Rimay Caras Erinnerungen

    • Rimay setzt sich auf das Bett in dem Zimmer welches sie von Marcus und Ian bekommen hat. Ein müdes, aber zufriedenes lächeln huscht ihr über die Lippen bevor sie sich hinlegt. Sie nimmt ihr Tagebuch und überlegt erst ob sie überhaupt einen Eintrag verfassen soll. Sie entschließt sich letztendlich doch dazu.

      Ein … ausgewogener Tag

      Eigentlich lief heute fast alles schief was hätte schief laufen können. Milan ist ein verdammter Narr und Vaan bleibt ein Arschloch. Und Marcus würde wohl beiden gern den Kopf abreißen - was die Situation wohl nicht wirklich besser macht. Aber von Anfang an: Milan hat den Greifen und Liam angegriffen. Auch auf mich und Ian hat er mit der Balliste geschossen. Und damit hat er den Bogen endgültig überspannt. Wäre ich mit Nova auf das Schiff gekommen hätte ich ihn wohl da schon in Stücke gerissen … wenn Liam nicht dabei gewesen wäre. Die Situation tut mir vor allem für den Jungen so Leid. Es gibt bereits Pläne was unser weiteres Vorgehen betrifft. Ich hoffe sie lassen sich so umsetzen.

      Und Vaan. HA! Er ist hier aufgetaucht - in einem wohl extrem ungünstigen Moment. Marcus war wegen der Sache mit Milan noch … sagen wir gereizt. Und auch ich wollte eigentlich meine Ruhe haben. Währen Marcus seine Wut offen zeigt fresse ich sie in mich hinein. Und ehrlich - hätten wir später nicht im Ring gegeneinander gekämpft, den Frust so abgebaut, dann hätte ich heute womöglich auch noch etwas dummes getan. Wie ich erfahren habe war er wohl auch bei Hope und will uns in den Raum der Rätsel begleiten. Hoffentlich macht er sich wenigstens nützlich.

      Und wäre das nicht schlimm genug gewesen ist mir heut abend noch ein Missgeschick passiert und diese dämliche kleine Echse hat mir in den Arm gebissen. Die Wunde brennt wie Feuer. Das ist nicht gut. Hoffe es entzündet sich nicht. Ich werde mal abwarten bevor ich Marcus und Ian etwas davon sage. Wegen einer kleinen Bisswunde werde ich nicht herum heulen.

      Bei all dem Übel was geschehen ist sind zum Glück auch gute Dinge passiert. Unser neuer Gefährte zum Beispiel. Und … nun ja. Ich weiß nicht ob ich meine Antwort zumindest ein wenig verändern würde. Die Antwort die ich Ian letztens gab. Ich habe Marcus mit seinen Raptoren geholfen und wir waren auf Ohnezahn und Sif unterwegs jagen. Es weckt Erinnerungen. Gute als auch schlechte. Aber es war ein großartiges Gefühl.Und um die Wette schwimmen waren wir. Unten am See. Ich liebe das Wasser. Es beruhigt mich am Wasser zu sein und es erinnert mich an meine Mutter. Für einen Moment ist es dann manchmal, als wäre sie noch hier und würde mir mit ihren Worten beiseite stehen.

      Und dann ist da noch das Zimmer … da ich momentan oft hier bin und bis zur Expedition wohl auch erst einmal bleiben werde bevor ich zurück in den Norden gehe, haben Ian und Marcus mir ein Zimmer hier eingerichtet. Ich muss unbedingt sehen das ich zuhause das Nebengebäude fertig bauen kann damit Sander einziehen kann und auch für Ian und Marcus noch Zimmer geschaffen werden können. Nach diesem Geschenk kann ich die beiden ja schlecht einfach in der Scheune schlafen lassen.

