als sie mir half, statt mit den Augen einer Jägerin, die beim Anblick meiner Schwäche dem Reiz meines Todes erlagen wären. Einen größeren Bindungs- und Treuebeweis kann ein Gefährte nicht erbringen.

      Reynir und Sheona. Auch sie haben ohne Zweifel ihren Beitrag dazu geleistet, dass ich noch lebe. Gemeinsam konnten wir mich zusammenflicken. Die Mittel waren primitiv, die Zeit sprach gegen eine erfolgreiche Genesung ohne Infektionen oder Entzündungen. Doch auch hier habe ich Glück. Das Fleisch heilt. Nur Narben werden Zeugen meines größten Glückes sein. Beide waren für mich da. Auch seelisch. Sheona wachte die erste Nacht über mich. Ihr unbedingtes Vertrauen in mich ist für mich jedes Mal erstaunlich. Noch nie hat ein Mensch so sehr mich mich selbst sein lassen dürfen. Ohne jeden Kompromiss.

      Sheona habe ich als einzige nun meine Prüfung anvertraut. Bis auf ein Detail, welches ich ihr zeigen möchte, sowie ich alles abgeschlossen habe. Doch das wird im Vergleich zur Prüfung ein Kinderspiel. Sie ist sehr daran interessiert. Ich freue mich schon sehr darauf. Auch sie wird staunen, wenn sie dem Tod in die Augen blickt.

      Und heute war der Tag, an welchem die beiden eine große Gesellschaft Willkommen heißen durften. Jake, der seiner Aussage nach gute Fortschritte macht, machte eine Pause und nahm sich die Zeit für uns. Ich freue mich für ihn und dass ich bisher helfen konnte. Der erste Stein für ein solides Fundament. Und ich habe vor, solide und großzügig zu bauen. Auf dass es nie zerbricht.
      Ammaniez, sie verließ die Sankru. So sehr das Feuer zwischen ihr und Ray brannte, so schnell schien es erloschen zu sein, wie ein zu großes Feuer, das an sich selbst erstickt. Sie meinte, sie fühlt sich nutzlos und möchte sich nach anderen Gemeinschaften umsehen. Ich finde es gut, dass sie vorerst ein eigenes Zuhause anstrebt. Denn langsam gehen ihr die Gemeinschaften aus. Sowie sie gelernt hat, auf eigenen Füßen zu stehen, kann sie ihre Kreise weiter ziehen. Sie wird erkennen, wohin ihr Weg sie führt. Und wir werden sehen, welche Früchte er tragen wird. Ich bin gespannt.
      Deisek, der Mann, der Menschen zusammenführt. Er brachte die beiden anderen Gäste zu Sheona und Reynir. Darüber hinaus blieb er nicht lange. Samantha befindet sich nun also auch auf einer Prüfung und somit auf einer Reise. Ja, diese Welt prüft ständig. Ich wünsche ihr alle Kraft die sie braucht, um ihre Lehren daraus zu gewinnen und eine stärkere Person zu werden. Nun kümmert sich Deisek um ihren angedachten Gefährten. Mit mehr oder weniger Erfolg. Doch das hält ihn nicht auf. Der Mann hat klare Ziele. Er verfolgt sie mit Nachdruck und Eile. Zulasten derer, die bei ihm sind. Was sind die Gründe für diese Ungeduld? Ich erinnere mich, er wollte mich sprechen... Das möchte ich nun mit ihm auch.

      Reynir ist allerdings der Erste, den ich mir zur Brust nehme. Er hat einige besorgniserregende Dinge gesagt. Das kann ich so nicht stehen lassen. Allein schon, weil das zwischen uns stehen würde und das kommt nicht in Frage. Das werden wir klären, um hoffentlich dann wieder den alten Zustand wiederherzustellen. Komme was wolle.

      Der Abend endete mit einem langen Gespräch mit Sheona. Es hat mir noch einmal vor Augen geführt, wie glücklich ich sein kann, weiterzuleben. Und die Perspektive verspricht noch viele weitere schöne Momente. Ich freue mich sehr darauf. Nun kann ich auch meinen Fokus darauf legen, da mein Leben nicht mehr in Gefahr ist. Das habe ich ihr gesagt. Und es gefiel ihr. Noch einmal konnte sie mich überraschen und ich erfuhr mehr von ihr. Sie öffnete sich abermals mehr. Wir lächelten Viel. Nickten viel. Ja, es war ein wundervoller Abend, und so kalt mir auch durch mein Blutverlust zwei Abende vorher war, so wärmer fühle ich mich an diesem. Wie ein leichter Flügelschlag...

      Wahrlich, ich kann mein Glück kaum fassen. Es läuft, als wäre alles nur ein Spiel und mit jeder erfüllten Aufgabe kommt die Belohnung. Ich habe alles gesetzt. Und gewonnen. Viel mehr als ich mir erträumen konnte. Ich stimmte die Beobachter zufrieden. Daran gibt es für mich keinen Zweifel. Ich bot ihnen, was sie wollten. Nach diesem Ansatz werde ich weiterhin leben. Ich bin bestens vorbereitet. Und habe noch viel mehr vor mir!


      Sein Blick richtet sich wieder nach drinnen. Eigentlich ist er wieder ausgeruht. Dennoch ist ihm gerade nichts lieber, als die Freiheit zu nutzen und noch ein paar Stunden für sich zu wählen, in denen er sich nochmal an seinen Schlafplatz von vorhin niederlegt. Das ist es ihm nun Wert. Denn nun hat sein Leben eine neue Qualität.
    • Charlie am Ort vom Anfang und Ende


      Akribisch betrachtet Charlie die kleine Flamme. Zu klein und er kann nichts sehen. Zu groß darf sie aber ebenfalls nicht sein. Doch er ist sich sicher, dass es nun passt. Fast direkt davor schlägt er sein Buch auf.


      So befinde ich mich im Alltag.


      Er wirft einen Blick zurück.


      Ja, fast unbegreiflich, doch das ist nun Teil meines Alltags. So besonders es sich auch noch immer anfühlt. Und ich hoffe, dass ich dieses Gefühl nie vergesse. Denn Respekt und Vorsicht dürfen niemals fehlen. Sonst endet mein Alltag sogleich. Ich muss achtsam sein.
      Und diese Achtsamkeit habe ich beinahe gegenüber Deisek auf's Spiel gesetzt. Es kam zu dem Gespräch. Zumindest teilweise, ehe wir unterbrochen wurden. Er drückte mich verbal an die Wand, forderte Erklärungen, Rechtfertigungen. Ich weiß nicht was er denkt, doch scheinbar erkennt er in jedem Schatten eine bösartige Gefahr. Ich ließ mich darauf ein, erklärte und rechtfertigte mich, ohne dies zu müssen. Ich zeigte mich offen und hoffe, dass ihm dies das nötige Signal gibt. Doch gibt es Menschen, die das als Einladung betrachten und fortan stets nach Belieben Rechtfertigungen und Erklärungen einfordern. Nein, das darf keine Basis sein. Denn darauf lässt sich nichts bauen. Ich möchte langfristig etwas wertvolleres erreichen als das. Das Misstrauen überwinden. Einmal gewähre ich ihm diese großzügige Offenheit, die ihm nicht zusteht. Weiteres wird er sich verdienen.
      Darüber hinaus gilt es, seine Feindlichkeit gegenüber "Lowbloods" zu überwinden. Eine ausreichende Basis hat er ja dazu. Ich werde das ebenfalls im Gedächtnis behalten.

      Unterbrochen wurden wir von einer diese Eulen. Diese zeigte sich bei Reynirs und Sheonas Zuhause und landete direkt auf Reynirs Haus. Vollkommen unklar, woher das Tier kommt, was es wollte oder was sein Grund seines Erscheinens war, dienten diese Unklarheiten für die wildesten Spekulationen. Deisek spricht vom neuen Unheilsbringer, Sheona von einem Zeichen der Götter. Doch solange weder ein Zeichen deutbar ist, noch ein Unheil eintritt, ist es erst einmal für mich bloß das Tier, das ich sehe, welches durch besondere Umstände bei uns gelandet ist. Diese wären möglicherweise interessant zu ergründen, sollte es möglich sein.
      Auch reagierte jeder anders. Ammaniez zückte gleich die Waffe. Sheona sorgte sich um Reynir und staunte meist. Deisek stand hinten, kritisierte das Verhalten anderer, gab teilweise gefährliche Anweisungen und war selbst untätig. Ich schnappte mir Vivine, um möglichst mobil gegenüber einem Greifvogel zu sein und testete seine Reaktionen. Beute war nicht sein Ziel. Neugierde war definitiv vorhanden. Ebenso beanspruchte es einen gewissen Platz für sich, den wir nicht überschreiten durften. Selbstverständlich. Als der Regen begann, flog es dann davon. Offenbar war es dem Kreischen und Starren der ganzen nackten Affen überdrüssig.

      Und wie es sich so ergab, sollten Reynir, Sheona und ich auf eine kombinierte Reise gehen. Zuerst zeigte ich ihnen ein paar Stellen, die mir in ihrer Region aufgefallen sind. Es wird sich lohnen, sich damit zu befassen. Als wir das hinter uns hatten, trennten sich unsere Wege. Während Reynir auf eine lange Jagd ging, ließ mich Sheona auf ihren Pfaden des Anfangs laufen. Sie zeigte mir viele Stellen, auch wenn wir sie der lokalen Umständen wegen nicht direkt betreten konnten. Sie hatte wahrlich eine schwere Prüfung zu meistern. Weiter ging die Reise zu einem der wenigen Orte, die ich selbst noch nicht betrat. Umso weniger bereue ich es, da ich diesen Eindruck so teilen konnte. Ein Ort fernab von allem. Voller Schönheit und Ruhe. Wir hielten an einer kleinen Insel. Hier fand ein großes Tier sein Ende, genauso wie der Tag, während wir das Pulsieren der Welt in uns aufnahmen. Alle Sorgen blieben dieser Insel fern und eine Zeit der Entspannung begann. So wie vieles andere. Es ist ein guter Rückzugsort, den ich mir merken werde.

      Das Glück bleibt mir erhalten. Es wird nicht müde, mir das jeden Tag auf's Neue zu zeigen. Ich werde alles in mich aufnehmen. Den Moment genießen. Denn er wird enden. Und niemand weiß, was darauf folgt. Die Pfade sind verwaschen und könnten uns überall hinführen. Wie eigentlich immer. Ich bleibe dran, nichts dem Zufall zu überlassen.


      Der kurze Gedanke, die Flamme von selbst ausgehen zu lassen, wird von einem unruhigen Geräusch hinter ihm verscheucht. So endet das Licht und seine Aufmerksamkeit widmet sich wieder der gegenwärtigen Herausforderung, die sich ihm nun nähert. Doch diese Geräusche werden ihm keine Angst mehr machen.
    • Charlie, der der über und unter Apollon steht


      Schon eine Weile sitzt er vor seinem Buch und überlegt. Selten fiel ihm der Anfang so schwer. Seine Gedanken schweifen bereits ab zu anderen interessanten Dingen. Und da, plötzlich fliegt der Stift über das Papier.



      Apollon, altgriechischer Gott des Lichtes, der Heilung, der Mäßigung. So war es doch, nicht wahr?
      Heute stand ich ihm nahe wie noch nie zuvor. Ich kann nicht übersehen, dass ich mich vor vielen weiteren Prüfungen wiederfinde. Sie finden im Stillen und in mir selbst statt.

      Der Tag heute hatte Ausmaße angenommen, ich hätte ihn am liebsten vergessen. Übersprungen. Ignoriert. Jedoch belohnte mich der richtige Pfad am Ende. Doch der Reihe nach.

      Eine Jagd, die mich so sehr verzehrte wie schon lange keine mehr. Am Ende schließlich doch erfolgreich, bin ich jedoch müde sofort ins Schlafgemach gefallen. Ich erholte mich für Stunden und fand mich somit auch erst später vor Reynir und Sheona. Reynir wollte eine Reise antreten und schien ungeduldig, als hätte er auf mich gewartet und würde dies nicht mehr länger wollen. Noch nicht ganz erholt und fit, wollte ich dennoch mit. Wir beschlossen zu reiten, statt das Floß zu nehmen. Dies sollte Reynir uns unterwegs noch mehrfach vorwerfen. Er als Initiator der Reise, übernahm die Führung. Doch unsere Kommunikation war dürftig, sodass wir mehr Konflikte hatten als nötig. Diese wurden auch brutaler und blutiger gelöst als nötig. Teilweise wurden für mich nicht nachvollziehbare Entscheidungen getroffen und Risiken eingegangen. Wieso wählte er den gefährlicheren Weg? Meine Alternativen schlug er aus. Ich mäßigte mich und schenkte ihm mein Vertrauen, sodass ich schweigend folgte, doch es stellte sich als ein schlechter heraus. Umgekehrt vertraute er mir nicht, als ich auf dem Rückweg den geschickteren Weg zeigen wollte. Tatsächlich trennte er sich sogar von mir und wir fanden uns erst in ihrem Lager wieder. Es hatte mich sehr verärgert. Ich glaube nicht, dass er so viel ungeschickter ist als ich. Ich glaube, es interessiert ihn einfach nicht.
      Ich werde mir überlegen, wie wir das in Zukunft besser lösen können.