      Rimay schließt das Tagebuch mit einem lächeln und legt sich schlafen. Nach diesem langen Tag fallen ihr schnell die Augen zu. Für eine Weile zumindest …

      Rimay sieht sich um. Die Umgebung kommt ihr bekannt vor und sofort macht sich Panik in ihr breit. Das ist der Ort von damals. Dort - wo sie ihre Mutter hat sterben sehen. Aber niemand ist dort. Langsam läuft sie durch den Schnee und sieht sich aufmerksam um. Plötzlich sieht sie in der Ferne zwei Personen. Sie kämpfen - nein, sie schützen. Einen Greifen … eine Frau und einen Jungen. Rimay will auf sie zugehen doch kann sich keinen Meter bewegen. In der Ferne sieht sie einen Eisdrachen der sich den fünf Menschen zubewegt. Sie will ihnen zurufen, als sie eine andere Gruppe an Menschen sieht - auch sie kämpfen, ein Feuerdrache bewegt sich auf sie zu. Es dauert einen Moment bis Rimay sie erkennt - ihre Mutter, Chaska, Nash. Egal wie oft Rimay versucht ihnen zuzurufen, kein Ton will ihr über die Lippen kommen. Dann merkt sie, dass sie sich wieder rühren kann. Die Drachen sind schon nahe - viel zu nahe … und ihre Familie … ihre FamilieN sind von Feinden umringt. Unmöglich würden sie es schaffen die Feinde und die Drachen zu besiegen. Verzweifelt blickt Rimay zwischen den Gruppen hin und her. Sie kann nur einer der kämpfenden Gruppen helfen …

      Rimay wacht schweißgebadet auf. Eine Träne läuft ihr über die Wange. Sie sitzt eine Zeit lang einfach nur auf dem Bett, bevor sie aufsteht und nach draußen zu Nova geht. Sie sieht sich kurz um - ob Ian oder Marcus in der Nähe sind - als sie glaubt im Moment alleine zu sein umarmt sie die große Katze und fängt leise an zu weinen.
    • Letzte Vorbereitungen

      Wir alle haben die letzten Vorbereitungen getroffen bevor es wieder in den Raum der Rätsel gehen soll. Hope bringt Medizin und so mit. Ich habe noch einige Fackeln hergestellt und hoffe das Marcus und Ian hier noch genug Trockenfleisch haben. Und ein paar Wasserflaschen mehr sind sicher auch nicht schlecht.

      Fehlversuche

      In letzter Zeit läuft alles nur noch schief. ALLES. Gefühlt zumindest. Ugh. Ich weiß nicht ... wütend, verzweifelt ... keine Ahnung. Alles geht mir durch den Kopf. Meine Vergangenheit. Meine Zukunft, das Hier und Jetzt. Momentan ist mir alles ein wenig zu viel. Ich suche nach etwas vertrautem, aber ... ich finde nichts. Oder doch? Das ist alles viel zu kompliziert geworden.

      Marcus musste unbedingt den selben Scheiß machen wie Ian. Er hat auch das "Experiment" gewagt und ich könnte ihn dafür noch einmal töten. Beinahe hätte ich es auch als er dann in der Wüste plötzlich mit gezogener Waffe vor mir stand. Er kannte die Risiken doch, und trotzdem hat er es getan. Also habe ich ihm heute die selbe Rede gehalten die ich Ian auch schon gehalten habe. Er könnte uns ALLE in Gefahr bringen. Nicht nur sich. Mir wäre es egal ob ich brenne. Ich rechne immer mit dem Tod. Er kann dich hier immer und über all erwischen - auch mit Stein. Aber Hope? Liam? ... er selbst? Ich will nicht wieder eine Familie verlieren. Vielleicht ist es selbstsüchtig so zu denken. Aber die beiden sind mir wichtig geworden. Ich will sie nicht mehr verlieren.