      Schließlich zeigte sich Sheona sprunghaft und überließ meine Frage dem Staub. Auch das war verwirrend und ungewohnt.
      All das hatte zur Folge, dass ich den Tag bloß noch abschließen wollte. Es enttäuschte Sheona, dass ich nicht länger blieb. So ging ich Zuhause an meinem Lager Zuhause meiner Arbeit nach. Mein innerer Nebel lichtete sich wieder, und das war gut, ist er doch genauso lästig wie sein echter Cousin. Ich wollte nicht, dass dieser Gesichtsausdruck von Sheona der letzte ist, den ich für heute gesehen habe. Es lag nur an mir, daran etwas zu ändern. Also kehrte ich nochmal zurück.

      Es sollte sich lohnen. Und wieder sprachen wir über interessante, spannende Dinge. Die sich bildende Gemeinschaft bedarf vorhergehender Worte, ehe sie sich gesetzt hat. Und hier ertappe ich mich bei einer Offenheit, die mich selbst überrascht. Nun, zumindest bleibe ich hier meiner Konsequenz treu. Und es ist so, wie ich es sage – in dieser Welt ist kein Platz für halbherzige Entscheidungen. Was ich auch tue, ich möchte mit vollem Herzen dabei sein. Das bedeutet also, dass ich versuche, alle möglichen Wege zu verstehen. Darum muss ich mich mit ihnen intensiv befassen. Es werden weitere Gespräche folgen. Und vielleicht lasse ich abermals einen Teil des alten Charlies hinter mir, der stets nur seinen eigenen Weg gegangen ist und sie nie fremdbestimmen lassen wollte.

      So ist diese Welt nunmal. Flexibilität ist Trumpf. Geduld. Mäßigung. Und das lerne ich nun. Übe mich weiter darin.


      Und Sheona hilft mir hierbei. Von ihr konnte ich lernen, dass es sich lohnt, abzuwarten. Den ersten Impuls zu mäßigen und weiter zu gehen. Zu vertrauen. Sie hat mich hier noch nie enttäuscht. Schon mehr als einmal sah es für mich erschreckend aus, was sie tat oder sagte. Doch jedes Mal auf's Neue wurde meine Zurückhaltung belohnt, wenn ich sie später nochmal darauf ansprach. Eine für mich völlig neue Erfahrung. Und ich möchte diesen Weg weiter gehen. Ihr vertrauen. Denn sie enttäuschte mich noch nie.

      Ja...das ist es, was ich mitunter an ihr so besonders finde. Was Sheona ausmacht. Was mir gefällt. In ihr wohnt eine Stärke und Ruhe, nach der sich ein Teil von mir sehnt. Nicht, weil ich selbst Schwach oder Unruhig bin. Letzteres vielleicht ein bisschen, aber nicht mehr so wie früher. Aber nein, es ist vielmehr so, dass ich von ihr lernen kann. Während sie neugierig von mir lernt. Von ihr erfahre ich eine Toleranz, wie es kein anderer vermochte. Ich empfinde...ja...eine Harmonie. Das habe ich vermisst. Sie tut mir gut. Deshalb ist sie die Mühe wert.


      Er schließt das Buch, steht leise auf. Es ist noch dunkel, doch er kann seine Verpflichtungen nicht weiter hinausschieben. Schon bizarr, egal wo er ist, er wird das andere vermissen. Nur in seinem Lager fehlt ihm beides.
    • Die Feder ist mächtiger als das Schwert, Charlie


      Diesmal ging er früher als sonst. Die Lage erfordert das eben nunmal. Zum Glück stößt er hier auf absoluten Respekt. Denn wie er so schön festgestellt hat – es geht nicht um das Bild, sondern um ihn.


      Zu Beginn verbrachte ich eine gute Zeit mit Reynir. Wir hatten einige interessante Gespräche. Und er hat...interessante...Ansichten.
      Zuerst teilte er mir sein hohes Interesse an Basilisken mit. In der Tat interessante Tiere, die zu denen gehören, von denen ich noch nicht so viel weiß. Es war für mich also selbstverständlich, mich hier zu beteiligen. Es war für uns nicht schwer, ihm zu besorgen, was er für seine Forschung benötigte. Grundgütiger, auch wenn ich festhalten muss, wie anstrengend es sein kann, wenn zwei Menschen zugleich die Richtung vorgeben wollen. Doch wir fanden uns zum Glück immer wieder. Schließlich führte ich ihn dorthin und er konnte mit der Untersuchung beginnen.
      Seine Ansicht bezüglich Deisek überraschte mich. Sheona erwähnte soetwas nie. Doch er ist vollkommen davon überzeugt, dass er ein Gesichtsloser ist. Sollte das stimmen, wären alle unsere Versuche, ihn zu einem anderen Pfad zu beeinflussen vergebens. Denn wir wären Stümper im Vergleich zu einem Anhänger der Intriganten und Täuscher.
      Dazu sein Hinweis, wie ich mit Sheona umgehen sollte...hier bin ich überzeugt, unterschätzt er sie. Ich glaube nicht im Geringsten, dass sie meine derartige Hilfe braucht, um so weit zu kommen. Nein, sie hat mir bereits gezeigt, wie viel Mut in ihr steckt!