      Und bei der Expedition ging auch alles falsch. GRATA. Ich frage mich was das zu bedeuten hat. Aber wir kamen durch den ersten Raum. Auch die Feuerprobe im zweiten Raum konnten wir meistern. Durch den dritten Raum kamen wir dank der Greifhaken recht einfach. Nicht durch den Vierten. Wir betraten einen leeren Raum. Einen Gang. Ich sah die
      Schrift am anderen Ende aber konnte nicht entziffern was dort steht. Auf alle Fälle hörte ich plötzlich dieses quieken. Und dann waren sie schon da - Fledermäuse. Etliche von ihnen. Ich dachte wir kommen vielleicht mit besserer Ausrüstung durch - aber jetzt wo ich mir das ganze habe durch den Kopf gehen lassen musste ich etwas anderes feststellen. Bisher gab es in jedem Raum die Möglichkeit unbeschadet und ohne Gewalt hindurch zu kommen. Das sollte doch auch hier der Fall sein? Vielleicht lag es am Licht. Vielleicht hat das die Fledermäuse einfach aufgeschreckt! Das heißt ... wenn wir die Fackeln vor dem Raum löschen und im dunkeln durch den Raum gehen sollten wir doch sicher sein? Es ist nur eine Theorie - viel weiß ich über die Fledermäuse nicht. Aber bisher gab jeder Raum ein Rätsel - oder eine Prüfung. Als ob es uns auf die Probe stellt. Der erste Raum war nur die Eingangshalle. Darauf folgten Feuer, Höhen ... Dunkelheit. Ich werde morgen mal mit Hope darüber sprechen. Vielleicht kann sie etwas dazu sagen. Mir ging den Tag über zu viel durch den Kopf so dass ich leider nicht eher darauf gekommen bin. Vielleicht kann man den Kampf wirklich umgehen und wir müssen uns jetzt nicht mit aufwändiger Rüstung beschäftigen. Ich könnte Tarnkleidung herstellen und wenn wir uns dann wie zuvor am Boden bewegen dürfte es funktionieren ... ich könnte es sogar allein testen wenn die anderen darauf bestehen? Mal sehen was sie alle dazu sagen.

      Mit Ian ist irgendetwas passiert. Aber er wollte es uns nicht sagen. Marcus war deswegen stinksauer und ich war auch generell angepisst. Nichts lief heute so wie es soll und beide sind Idioten. Idioten, die ich trotzdem nicht verlieren will. Ich weiß nicht was genau passiert ist. Vielleicht sollten wir es ohnehin erst einmal darauf beruhen lassen. Die beiden sind Familie für mich. Ich habe schon oft genug alles verloren das ich meinte es wäre mein Schicksal allein zu bleiben. Die beiden geben mir die Hoffnung dass das nicht der Fall sein muss.

      Marcus ist jetzt mit her gekommen. Erst wollte ich meine Ruhe aber jetzt bin ich doch froh das ich jemanden zum reden und zuhören hatte. Und ich bin froh das außer Nova, Istas und Aki noch jemand in der Nähe ist. Auch wenn es mir jetzt etwas Leid tut das er auf dem Heuboden schlafen muss. Ich muss mich wirklich DRINGEND an das Nebengebäude setzen - also daran arbeiten. Ich habe Marcus erst mein Zimmer oder den Platz im Turm angeboten aber ich schätze es ist auch besser wenn er ein Auge auf Sif wirft. Nicht das sie sich da drinnen mit Nova und Istas anlegt. Das fehlte noch.

      ... Ich glaube ich muss die Antwort die ich Ian gegeben habe definitiv überdenken. Ich weiß selbst nicht was ich davon halten soll. Ich habe Angst davor. Angst, wieder diejenigen zu verlieren die mir etwas bedeuten. Und so wie Marcus sich manchmal verhält kann ich ihn dann nirgendwo mehr allein hingehen lassen. Ich glaube er will sich immer noch mit dem Sankru anlegen. Ich hoffe er tut es nicht. Dann werden beide Probleme bekommen. Hoffentlich können die wenigstens lang genug miteinander arbeiten bis wir das Kapitel mit den geheimnisvollen Räumen endlich abgeschlossen haben. Hoffentlich ...

      Rimay schlägt das Tagebuch zu und atmet tief durch. Sie legt es auf ihrem Schreibtisch ab und zieht dann noch ein paar Runden entlang der Mauer. Sie summt leise vor sich hin und ihr Blick fällt immer wieder auf den Vulkan. "Faszinierend und schön - aber gefährlich oder sogar tödlich. Wie der Rest dieser Welt. Ich glaube das hast du immer gesagt?" Sie geht auf ihrem Weg durch den Turm und holt dort einen Speer. Die Spitze scheint aus Obsidian zu sein und er ist mit Schnitzereien und weiteren Verzierungen bestückt. Sie geht wieder nach draußen und betrachtet den Speer eine Zeit lang bevor sie hinauf in den Sternenhimmel blickt. "Ich frage mich ob er mir irgendwann seine ganze Geschichte erzählt. Was meinst du?" Ihr Blick fällt wieder auf den Speer. "Ich wünschte du wärst noch hier. Ich frage mich was du über sie denken würdest? Oder Vater?" Sie lässt sich auf einer der Bänke nieder die sich auf dem Dach der Scheune befindet welches mit der Mauer zum Turm verbunden ist. "Was hättest du alles anders gemacht, was würdest du jetzt tun?" Fragt sie leise. Sie seufzt und schüttelt den Kopf. Eine ganze Weile bleibt sie noch sitzen bevor sie sich endlich schlafen legen geht. Den Speer stellt sie wieder an seinen Platz im Turm.

      Es ist angenehm warm. Überall herrscht Leben und die großen, grünen Blätter der Pflanzen spenden Schatten. Rimay sitzt an dem Platz bei der großen Statue. Es ist ihr altes Zuhause. Im Dschungel. Sie sieht Niyaha und ... Nova? Auch Istas und Aki waren da. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen. "Ein wunderschöner Ort oder?" Flüstert sie leise. Als sie wieder zum Haus hinunter gehen will hört sie dort Ian und Marcus reden. Sie gesellt sich zu den beiden.

      Rimay wacht von einem lauten Knall auf und stellt fest dass es draußen wieder stürmt. Etwas genervt steht sie auf. "Da hat man einmal keinen beschissenen Alptraum und wird geweckt." Mürrisch dreht sie sich im Bett um und versucht wieder einzuschlafen. Sie würde gern zurück ... zu ihrem Platz im Dschungel. Selbst wenn es nur im Traum ist.
    • Rimay sitzt in dem Zimmer welches sie bei Ian und Marcus bekommen hat. Eine ganze Zeit lang sieht sie nachdenklich auf ihr Buch und versucht ihre Gedanken zu ordnen, bevor sie beginnt zu schreiben.

      Es ist viel passiert in letzter Zeit. Und ich habe einfach nicht die Zeit oder die Lust gehabt darüber zu berichten. Fangen wir einfach ganz am Anfang an. Wir waren wieder in diesem Labyrinth. Und wir hätten es auch beinahe geschafft! Am Ende hat uns eine Art Höhle erwartet. Es wuchsen dort Bäume und sogar ein paar Hirsche waren dort. Und dann waren noch zwei Artefakte dort ... hinter einer Art ... durchsichtigen Wand. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Keine Ahnung wer es auslöste, aber plötzlich tauchten dort Geister auf. Ja. Geister. Ich muss sagen, ich habe ja mit vielem gerechnet? Aber damit? Wohl eher nicht. Ein Wolf und ein Bär. Ausgerechnet diese beiden Tiere. Aber vielleicht ist das auch alles einfach Zufall. Wer weiß das schon?

      Ja ... und dann ist da noch die Sache mit Milan. Wir haben ihn also zu mir gebracht. Ich war bereit ihm noch eine Chance zu geben. Auch wenn ich mir beinahe sicher war das er sich nicht verändern würde. Auch unter diesen Bedingungen nicht. Sein Tod war ebenso unausweichlich wie der von Chris. Auch wenn ich überrascht bin wie es passiert ist. Und ich habe das Gefühl, das ich maßgeblich dazu beigetragen habe, ohne es eigentlich zu wollen. Liam hätte das Buch erhalten sollen. Und vielleicht hätte ich ihm das damals auf der Insel nicht sagen sollen. Vielleicht war es das was ihn so verändert hat.

      Für einen Moment lang war ich so perplex, das ich wohl genau deshalb zu spät eingriff. Ich hab mir schon gedacht was Liam vor hat, aber das es dann auch wirklich so passiert? Damit habe ich definitiv nicht gerechnet. Ich habe zu spät reagiert und als ich ihm das Messer nahm, da war Milans Schicksal bereits besiegelt. Ich hätte Hope gar nicht erst holen sollen. Liam ist nicht aus dem Weg gegangen und Milan wurde schwächer. Ich lasse niemanden qualvoll verbluten wenn ich es vermeiden kann. Also gab ich ihm das Messer wieder.