      Dann die Hiobsbotschaft. Der Glockenschlag, der mich aus dem Schlaf riss. War mein Eindruck doch so anders, kam Jake zu mir und warnte mich vor Deisek. Er tat nichts geringeres als das, was er selbst unter Androhung uns untersagte, nämlich bei den Sankru anzuschwärzen. Zuerst war Wut Herr der Situation meines Innersten. Dem wich Zuversicht, als Jake seine Position zu meinen Gunsten beteuerte. Es war noch nicht das letzte Wort zueinander gesagt, da kam Ramona selbst dazu. Zum ersten Mal gab es von ihr einen richtigen Besuch bei mir. Sie nahm ebenso an unserer Runde Platz und die Worte wiederholten sich. Ramona und Jake schienen die Sache unter sich vorerst zufriedenstellend geklärt zu haben, während ich meinen Teil der Geschichte erzählte. Ich war überrascht über ihre Bedachtheit in der gesamten Situation, sowie die Weitsicht dabei. Es ist schön zu sehen, dass sie sich weiterentwickelt hat. Und sowie wir unsere Standpunkte vortrugen, sollte sich vieles ändern.
      Dazu gehört Ramonas zweiter Besuch. Sie blühte bei unserer Gartenplanung regelrecht auf. Und herrje, ich musste mich wirklich zusammenreißen, als sie plötzlich mit Fachwörtern anfing. Es ist lange her, ein Gespräch in solche Tiefen gebracht zu haben. War ich es doch gewohnt, schlicht zu erklären, doch hier wusste jemand sehr gut Bescheid. Und wie sagte mein Vater immer: Lerne was, dann weißt du was. Als Jugendlicher spottete ich über diesen augenscheinlich simplen Satz. Hätte ich mich doch nicht nur um's Verstehen, sondern auch um die Begriffe gekümmert...das hatte aus mir hier, ja hier in dieser Welt tatsächlich geholfen.
      Das Ereignis ist eine Einleitung. Die Zeit der Isolation ist vorbei. Und damit die Zeit, in der Charlie regelmäßig mit allerlei Gerüchten in Verbindung gebracht wurde, weil eben kaum einer wusste, ob dem so war oder nicht. Ich beende die Zeit der regelmäßigen Erklärungen und der Distanzierung zu den Sankru. Stattdessen werde ich in Zukunft mit der Sanar und John Wayne in den Austausch und in Handelsbeziehungen treten.
      Dennoch hatte diese Zeit der Distanzierung wohl auch etwas Gutes. Ein jeder der mitbekam, dass die Sankru kurz davor standen, Jagd auf mich zu machen, schrieb mir keine echten Überlebenschancen zu. Selbst in Bezug auf Deisek hatte ich fast das Gefühl, Ramona hatte mich in Gedanken bereits unter ihren Arm gepackt und versteckt, hätte ich sie nur um Hilfe gebeten. So klein muss ich wirken. Oder ist es wieder dieser Stolz? Wer weiß. Doch so soll es eben sein. Ein Grund zum Schmunzeln hat noch nie geschadet.
      Ein guter Weg.

      Sheonas Entschlossenheit begegnete mir dann auf einem ganz anderen Gebiet. Zumindest dachte ich das am ersten Tag. Doch schon ein weiteres Gespräch mit Deisek und sie schwankte, obwohl er keinen Grund dazu gab. Er sagte noch tat er etwas Entscheidendes. Nur Worte der Verunsicherung. Ich hoffe, dass sie es in Bezug auf ihren Weg nicht tut. Schwanken. Denn falls doch, wird sie ihn hier gefährden. Ich für meinen Teil werde tun was nötig ist, so sehr ich es auch hasse. Doch ich habe mich entschieden. Und sollte Deisek mir nicht überzeugend darlegen können, dass er meine Ziele nicht im Geringsten gefährdet, werde ich alleine ausreichen, um ihm sein Leben in dieser Welt unerträglich zu machen. Denn sollten seine Worte nur im Ansatz wahr sein, so ist er ein geringerer Mann als ich dachte. Und fürchten musste ich ihn nie. Und so wird es bleiben. Es ist ein guter Weg.

      So auch insgesamt. Insgesamt ein Guter Weg. Ich habe definitiv die richtigen Entscheidungen getroffen. Ich ernte immer mehr Früchte meiner Arbeit. Nicht nur wörtlich. Und das Schönste ist doch, zu sehen, wie dadurch mit betroffen meine Mitmenschen ebenfalls erblühen. Und wie in einer Wechselwirkung, erhebt mich das noch weiter. Wäre ich nicht so zielorientiert gerade, ich müsste fürchten, ich würde mir noch höhere Ziele setzen, als ich es bisher tat. Aber nein, das genügt. Ich bin glücklich mit allen, die nun um mich sind. Egal wo sie sind, wie sie sind und wie sehr ich mich für sie anstrengen muss. Sie sind es Wert. Egal ob bei Tag...oder bei Nacht...oder


      Hier wurde ein dicker fetter Punkt gesetzt, als wollte er sich selbst daran erinnern, dass hier nun wirklich genug ist. Es genügt auch schon, wenn die Gedanken sich kaum fassen lassen, weil sie wie wilde Pferde voraus galoppieren und nicht daran denken, sich greifen zu lassen.

    • Gunst, Götter und Glück. Und Charlie.


      Noch nie fiel ihm das Aufstehen so schwer. Dabei liegt der Grund weder an Beschwerden, noch an Lustlosigkeit. Der einzige Grund liegt direkt bei ihm. So ist es nur natürlich, dass er statt zu den Schuhen zuerst zum Buch greift.


      Sheona sagte, wir befinden uns im Wandel. Je mehr ich es mir bewusst mache, desto mehr stimmt das. Ich kann eine innere Ruhe vernehmen, auch wenn diese durch ungenügend Schlaf in der letzten Zeit...naja, eben gebremst wird. Doch es gibt wahrlich gute Gründe dafür.

      So ist die erste Anspannung bezüglich Deisek nochmals abgefallen. Ich bin gespannt, wie seine nächsten Schritte aussehen. Ging er anfangs noch in die verzweifelte Offensive und wich allem sonst aus, änderten die Worte der Sanar sein Auftreten. Sie sprach Worte, die mir auch schon eine Weile durch den Kopf gehen. Wir sind so wenige. Stehen bereits gemeinsam am Abgrund. Uns nun gegenseitig dort hinab zu stoßen, wird uns nicht retten, sondern mitreißen. Zugleich hoffe ich wirklich, er nahm sich meine Worte zu Herzen und wendet sich nicht der Isolation zu, dafür aber stets dem Dialog untereinander. Ich sah es in seinen Augen. Ich bin davon überzeugt, dass seine Angst real ist, von der er sprach. Einen fürchtenden Mann sollte man nicht zertreten, sondern die Hand reichen. Verantwortung übernehmen. Auch seine einer Erlösung gleich kommenden Reaktion auf die Aussicht eines gemeinsamen Friedensbündnisses wirkte authentisch. Wolltest du darum das Bündnis, Deisek? Weil Worte deine Angst nicht vertreiben können, sondern nur der Vertrag, ein Pakt? Ich nahm seine Entschuldigung an. Ich stehe zu meinem Wort und er wird einen fairen Neuanfang erhalten. Mit offenen Armen. Was wirst du daraus machen, nachdem du noch einmal die Gunst deiner Mitmenschen erfahren hast?