      Liam nimmt das alles schon eine ganze Weile mit. Jetzt vermutlich erst recht. Ich mache mir Sorgen um ihn. Das was ich aufgeschnappt habe als er mit Milan gesprochen hat? Es ist nicht gut ... ich weiß aber nicht wie ich ihm helfen sollte. Und ob ich das überhaupt kann. Ich würde ihm gern helfen ... Vielleicht hätte Chaska ihm helfen können. Immerhin kam er auch als Kind hier her.

      Rimay scheint zu überlegen ob sie noch etwas schreibt. Sie fühlt sich, als ob sie noch lange nicht alles erwähnt hat. Irgendwann klappt sie das Buch einfach zu und legt es beiseite.
    • Ich hab ziemlich lange nicht mehr geschrieben. Dabei hatte ich mir eigentlich mal vorgenommen das Buch hier regelmäßig zu führen. Vielleicht ist es auch hinfällig geworden weil ich auch so einfach mit Marcus über alles sprechen kann und deshalb kein Buch mehr brauche. Trotzdem schreibe ich jetzt wieder. Ich will zumindest versuchen die wichtigsten Dinge der vergangenen Tage zusammen zu fassen.

      Wo fang ich am besten an? Die verdammten Gesichtslosen haben mich erwischt. Ich hoffe ja das war das letzte mal, aber wie heißt es manchmal, aller guten Dinge sind drei? Na hoffentlich nicht. Ich habe Hope in ihrem Versteck gefunden und wollte sie da raus holen. Aber genau in dem Moment sind sie natürlich zurück gekommen. Ob Hope weiß das ich vor allem ihretwegen eine große Klappe hatte? Sie ist zumindest besser davon gekommen als ich. Die Wunde am Bein und das Gift machen mir am meisten zu schaffen. Auch wenn es mittlerweile besser wird. Langsam aber sicher. Ich muss nur ein wenig Geduld haben (ich gebe zu, das ist nicht unbedingt eine meiner Stärken)

      Mh ... ja die Sache mit Marcus. Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht das ich überhaupt so über eine Person denken kann. Oder solche Gefühle für jemanden haben kann. Ich habe festgestellt das wir wohl beide ziemlich kaputt sind. Aber zusammen fällt es nicht mehr ganz so auf - es macht vieles irgendwie leichter. Liam hat gestern davon mitbekommen. Er verhält sich wieder viel mehr wie ein Kind. Einerseits freut es mich, weil es heißt das er über die Sache mit Milan hinweg ist, andererseits nervt es. Ich habe Marcus zwar darum gebeten ihn in Ruhe zu lassen, aber ich habe so das Gefühl das meine Bitte überhört wurde.

      Gestern war er mit Loki unterwegs und hat sich wieder mit Dingen angelegt die größer sind als er. Loki kommt durch, da bin ich mir sicher. Marcus macht sich trotzdem Vorwürfe. Kommt mir bekannt vor. Immerhin war ich mit meinen Federraptoren in einer ähnlichen Situation. Ironischer Weise auch mit einem T-Rex.

      Ach und dann ist da noch Jake. Ein Neuling. Ein Junge aus der alten Welt. Er ist schwach. Selbst Liam ist um einiges stärker. Aber er war letztens mit Sander unterwegs, also vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für den Jungen. Abwarten und beobachten was aus ihm wird. Sander hat mittlerweile ganz andere Pläne. Muss mir das demnächst auch noch ansehen.