      Die Versammlung zerstreute sich dabei nicht nach getaner Arbeit, sondern blieb zusammen, plauderte. Als verdiene der zum ersten Mal aus aller Munde ausgesprochene Friedenswille Atem, den man sich gegenseitig spendet. Als käme es einem Frevel gleich, sofort den Ort des Gesagten sofort zu verlassen. Und so ging es um Allerhand. So auch am nächsten Tag. Wir sprachen über den Langhals, der in meinem Lager wütete und großen Schaden anrichtete. Über Götter, die das gesehen, eventuell verursacht haben könnten. Der Glaube war in letzter Zeit viel Thema. Ramona mag dieses Thema. Und Pflanzen. Ob sie auch Menschen mag? Ohje...ich muss mir noch was einfallen lassen, sowie ich ihr zeige, wie ich an den tollen Pilz rankomme. Denn...ach, das klappt schon. Ich finde es toll, dass sie uns an ihrer aktiven Forschung teilhaben lässt. So geht es auch schneller. Vor allem befasst sie sich mit Dingen, denen ich noch nicht viel Aufmerksamkeit widmete. Und vielleicht sollte ich mir darüber selbst Gedanken machen. Würde ich meine Forschung mit Dritten teilen, die entsprechend sorgsam und fähig damit umgehen, würde das dem Ganzheitlichen zugute kommen. Und darum geht es mir schließlich. Ich habe mein Mammutprojekt schließlich nicht vergessen. Sowie es stünde, könnten wir so viel mehr verstehen.

      Sheona hatte Recht mit ihrem Hinweis. Wer weiß, hätte sie ihn mir nicht genannt, hätte es böse enden können. Hierbei konnte sie mir wirklich helfen, ohne da zu sein, was sie sich immer wieder wünscht. Dabei brauche ich in vielen Dingen immer weniger Hilfe. Die Strecken, die ich ganz allein zu Fuß zurücklegen kann, sind beeindruckend. Gefahren werden immer geringer, bedingt durch die letzten Ereignisse. Ich muss aufpassen, deshalb nicht nachsichtig zu werden. Doch alles in allem gibt es bei all dem Glück nur Grund zur Freude. Nach fünf Tagen der Abwesenheit, war es umso schöner, wieder Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu haben. So war ich mit Sheona in der Gegend und sie zeigte mir die Stelle, die sie und Reynir vor langer Zeit beeindruckten. Es war so schön, wir entschieden dort zu bleiben, die Zeit zu genießen. Zum Glück hatte ich mein Zelt dabei, um noch ein zweites aufzubauen.

      Ein gemeinsamer Weg formt sich. Das ist gut. Ein guter Weg.


      Etwas blendet ihn. Doch es kommt irritierenderweise nicht von der Fackel hinter ihm. Die Sonne durchdringt mit wärmender Kraft das bewachsene Holz und steht viel höher als er dachte. Das bedeutet, dass er die Zeit mehr als genug für sich ausgedehnt hat. Ein letzter Blick, dann geht es wieder los. Wieder – wie ein Alltag.
    • Herz um Herz, Zahn um Zahn, Charlie


      So bitter er es auch nötig hat, er wird diese Nacht keinen Schlaf finden. Zum Glück. Vielleicht kann er später noch die ein oder andere Stunde nachholen. An dem einzigen Ort, an welchem er sich noch sicher fühlt. Auch wenn ihm dort das Glück fehlt.


      Die Beobachter geben, die Beobachter nehmen. Sheona glaubt nicht, dass die "Götter" damit etwas zu tun haben. Dennoch, sie war dabei, hat es gesehen und ist genau wie ich der Meinung, dass das alles andere als natürlich und normal war. Strenge ich mich noch immer nicht genug an? Wollt ihr mich noch weiter treiben? Ja, ihr habt mir deutlich gezeigt, dass das was ich habe, noch nicht ausreichend ist.
      Dieser Rex war das imposanteste Exemplar, welches ich beobachten konnte. Und diese Art gehört zu denen, mit denen ich mich bereits genauer befasst habe. So einiges weiß. Wie viele Dutzend, wohl über hundert verschiedene Exemplare habe ich insgesamt hier und auf Ragnarok gesehen. Viele sind gegangen, andere kamen neu, wie aus dem Nichts. So wie viele andere Tiere auch...
      Und keines war so kräftig wie dieser. Oder verhielt sich wie er. Den, den ich damals mit Yasko erlegte, als wir ihm eine Falle stellten, war nicht so kräftig. Ich erinnere mich, wie sich ein etwa durchschnittlicher Rex an unseren Holzbarrikaden verbiss und vor lauter Zorn und Gewalt sich selbst daran aufspießte. Doch das Tier, es hat...wie in diesem Dino Film...war es der dritte Teil? Als dieser Spino durch die Stahlkonstruktion brach. Genau das passierte. Nur viel näher. In meinem Lager.
      Ich hörte Skrollans Jaulen vor meinen Toren. Sheona und ich alberten, ehe ich sie einließ. Sie saß kaum ab und ich wollte gerade meine Überraschung ausdrücken, als mächtige Schritte immer lauter wurden. Ich ging drei Schritte zur Seite, sah über die Barrikade und das Tier rannte mit aller Kraft hindurch ins Lager. Ich rannte wie der Teufel sofort zu Vivine, hinter mir der fleischgewordene Terror. Ich saß auf, sah mich um. Sheona war mit Skrollan weg, das Tier floh unkontrolliert über die Klippe ins Wasser. Und da stand ich allein. Und der König der Insel wütete wie im Zornesrausch. Ich hatte einige Pfeile mit meinem besten Betäubungsmittel bei mir, doch sie durchdrangen seine Haut nicht. Es störte ihn nicht. Es war wirkungslos, hoffnungslos. Da verstand ich, wie ohnmächtig ich war. Ich konnte nichts tun, außer seinem Treiben zuzusehen. Er interessierte sich nicht für mich. Es war blinde Zerstörungswut. Er verbiss sich in alles. Creepy war als einziger schnell genug um ihm zu entkommen. Alle anderen, selbst die Patienten, fanden den Tod. Er fraß sie nicht mal. Es sollte ein Massaker werden. Ich brüllte, doch es half nichts. Stattdessen wurde selbst das von seinem Schrei erstickt, den er immer wieder ausstieß. Seine Energie, Kraft und Ausdauer waren grenzenlos. Abgesehen von oberflächlichen Kratzern durch die vielen Barrikaden, die er zerstörte, war nichts. Er kam, tat sein Werk. Und ging. Ganz plötzlich drehte er aus eigenem Antrieb um und sprang in den Fluss, der Wasserfall trieb ihn hinab, doch auch das machte dem Tier nichts. Und dann stand ich da. Vor den Trümmern. So viel Zerstörung. Nichts lebte mehr hier drinnen. Oder stand noch gerade. Und nicht nur Strukturen sind daraufhin zerbrochen.
      Ich fing Creepy ein und suchte Sheona. Wir fanden uns bald. Leckten unsere Wunden. Sie drückte mehrfach aus, wie Leid es ihr tat. Schloss sogar nicht aus, dass es ihre Schuld gewesen war, auf dem Weg zu mir. Doch mein Lager war so aufgebaut, mit den Erfahrungen, die ich mit anderen Rexe machte, was sie aufhielt. Sie hatte nichts falsch gemacht und besser rennt sie mit dem Rex zu mir, als ins Ungewisse. Doch nicht bei diesem.
      Zorn stieg auf. Meine eigene Zerstörungswut. Nicht, weil er mein Lager schleifte. Nicht, weil er wochenlange Arbeit mit meinen behüteten Patienten zerriss, weil er den Vogel, der morgen seinen Tag in Freiheit hätte fortsetzen dürfen, in seinen dunklen Schlund für immer verbannte. Sondern weil er meine monatelange Arbeit, die in meinem Lager und so vielem mehr gipfelte, mit Füßen trat. Ich war nicht bloß unterlegen. Ich war ohnmächtig.
      Die Gedanken kreisten. Zwar redete Sheona ständig mit mir, doch es reihten sich nur mehr Gedanken in dieses Karussell, welches sich umso schneller drehte. Mein Fokus verschwand. So auch der klare Verstand. Und beinahe, um ein Haar hätte ich meine Sheona, die mir blind vertraut und bedingungslos ohne Wenn und Aber folgte, in den Tod gerissen. Das Treiben in den grünen Landen rüttelte mich wach, als ich vor Augen sah, was ihr hätte passieren können. Und der Zorn verflog. Vernunft kehrte ein. Und damit endlich wieder die Kraft für meinen eigentlichen Pfad. Ich will diesen Rex garnicht töten. Ich wollte doch Leben erhalten. Beinahe wäre das alles eskaliert. Was hätte das aus mir gemacht? Egal ob es geklappt hätte oder nicht. Es war so knapp... Sheona zeigte sich unbeeindruckt, als ich ihr das erzählte, was ich vor hatte. Für sie zählte nur, dass unterm Strich nichts passiert ist. Ganz einfach. Wieder diese Ruhe und Gelassenheit. Einfachheit. Und abermals fragte ich mich...könnte ich das auch?
      So kehrten wir in unser Zuhause zurück. Noch immer kreisten die Gedanken darum, aber auf einem anderen Niveau. Zuerst war ich noch Rastlos. Dann unruhig. Dann nichts. Und schließlich zeigte Sheona zeitgleich, dass ich mich nicht nur auf sie verlassen kann, nachdem sie mir in völlig kompromissloser und äußerst effektiver Art half, meinen Fokus zu halten, damit meine Gedanken nicht mehr abdriften. Nein, sie strafte auch Reynirs Worte und Einschätzung Lügen. Und plötzlich war alles wieder gut. Nein. Besser. Diese Frau...sie ist nicht die, die ich verdiene. Aber sie ist unbestritten die, die ich brauche.
      Und somit gaben wir uns schon vor einer Weile ein Versprechen. Ein Versprechen, welches heute mit dem dazugehörenden Ritual besiegelt wurde. Das ist gut....ein guter Weg.


      Das Buch klappt zu, er lässt es neben sich liegen.Und wieder kreisen seine Gedanken. Doch diesmal in die andere Richtung. Und so geschah es, dass er es nicht mitnahm und vergaß.
    • Charlies umschlungenes Glück


      Sheona sitzt etwas entfernt von ihm, geht ihren Dingen nach. Sein Blick ist auf sie fixiert. Gedanken jagen einander. Sie sollte mal wieder Recht behalten. Sie tat wirklich alles, um Charlies Ankündigung, ihre Instinkte würden sie täuschen, unwahr werden zu lassen. Aber er verlässt sich ja mittlerweile bereits darauf, dieser Frau zu vertrauen. Ein Guter Moment, um Eindrücke festzuhalten, ehe er sich wieder anderen widmet. Der gedämpfte Schein der Fackel reicht noch aus.


      Rache ist süß, heißt es. Nicht so in meinem Fall. Meine Rache war eiweißhaltig. Und damit ist genügend für das innere Wohlbefinden getan. Es scheint wieder alles an die richtige Stelle gerückt. Nichts ist mehr verrückt. Die Ausgangslage, die ich brauche, um eben an der Besserung unserer Situation zu arbeiten. Und um Sheona nicht mehr in Gefahr zu bringen. Die Ergebnisse sprechen schließlich für sich.

      Es ist äußerst wohltuend, dass Sheona sich nun viel mehr an meiner Arbeit beteiligen kann und will. Insgesamt, und das kann ich nicht ohne erneutes Staunen festhalten, gibt es mittlerweile mehr Tätigkeiten, an denen sie sich beteiligt, als die die ich alleine verrichte. So war es nicht einmal bei Elois. Nein. Nicht einmal im Ansatz.

      Reynir wirkt wieder so zurückhaltend. Und so erstaunlich gelassen. Ein Mann, der zu ernsten Themen wohl weit mehr denkt als spricht. Ich habe nun mehrfach erlebt, dass Sheona erwartungsvoll mit ihm sprechen wollte, doch das Ergebnis war ernüchternd, weil er sich eben da raus hält, oder dem nicht so viel Beachtung schenkt. Während umgekehrt ein Deisek gar abenteuerliche Vorschläge macht, die mehr in einen Roman als in eine Planung gehören, um unser Lager zu schützen. Ich wünschte, Reynir würde sich mehr kümmern...bisher fühlt es sich noch nicht wie eine Dreiergemeinschaft an...

      Dann das Buch...es hat weit mehr Fragen als Antworten gegeben. Das was angedeutet wurde, klingt sehr besorgniserregend. Es wurde wieder mit Dingen gespielt, die unberührt belassen gehören. Selbst wenn es nur ein Pilztrunk war. Doch dafür war die Richtung und Beschreibung zu klar...
      Darauf aufbauend, bot sich Sheona an, mit mir ihr Wissen zu teilen. Das Thema war schon viele Monate nicht mehr aktuell...zuletzt, als es um Kenans Schule ging. Doch die alte Schrift zu beherrschen, das ist wirklich eine sinnvolle Idee! Ich werde mich dem sehr gerne widmen.