      Rimay steckt das Tagebuch wieder in ihre Tasche. Sie hat das Gefühl das sie hätte noch mehr aufschreiben sollen. Aber momentan strengt selbst das schreiben an. Also belässt sie es dabei und beschließt sich vorerst keine Gedanken mehr darüber zu machen.
    • Rimay ist mitten in der Nacht aufgestanden. Sie schleicht sich leise nach draußen um Marcus nicht zu wecken und setzt sich dann in den Garten auf das feuchte Gras. Sie blickt zum Vulkan und nach einer Zeit lang kramt sie ihr Tagebuch hervor. Sie überlegt eine Weile und beschließt dann seit langer Zeit wieder einen Eintrag zu verfassen

      Ich bin seit langer Zeit mal wieder im Norden. Ich weiß gar nicht mehr ob ich es meine Heimat nennen soll oder nicht. Vielleicht ist es auch nur noch eine Heimat von mehreren. Vielleicht sollte ich aufhören zu denken das Heimat etwas ortsgebundenes ist.

      Es ist ziemlich viel passiert in letzter Zeit. Vieles davon fast gleichzeitig und ich schätze, ich habe nicht mal Zeit gehabt mir bis jetzt vernünftig Gedanken darüber zu machen. Also mache ich das jetzt. Wenn ich schreibe kann ich meine Gedanken besser ordnen. In letzter Zeit musste ich das nie wirklich ... ich meine, ich habe ja jetzt jemanden mit dem ich sowieso über alles reden kann. Und ohnehin war das Leben bisher schon irgendwie ... angenehm. Klar, es gibt trotzdem noch viel zu tun, die Sache mit den Gesichtslosen ist sicher auch noch lange nicht beendet - auch wenn ich mir da schon fast Hoffnungen mache ... aber trotzdem. Momentan ist das Leben wirklich ... in Ordnung. Ich habe mich seit meiner Kindheit nicht mehr so gut und ... naja irgendwie geborgen gefühlt.

      Aber zu ernsteren Dingen ... Liam hat irgendeinen Idioten mitgebracht. Inzwischen ist er wieder verschwunden. Vielleicht über Nacht doch abgekratzt. Dann weiß er wenigstens das es keine Lüge ist ... vielleicht doch? Naja, soll mir egal sein, solange er nicht zur Gefahr für irgendjemanden hier wird. Ich halte ihn nicht wirklich für nützlich - es sei denn wir brauchen irgendwann mal für irgendwas einen lebendigen Köder. Mit seinem wirren Geschrei lockt er sich alles in einem riesigen Umkreis an. Er hat die ganze Zeit etwas von Regierungsexperimenten gefaselt. Als er dann etwas gegen mich gesagt hat hat das Marcus gar nicht gepasst. Mich hat es die meiste Zeit einfach nur amüsiert. Er ist nicht das erste verwirrte Lowblood das ich sehe, aber definitiv einer der schlimmeren Fälle. Mal sehen wie er so drauf ist wenn wir ihm das nächste Mal begegnet. Sein Tier ist noch hier. Eine Katze wie Nova. Ich frage mich wie er es geschafft hat dieses Tier zu zähmen ... mit seinem geistigen Zustand. Das sollte ich dringend mal heraus finden.

      Als wäre das nicht genug ist am selben Tag noch Geist aufgetaucht ... ja, der Geist. Nashs Geist. Ich war ... fassungslos. Ja fassungslos trifft es wohl gut. Ich schätze einerseits habe ich Gewissheit aber irgendwie tun sich nur mehr Fragen auf und es frustriert mich das ich wohl niemals eine Antwort erhalten werde ... Warum ist er gegangen? WAs hatte er vor? Wusste Chaska davon? Warum hat er mir nichts gesagt? Ich schätze ich kenne die Antwort auf die letzte Frage ... was mich ebenfalls frustriert ist das ich, wenn ihm wirklich etwas zugestoßen ist, ihn hier nicht begraben kann. Soll ich wirklich symbolisch ein Grab oder ein Denkmal hier bei Chaska im Garten errichten? Ich bin mir nicht sicher. Wenn Geist das nächste mal auftaucht werde ich mit ihm gehen. Vielleicht kann er mir etwas zeigen ... irgendwas ...