      Darüber hinaus lief es mit den Vorbereitungen sehr gut. Skrollan und Vivine vertragen sich, auch wenn sie nicht viel mehr miteinander zu tun haben. Mit sorgfältigen Vorbereitungen kann man sie alleine lassen. Das ist gut.

      Und so kam, was kommen musste. Ich zeigte ihr meine bislang größte Errungenschaft. Unsere langen Vorbereitungen waren abgeschlossen. Und es ist gut, dass sie das Ganze mit eigenen Augen sehen und beurteilen kann. Ich denke, sie versteht nun das Problem. Und sie hat wirklich so reagiert wie erhofft. Mehr sogar. Es wärmte mir das Herz. Eine Mischung aus Erleichterung und Stolz füllte mein Innerstes. Ich frage mich, wie sie auf mein Angebot antworten wird. Wie der Gipfel des höchsten Berges und noch einen Satz darüber. So greifbar war dieser Tag. So unglaubhaft. Dennoch ist es so. Und darum gebe ich nichts, wirklich nichts auf das Geschwätz Dritter, von denen ich weiß, dass sie mir hier nicht das Wasser reichen können. Sheona ist nun mein Zeuge. Sie berühren mich nicht.

      Ja, das war vielleicht der intensivste Tag meines Lebens. Er vereinte so vieles. Brachte alles aus uns hervor. Und Zuversicht ist, was bleibt und unseren Weg zurück begleiten wird. Ein guter Weg...genau der, den ich will. So sehr wie sie. Ich bin so glücklich, das ohne Zweifel noch einmal sagen zu können!


      Kaum war der letzte Punkt gesetzt, richtet sich sein Blick in die Richtung, aus der das laute Geräusch kam. Doch seine Instinkte haben ihn getäuscht. Sein Blick verweilt in dieser Richtung. Drei für drei...der Vorführeffekt blieb wahrlich aus, besser hätte es nicht laufen können. Es hat wahrlich seinen Eindruck, auch bei ihm, hinterlassen. Auch wenn es nicht hätte sein müssen...aber manchmal lässt es sich eben nicht vermeiden. Und die Verantwortung für alle kann und will auch Charlie nicht übernehmen.
    • Neu

      Das Ende des Charlie Kaczmarek


      Schwer Atmend, wirklich am Ende seiner letzten Kräfte, wird sein letzter Griff zur Feder und dem Farbbehälter sein.


      Ich habe es noch einmal geschafft. Noch einmal konnte ich die Gefahr eines Rexes abwenden. Würde Sheona erfahren, welches Risiko ich auf mich nahm, sie würde wohl zurecht schimpfen. Aber jetzt spielt es keine Rolle mehr. Es ist passiert. Und der Rex ist woanders.

      So vieles ging in letzter Zeit zu Ende. Vor wenigen Tagen haben Reynir, Sheona und ich meine alte Behausung abgerissen. Und noch mehr als das. Mit der Behausung zerfiel ein Teil von mir. Der Teil, der seinen eigenen Weg ging. Auf dem ihm niemand begleitete. Der sich nicht auf andere verlassen konnte. Doch das entspricht nicht mehr der Realität. Es gibt Menschen, auf die ich zählen kann. Die einen festen Bestandteil meines Weges darstellen. Das, wovon Kenan und Connor sprachen, über "Familie", die kleinen Kreise, dass es das wichtigste sei, daran festzuhalten...zum ersten Mal gibt es Menschen, die das nicht nur genauso sehen, sondern sich mit mindestens derselben unbedingten Leidenschaft diesem Ziel widmen. Und endlich sehe und spüre ich die Früchte meiner arbeit sprießen, schneller und größer als die prächtigsten Pflanzen meines noch immer stehenden Gartens. Ich spüre es in mir, wie auch hier draußen. Und ich sehe, wie es anderen genauso geht. Allein, dass sie es mit mir teilen können, ist eine der süßesten Früchte in meinem inneren Garten.

      Zugleich tat Sheona das einzig richtige, als sie präzise und ohne Zögern ihren Speer in mein Ich rammte und damit das letzte konsequent tötete, was an mein altes Ich, das schwache, einsame, unbedeutende Etwas, erinnerte. Sie zog ihn raus und ich ließ Charlie Kaczmarek dort liegen, wo er starb. Kein Stein wird ihn je wieder zurückholen. Weder Hand noch Blick von mir werden sich je wieder zu ihm richten. Stattdessen schaue ich nach vorne zu dem Menschen, der mir bei meinen letzten entscheidenden Schritten half. Die mir und unserer Gemeinschaft einen neuen Namen gegeben hat und fest an mich glaubt, davon überzeugt ist, dass es eine Ehre sei, wenn ich dazu gehöre. Ich kann es weder beurteilen noch fassen. Doch ich werde alles dafür tun. So wie Reynir dazu beitrug, dass es Sheona Skadi gibt, so trug sie nun dazu bei, dass nun Charlie Skadi in die Fußstapfen seines alten Ichs tritt und diese in dieser Welt hinterlassen wird.
      Ich erinnere mich noch, als Elois und ich mit Connor sprachen...die Rede von der Nähe zu Blackwater...vielleicht eines Tages selbst einer zu sein. Ich wollte das nicht. Ich war kein Blackwater. Dafür weiß ich nun umso mehr, wer ich bin. Was ich will. Selten trug ich etwas mit mehr Stolz. Wenn das so weiter geht, ziehe ich nachher wirklich noch solch einen Pelz an. Nein!

      Und gefüllt voller Freude, Liebe und Stolz, werde ich nicht scheuen einen Rex vor unseren Toren laufen zu lassen. Ich nahm mich ihm an und tat das Nötige. Meine Lunge brennt noch immer, sehen kann ich ebenfalls noch immer schlecht, ebenso rauscht das Blut betäubend laut durch meine Ohren. Doch er erwischte mich nicht. Erreichte nicht sein Ziel. Ich schon. Und das lasse ich mir von keinem nehmen. Selbst wenn die "Götter" es irgendwelchen religiösen Fanatikern erzählen sollten. Wer nur den Tod kennt, von der Zerstörung und dem Ende lebt, kann mit mir nicht schritthalten. Denn es gibt so viel mehr als das. Und daraus entsteht so viel mehr... Ich bin es und bleibe es. Ein Bewahrer. Selbst wenn es bedeutet, mich selbst dafür weiterzuentwickeln. Nur Narren sehen darin einen Widerspruch. Denn Stillstand ist der Menscheit Tod.