      Jake. Dann ist da noch Jake. Er macht sich gut. Ich bin ehrlich gesagt wirklich überrascht. Langsam scheint er sich mit seiner Situation abgefunden zu haben und er lässt sich viel von mir zeigen und erklären. Ich hätte nie gedacht das es so viel Spaß machen kann jemandem etwas beizubringen! Aber das tut es wirklich. Ich habe ihm gezeigt wie man mit Pfeil und Bogen schießt und wie er üben kann, wie man Speere baut und sie wirft, ihm kleine Aufgaben gegeben und ihm einiges über die Tiere und Pflanzen hier erzählt. Wenn er weiter so macht könnte tatsächlich noch etwas aus ihm werden. Mit Liam hat er momentan nur ein paar Probleme ... der Junge entwickelt einen wirklich schrägen Humor. Marcus ist manchmal davon genervt, ich mittlerweile auch, Jake hat vermutlich einfach nur Angst und Ian scheint der einzige zu sein den es sogar freut. Irgendwas scheinen die beiden auch zu planen. Mir ist das egal, ich weiß nur nicht wie lange ich im Notfall in der Lage bin Marcus davon abzuhalten irgendjemanden den Kopf abzureißen.

      Rimay lächelt und schließt das Buch wieder. Dann steckt sie es in eine Tasche. Sie sieht noch einen Moment lang auf Chaskas Grab und geht dann wieder zurück zu Marcus.
    • Rimay kommt ziemlich spät wieder zurück in den Norden. Sie hat ein wenig Blut auf der Kleidung aber ihr scheint es gut zu gehen. Auch Istas weißes Fell ist ein wenig von Blut verfärbt und sie scheint sich noch einmal genüsslich über die Schnauze zu lecken. Rimay summt gut gelaunt vor sich hin und nimmt den Zettel den sie für Marcus geschrieben hat wieder ab.

      "Bin kurz weg, irgendwas ist passiert, komm im Notfall mit Nova nach.
      Mach keine Dummheiten, bis gleich. - Rica"

      Keine Ahnung ob Marcus in der Zwischenzeit den Zettel gelesen hat, aber als Rimay wieder da ist steht Nova im Stall und Aki hüpft auf der Wiese auf und ab - anscheinend will er mit Istas spielen, die allerdings in den Stall trottet und ein Schläfchen halten will. Rimay nimmt inzwischen ihr Tagebuch und einige frische Sachen und geht ins Bad. Sie lässt sich ein Bad ein, macht es sich bequem und fängt an zu schreiben - vorsichtig um das Buch nicht ins Wasser fallen zu lassen.

      Das war großartig. GROSSARTIG!
      Auch wenn ich es nicht selbst getan habe. Haha - immer noch dieses Gefühl ... mh ...

      Es gibt ein paar Sachen die mich jedoch nicht in Ruhe lassen.
      Als er sagte ich komme ihm bekannt vor ... und woher wusste er das ich zum Omega-Pack gehöre? Wer weiß es noch? Wie viele von den verfluchten Mistkerlen sind denn da draußen?!

      Wir sind nicht wie sie. Nein - sicher nicht. Er liegt falsch.

      Sie unterbricht kurz das schreiben und fängt an zu lachen. "Was für ein verdammter Idiot! Jetzt ist nichts mehr von ihm übrig. Die Gedanken verschwinden auch bald. Schön." Sie lächelt zufrieden und schreibt weiter.


      Istas hat es sich schmecken lassen. Sie kann sich gern schon an den Geschmack gewöhnen. Ich verfüttere so viele von ihnen an sie wie mir über den Weg laufen!

      Das was uns unterscheidet sind unsere Beweggründe. Foltern kann jeder aber wen und warum. Ich weiß warum. Und auch wenn es mir Genugtuung berietet hat waren es ja auch andere Gründe. Von Hope habe ich so etwas nicht erwartet. Entweder war es Ian der etwas damit zu tun hatte, oder es gab doch Dinge die sie gut verheimlicht hat. Mir soll es egal sein. Es war faszinierend ihr zuzusehen. Es hat mir Freude bereitet.

      Mein Messer habe ich trotzdem lieber. Ich hoffe es schmeckt irgendwann noch mehr Gesichtslosenblut.

      Sie klappt das Buch zu und lässt es neben die Badewanne fallen, dann lehnt sie sich zurück und seufzt. "Schön."