      Die Feder fällt aus seiner zittrigen Hand. Mehr geht nicht mehr, auch wenn die Gedanken rauschen, wie das Blut in den Ohren. Doch etwas Schlaf und er wird wieder ganz der alte sein. Nein. Ganz der neue.
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      Wenn große Bäume mächtige Schatten werfen



      Heute steht also Familienrat an. Noch ein letztes Mal sammeln, bevor es später los geht. Es ist sicher gut, alles Geschehene dafür nochmal durchzugehen. Darum passt der Griff zum Buch doch sehr gut.


      Zwei für zwei. Welch Ironie. So sind Ramona und Ulysses unterwegs, für eine lange Zeit. Und kaum wurde ihre Abwesenheit bemerkt, taucht ein neues Paar auf. Eine Vok mit dem Namen Svari, mit ihrem Tiergefährten Bilou. Es ist das erste Mal, dass ich einen großen Affen als Gefährten sehe. Doch es scheint zu ihrer Lebensweise zu passen, hoch oben in den Bäumen. Sie wusste nicht, wie ihr Geschah, als sie hier landete. Sie hat die Hoffnung, nach Hause zurück zu kehren, wobei ihre Erzählungen vermuten lassen, dass es diese nun auch nicht mehr gibt. Sie wurde gleich zweimal aus ihrer Heimat gezogen. Zuerst gefühlt, beim Begleiten der Expedition und nun aus ihrer Welt gesamt. Nun wandelt sie auf dem Boden, wie sie sagt. Ein Ort, der Vok Angst bereitet. So aber nicht ihr. Sie kommt regelmäßig zu Besuch, manchmal sogar allein. Selbst Rexe konnten sie da nicht abschrecken. Sie zeigt sich neugierig und wirkt harmloser, als sie ist. So einen Tiergefährten hat und hält man nicht einfach so, es erfordert Fähigkeiten. Wir werden sehen.

      Der Zweite ist der nun als Jaro bekannte Namenlose. Ein Mann, der sich so tief den Schatten verschrieben hat, dass Dunkelheit in umhüllt. Dunkelheit ist ein Ursprung der Angst und Gewalt. Nachts, wenn die Sinne getrübt sind, ist ein jedes Tier nervöser, denn aus der Dunkelheit kann böses hervorspringen. Und obwohl auch er davon getränkt scheint, hält ihn dies nicht auf. Er war tiefer als jeder von uns auf dieser Insel, gleich beim ersten Mal. Und er kam nicht nur mit einer Menge Erfahrungen, sondern auch Forderungen zurück. Er spielt mit dem Feuer. Das weiß er. Also versucht er, sein Leid zu teilen. Mit uns. Wir sollten uns dieser riesigen Spinne widmen... und dabei scheut er nicht zurück, Dinge zu Problemen zu erklären, die keine sind. So ist es wahnsinn, ein unbekanntes, riesiges Tier zu bekämpfen, sollte es uns hier unvorbereitet erwischen. Die Flucht halte ich hier für das bessere Mittel. Vorerst. Und dennoch versuchte er mir hier eine Schuld einzureden, ich würde somit den Schwächsten opfern, wobei er mit dem Kampf sie alle riskiert. Er drehte es sich im ganzen Gespräch so zurecht, wie es ihm nutzte. Aber nicht mit mir. Jedoch ist auch er ein Mann, bei welchem man das Wort zweimal umdrehen muss. Es ist wieder Vorsicht geboten.

      So sind es nun zwei für zwei. Und gefühlt hat sich vieles nicht geändert.

      Und dennoch, in der großen Runde sind viele bedenkliche Sätze gefallen. Manche, die auf die Angstmacherei anspringen. Andere wieder auf die Provokationen. Es war sehr viel Wirbel. Schon die letzten Tage. Das hat mir wahrlich gereicht. Sollen die Narren unter sich sein, dachte ich, und zog mit Vivine hinaus, in die ersehnte Ruhe.

      Sheona, mein treudoofes Herz, versuchte mir zu folgen. Sie hatte natürlich keinen Erfolg, doch ich fand sie auf dem Rückweg. Wir redeten und gewannen erste gute Erkenntnisse. Wieder gemeinsame Wege. Besserung der Situation. Und so auch die Tage später. Ich genieße diese Zeit. Es macht den Wirbel erträglich. Und es fällt mir so leichter, die Angst zu beherrschen, statt umgekehrt. Ich habe mich nie als Werkzeug verstanden, vielleicht bin ich auch deshalb dazu in der Lage, selbst zu kontrollieren.
      Dennoch, so warm Sheonas Worte gestern zu mir waren, über mich als Tierflüsterer. So kamen auch Bedenken und Druck. Wer hoch sitzt, kann tief fallen. Ich kann nur hoffen, dass nicht alle aufhören selbst zu denken und sich nur auf mich verlassen. Auch wenn es um Tiere geht. Ich werde die Verantwortung nicht übernehmen.

      Dafür sollten das andere umso mehr tun. Tiere sind weder Werkzeuge, noch Probleme. Und Artefakte sind keine Spielzeuge. Es möchte aber niemand verstehen. Jaros Worte allein wären Grund genug, die Artefakte ernst zu nehmen und nicht mit ihnen zu experimentieren. So vieles von dem was er sagte, strotzte nur vor Warnungen. Ja, sein Tempel konnte mit den Wirkungen umgehen. Doch welch Aufwand war dafür nötig! Und wer weiß, wie viele Fehlschläge es brauchte, bis dieses durchdachte Konstrukt endlich funktionierte. Nein...solche Menschen dürfen sie nicht erhalten. Ich werde sie

      Darum steht nun ein Familienrat an. Über all das noch einmal sprechen. Eine gute Idee, Sheona. Ich hoffe nur, dass Reynir das ebenso sieht. Er schwieg in letzter Zeit so viel. Mein eigenes Schicksal ist Zeuge, dass dies der wahre falsche Pfad ist. Aber wir schaffen es. Seine Umarmung war echt. Unsere genauso. Ich halte an uns fest. Nicht umsonst tragen wir unseren Namen und unsere bestehende Familie nun offen nach Außen. Und es erfüllt mich nicht mit Angst. Wohl aber mit Freude und Stolz!


      Mit einem guten Gefühl, endet seine Niederschrift. Welch Glück, dass er dieses Gefühl nicht mehr für sich behalten muss. Also reißt er von dieser Seite eine Ecke ab und sucht nach seinem Spickzettel.